Bitcoin schwächelt nach Kevin Warshs Rede in Jackson Hole
Die heiß erwartete Rede von Kevin Warsh auf dem Notenbankertreffen wurde von den Kapitalmärkten eher negativ aufgefasst. Denn während die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung in Reaktion wieder gestiegen ist, geraten Aktien, Gold und Bitcoin unter Druck.
Von Tristan
Heute um 16 Uhr deutscher Zeit hielt Kevin Warsh, der Vorsitzende der Federal Reserve, seine Rede auf dem Notenbankertreffen in Jackson Hole, Wyoming.
Dabei ging es wie gewöhnlich um die Lage der US‑Wirtschaft. An den Märkten wurde gespannt darauf gewartet, ob sich aus dem Gesagten etwas für den geldpolitischen Ausblick ableiten lässt.
Wie bei seinen ersten zwei Notenbanktagungen als Fed-Chef betonte Warsh schließlich auch in Jackson Hole, dass das übergeordnete Ziel die Preisstabilität sei.
Er erkannte zwar an, dass die im Sommer gemeldeten Inflationsdaten unter den Erwartungen lagen. Dies lasse aber nicht den Rückschluss auf eine nennenswerte Trendwende bei dem zugrundeliegenden Preisdruck zu, so Warsh.
Und obwohl die PCE- und CPI-Werte dieses Sommers besser ausfielen als erwartet, lassen sie für mich nicht den Schluss zu, dass sich die zugrunde liegenden Trends wesentlich verbessert haben.
Kevin Warsh
Im Zuge dessen unterstrich er, dass eine PCE-Inflation von 2 % erreicht werden solle. Die am Mittwoch dieser Woche gemeldete PCE-Inflation, die die Konsumausgaben der US-Haushalte breiter abbilden soll als der Verbraucherpreisindex CPI, lag bei 3,7 %.
Darüber hinaus erklärte der Fed-Chef, dass die finanziellen Konditionen nicht wirklich als restriktiv einzuordnen seien, was als Anzeichen für eine möglicherweise bevorstehende Straffung gewertet werden konnte.
Negative Marktreaktion
Die Rede, die ab 16 Uhr bereits vollständig als Transkript öffentlich zugänglich war, wurde von den Märkten als überraschend „hawkish“, also als Anzeichen für eine bevorstehende restriktivere Geldpolitik, aufgefasst.
Das ließ sich zunächst an der Wahrscheinlichkeit für Zinsanhebungen ablesen. Laut Polymarket stieg die Wahrscheinlichkeit, dass es in diesem Jahr noch eine Zinsanhebung der Federal Reserve geben wird, daraufhin von 56 auf 68 %.
Daten des CME FedWatch Tools zeigen derweil, dass für die kommende Zinsentscheidung im September nun zu über 60 % eine Anhebung um 25 Basispunkte eingepreist wird. Zuvor lag die Wahrscheinlichkeit, dass der Leitzins gleich belassen wird, bei fast 65 %.
Entsprechend wertete der US-Dollar gegenüber anderen Währungen auf, während die Renditen kurzlaufender US-Staatsanleihen in die Höhe schossen.
Sachwerte zeigten sich zunächst noch unbeeindruckt, doch gegen 17:30 Uhr gab es einen stärkeren Abverkauf.
Der Nasdaq 100 war im Tief rund 0,8 % auf Tagessicht im Minus. Bei Gold betrug der Kursverlust knapp 3 %.
Bitcoin konnte sich von dem initialen Kursrutsch nach der Rede zwar schnell wieder erholen. Anschließend ging es aber doch deutlicher bergab.
Gegen 18:30 Uhr handelte BTC unter 77.000 US-Dollar und damit mehr als 5 % unter dem in der Nacht erreichten Zwischenhoch von 81.479 US-Dollar.
Gegenwind durch restriktivere Geldpolitik?
Zu Beginn des Jahres war der Konsens noch, dass es in diesem Jahr drei Zinssenkungen geben wird. Angesichts der gestiegenen Energiepreise, einer direkten Folge des Irankriegs, rechneten schließlich immer mehr Marktteilnehmer mit steigenden Zinsen.
Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins in Reaktion auf die höheren Inflationsraten bereits angehoben, während die Federal Reserve bislang die Füße stillgehalten hat.
Wie sich die FOMC-Mitglieder bei der kommenden Notenbanktagung im September entscheiden werden, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch vollends offen.
Bis dahin werden die weiteren Entwicklungen im Irankrieg sowie die Inflationsdaten für den Monat August von großer Relevanz sein. Auch die US-Arbeitsmarktdaten spielen eine Rolle, da die Federal Reserve neben der Preisstabilität auch die Vollbeschäftigung als Ziel hat.
Sollte die Federal Reserve tatsächlich den Leitzins anheben, so ist möglicherweise mit weiterem Gegenwind an den Märkten zu rechnen. Ein übliches Muster ist nämlich, dass Gold, Bitcoin und Aktien schwächer handeln, wenn sich der geldpolitische Ausblick eintrübt.
Andererseits gab es aber auch Phasen, in denen sich die Märkte trotz eines steigenden Leitzinses gut geschlagen haben. So konnte sich Bitcoin beispielsweise von November 2022 bis August 2023 in etwa verdoppeln, obwohl der US-Leitzins zeitgleich von 4 auf 5,5 % angehoben wurde.
Grundsätzlich sollte eine negative Marktreaktion auf die Worte von Kevin Warsh nicht überinterpretiert werden. Nach seiner Rede zur Zinsentscheidung im Juli kam es an den Märkten ebenfalls zu Verkaufsdruck, der letztlich aber nur kurz anhielt. BTC fiel damals auf 63.300 US-Dollar.
Wochenrückblick #143 - Bitcoin profitiert vom Comeback des Debasement-Trades, hawkische Rede von Kevin Warsh, Strategy (quasi) schuldenfrei
In dieser Podcast-Folge bespricht Blocktrainer-Chefredakteur Tristan die vom Markt eher hawkish aufgefasste Rede von Kevin Warsh, die den Bitcoin-Kurs am Freitag belastet hat. Außerdem Thema sind die bullischen Narrative rund um BTC, die von den US-Leitmedien befeuert werden, die neuen Kursziele an der Wall Street sowie die Tatsache, dass Strategy jetzt fast so viel Cash wie Schulden hat.
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