Patrick Witt, der neue leitende Direktor des „Presidential Council of Advisers on Digital Assets“, war bei dem Krypto-Medium Coindesk im Interview. Dabei erklärte Witt, dass die strategische Bitcoin-Reserve noch immer eine Priorität der US-Regierung sei, es aber noch Hürden zu bewältigen gebe.

Unklarheiten bei der US-Bitcoin-Reserve

Nachdem Bo Hines seine Rolle als leitender Direktor des US-Krypto-Beirats niedergelegt hat, um strategischer Berater des Stablecoin-Emittenten Tether zu werden, war unklar, ob die US-amerikanische Bitcoin-Reserve weiterhin oben auf der Agenda der Trump-Administration steht.

Bo Hines betonte nämlich in mehreren Auftritten und Interviews, dass mit Hochdruck daran gearbeitet werde, die passenden budgetneutralen Wege zur Akkumulation zusätzlicher Bitcoin zu finden. Trumps Dekret erlaubt nämlich Käufe des Assets, wenn dabei keine Kosten für die Steuerzahler entstehen.

Die Leute fragen mich oft nach konkreten Beispielen, und der Grund, warum ich noch nicht sagen will, womit wir anfangen, ist, dass ich die Sache nicht im Vorfeld gefährden möchte. Wir möchten etwas umsetzen, das für die Vereinigten Staaten den größtmöglichen Nutzen bringt. Und wenn wir bereit sind, das zu verkünden – was sicherlich bald der Fall sein wird – dann wird diese Community meiner Meinung nach äußerst zufrieden sein.
Bo Hines

Patrick Witt betonte Ende Juni dieses Jahres, als er noch der stellvertretende Direktor des Krypto-Beirats war, dass bereits Schritte hinsichtlich der Akkumulation zusätzlicher BTC unternommen worden seien.

Wir haben bereits einige Schritte mit der strategischen Bitcoin-Reserve unternommen – Sie wissen schon, wie wir das mit dem Akkumulationsplan weiterverfolgen werden.
Patrick Witt

Mitte August erklärte Finanzminister Scott Bessent schließlich überraschenderweise in einem Interview mit FOX Business, dass die USA die Reserve nicht mit Käufen vergrößern werden.

Wir haben außerdem – um im 21. Jahrhundert anzukommen – eine strategische Bitcoin-Reserve ins Leben gerufen. Wir werden [Bitcoin] nicht kaufen, aber wir werden konfiszierte Vermögenswerte nutzen und dies ausbauen. Wir werden aufhören, [Bitcoin] zu verkaufen.
Scott Bessent

Kurz darauf ruderte er zurück, indem er unterstrich, dass das Finanzministerium doch entschlossen sei, budgetneutrale Wege zu erkunden, um weitere Bitcoin zu akkumulieren.

Die Bitcoin, die endgültig von der Regierung beschlagnahmt wurden, werden die Grundlage der strategischen Bitcoin-Reserve bilden, die Präsident Trump in seinem Dekret aus dem März geschaffen hat.

Darüber hinaus ist das Finanzministerium entschlossen, budgetneutrale Wege zu finden, um weitere Bitcoin zu akquirieren, um die Reserve zu erweitern und das Versprechen des Präsidenten umzusetzen, die Vereinigten Staaten zur „Bitcoin-Supermacht der Welt“ zu machen.
Scott Bessent

Nach diesen teils widersprüchlichen Aussagen, die in der Bitcoin-Community für Verwirrung sorgten, ist und bleibt unklar.

  • wann und wie die Bitcoin-Reserve errichtet wird
  • wie viele Bitcoin die USA tatsächlich besitzen
  • ob und wie weitere BTC akquiriert werden

Jetzt gab Patrick Witt, der Nachfolger von Bo Hines, sein erstes Interview in seiner neuen Rolle als „Executive Director of the President’s Council of Advisers on Digital Assets“. Dabei kam er unter anderem auch auf den Stand der Dinge bei der Bitcoin-Reserve zu sprechen.

Neuigkeiten zur BTC-Reserve

Patrick Witt, der bereits Erfahrungen im US-Verteidigungsministerium sammeln konnte, legte gegenüber Coindesk die Prioritätsetzung der Trump-Administration hinsichtlich Kryptowährungen offen. Ganz oben auf der Agenda stehen laut Witt:

  • die Implementierung des bereits verabschiedeten Stablecoin-Gesetzes (GENIUS ACT)
  • die Arbeit am Gesetz zur Klassifizierung von Krypto-Werten (CLARITY ACT)
  • die Errichtung der Bitcoin-Reserve bzw. des U.S. Digital Asset Stockpile

Da die Gesetze GENIUS und CLARITY Bitcoin – wenn überhaupt – nur am Rande berühren, sind aus Sicht der Bitcoin-Community insbesondere die Entwicklungen bei der strategischen Reserve relevant.

Laut Witt habe sich das Finanzministerium intensiv mit der Frage beschäftigt, wie die Bitcoin-Reserve und die separate „Stockpile“ für alle anderen konfiszierten Krypto-Assets eingerichtet werden können.

„Das hat für mich persönlich, für den Beirat und für die Administration höchste Priorität“, so Patrick Witt zum Thema der Bitcoin-Reserve und U.S. Digital Asset Stockpile gegenüber Coindesk.

Die Arbeit werfe laut Witt jedoch „einige neuartige rechtliche Fragen“ auf, die erst noch geklärt werden müssen. Überdies strebe das Weiße Haus die legislative Unterstützung durch den Kongress an, fügte der leitende Direktor des Krypto-Beirats hinzu.

Witt und seine Kollegen arbeiten daran, einen „verabschiedungsfähigen“ Gesetzentwurf auszuarbeiten, der die Reserve gesetzlich verankert. Damit bezieht er sich wohl nicht auf den Gesetzentwurf von Senatorin Cynthia Lummis, der die Aufstockung der Reserve auf 1 Million BTC vorsieht. 

Neben dem „Bitcoin Act“ von Lummis gibt es beispielweise auch einen Gesetzentwurf des Kongressabgeordneten Byron Donalds. Der „Reserve and Stockpile Act“ zielt lediglich darauf ab, Trumps Dekret gesetzlich zu verankern.

Zu dem Thema, ob und wie die USA weitere Bitcoin akkumulieren, hatte Witt letztlich keine wirklich neuen Details: Die Regierung ziehe noch einige kreative Wege in Betracht, wie mit den bestehenden Befugnissen eine Akkumulation des Assets erreicht werden könne, erklärte er aber gegenüber Coindesk.

Patrick Witts Aussagen zeigen, dass die US-Regierung nach Trumps Dekret kaum dabei vorangekommen ist, die Bitcoin-Reserve tatsächlich zu errichten, geschweige denn auszubauen. Die sich dabei aufdrängende Frage, inwieweit dies mit der angeblich hohen Priorität vereinbar ist, bleibt zum aktuellen Zeitpunkt noch unbeantwortet.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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