Bitcoin-Proxy Strategy kommt nicht in den S&P 500
Komitee entscheidet sich gegen Strategy
Die „Bitcoin Treasury Company“ Strategy ist eine der größten 110 US-amerikanischen Aktiengesellschaften. Doch um Teil des S&P 500 zu werden, der 500 Unternehmen mit Firmensitz in den USA umfasst, ist nicht nur die Marktkapitalisierung ausschlaggebend. Um sich zu qualifizieren, muss unter anderem in den vergangenen vier Quartalen zusammengerechnet ein Gewinn erwirtschaftet worden sein.
Nachdem Strategy aufgrund der neuen Bilanzierungsrichtlinie für Kryptowährungen und eines im zweiten Quartal deutