Bitcoin-Reserve ist eine hohe Priorität der US-Regierung
Unklarheiten bei der US-Bitcoin-Reserve
Nachdem Bo Hines seine Rolle als leitender Direktor des US-Krypto-Beirats niedergelegt hat, um strategischer Berater des Stablecoin-Emittenten Tether zu werden, war unklar, ob die US-amerikanische Bitcoin-Reserve weiterhin oben auf der Agenda der Trump-Administration steht.
Bo Hines betonte nämlich in mehreren Auftritten und Interviews, dass mit Hochdruck daran gearbeitet werde, die passenden budgetneutralen Wege zur Akkumulation zusätzlicher Bitcoin zu finden. Trumps Dekret erlaubt nämlich Käufe des Assets, wenn dabei keine Kosten für die Steuerzahler entstehen.
Die Leute fragen mich oft nach konkreten Beispielen, und der Grund, warum ich noch nicht sagen will, womit wir anfangen, ist, dass ich die Sache nicht im Vorfeld gefährden möchte. Wir möchten etwas umsetzen, das für die Vereinigten Staaten den größtmöglichen Nutzen bringt. Und wenn wir bereit sind, das zu verkünden – was sicherlich bald der Fall sein wird – dann wird diese Community meiner Meinung nach äußerst zufrieden sein.
Bo Hines
Laut @BoHines, dem leitendem Direktor des „Presidential Council of Advisers for Digital Assets“, werden die USA wohl bald bekannt geben, wie sie mit dem Bitcoin-Kaufen beginnen werden. 🇺🇸🛒
— Blocktrainer (@blocktrainer) June 9, 2025
„Wenn wir bereit sind, dies zu verkünden – und ich bin sicher, dass wir das in Kürze tun… pic.twitter.com/QxY4J4KlKu
Patrick Witt betonte Ende Juni dieses Jahres, als er noch der stellvertretende Direktor des Krypto-Beirats war, dass bereits Schritte hinsichtlich der Akkumulation zusätzlicher BTC unternommen worden seien.
Wir haben bereits einige Schritte mit der strategischen Bitcoin-Reserve unternommen – Sie wissen schon, wie wir das mit dem Akkumulationsplan weiterverfolgen werden.
Patrick Witt
Patrick Witt, Deputy Director des „White House Council on Digital Assets“, hat gesagt, dass sich um den Akkumulierungsplan für die strategische Bitcoin-Reserve gekümmert wird. 🇺🇸🛒👀 pic.twitter.com/nx0dVCuLET
— Blocktrainer (@blocktrainer) June 25, 2025
Mitte August erklärte Finanzminister Scott Bessent schließlich überraschenderweise in einem Interview mit FOX Business, dass die USA die Reserve nicht mit Käufen vergrößern werden.
Wir haben außerdem – um im 21. Jahrhundert anzukommen – eine strategische Bitcoin-Reserve ins Leben gerufen. Wir werden [Bitcoin] nicht kaufen, aber wir werden konfiszierte Vermögenswerte nutzen und dies ausbauen. Wir werden aufhören, [Bitcoin] zu verkaufen.
Scott Bessent
Laut Finanzminister @SecScottBessent werden die USA keine Bitcoin kaufen, sondern nur nicht mehr verkaufen. 🇺🇸📉
— Blocktrainer (@blocktrainer) August 14, 2025
Außerdem glaubt Bessent, dass die Bitcoin-Reserve beim aktuellen Kurs zwischen 15 und 20 Mrd. $ Wert ist. 🧐
Dies würde circa 125.000 bis 170.000 BTC entsprechen. 👀 pic.twitter.com/UkT3yc55Qb
Kurz darauf ruderte er zurück, indem er unterstrich, dass das Finanzministerium doch entschlossen sei, budgetneutrale Wege zu erkunden, um weitere Bitcoin zu akkumulieren.
Die Bitcoin, die endgültig von der Regierung beschlagnahmt wurden, werden die Grundlage der strategischen Bitcoin-Reserve bilden, die Präsident Trump in seinem Dekret aus dem März geschaffen hat.
Darüber hinaus ist das Finanzministerium entschlossen, budgetneutrale Wege zu finden, um weitere Bitcoin zu akquirieren, um die Reserve zu erweitern und das Versprechen des Präsidenten umzusetzen, die Vereinigten Staaten zur „Bitcoin-Supermacht der Welt“ zu machen.
Scott Bessent
Bitcoin that has been finally forfeited to the federal government will be the foundation of the Strategic Bitcoin Reserve that President Trump established in his March Executive Order.
— Treasury Secretary Scott Bessent (@SecScottBessent) August 14, 2025
In addition, Treasury is committed to exploring budget-neutral pathways to acquire more…
Nach diesen teils widersprüchlichen Aussagen, die in der Bitcoin-Community für Verwirrung sorgten, ist und bleibt unklar.
- wann und wie die Bitcoin-Reserve errichtet wird
- wie viele Bitcoin die USA tatsächlich besitzen
- ob und wie weitere BTC akquiriert werden
Jetzt gab Patrick Witt, der Nachfolger von Bo Hines, sein erstes Interview in seiner neuen Rolle als „Executive Director of the President’s Council of Advisers on Digital Assets“. Dabei kam er unter anderem auch auf den Stand der Dinge bei der Bitcoin-Reserve zu sprechen.
Neuigkeiten zur BTC-Reserve
Patrick Witt, der bereits Erfahrungen im US-Verteidigungsministerium sammeln konnte, legte gegenüber Coindesk die Prioritätsetzung der Trump-Administration hinsichtlich Kryptowährungen offen. Ganz oben auf der Agenda stehen laut Witt:
- die Implementierung des bereits verabschiedeten Stablecoin-Gesetzes (GENIUS ACT)
- die Arbeit am Gesetz zur Klassifizierung von Krypto-Werten (CLARITY ACT)
- die Errichtung der Bitcoin-Reserve bzw. des U.S. Digital Asset Stockpile
Da die Gesetze GENIUS und CLARITY Bitcoin – wenn überhaupt – nur am Rande berühren, sind aus Sicht der Bitcoin-Community insbesondere die Entwicklungen bei der strategischen Reserve relevant.
Laut Witt habe sich das Finanzministerium intensiv mit der Frage beschäftigt, wie die Bitcoin-Reserve und die separate „Stockpile“ für alle anderen konfiszierten Krypto-Assets eingerichtet werden können.
„Das hat für mich persönlich, für den Beirat und für die Administration höchste Priorität“, so Patrick Witt zum Thema der Bitcoin-Reserve und U.S. Digital Asset Stockpile gegenüber Coindesk.
Die Arbeit werfe laut Witt jedoch „einige neuartige rechtliche Fragen“ auf, die erst noch geklärt werden müssen. Überdies strebe das Weiße Haus die legislative Unterstützung durch den Kongress an, fügte der leitende Direktor des Krypto-Beirats hinzu.
Witt und seine Kollegen arbeiten daran, einen „verabschiedungsfähigen“ Gesetzentwurf auszuarbeiten, der die Reserve gesetzlich verankert. Damit bezieht er sich wohl nicht auf den Gesetzentwurf von Senatorin Cynthia Lummis, der die Aufstockung der Reserve auf 1 Million BTC vorsieht.
Neben dem „Bitcoin Act“ von Lummis gibt es beispielweise auch einen Gesetzentwurf des Kongressabgeordneten Byron Donalds. Der „Reserve and Stockpile Act“ zielt lediglich darauf ab, Trumps Dekret gesetzlich zu verankern.
Zu dem Thema, ob und wie die USA weitere Bitcoin akkumulieren, hatte Witt letztlich keine wirklich neuen Details: Die Regierung ziehe noch einige kreative Wege in Betracht, wie mit den bestehenden Befugnissen eine Akkumulation des Assets erreicht werden könne, erklärte er aber gegenüber Coindesk.
Patrick Witts Aussagen zeigen, dass die US-Regierung nach Trumps Dekret kaum dabei vorangekommen ist, die Bitcoin-Reserve tatsächlich zu errichten, geschweige denn auszubauen. Die sich dabei aufdrängende Frage, inwieweit dies mit der angeblich hohen Priorität vereinbar ist, bleibt zum aktuellen Zeitpunkt noch unbeantwortet.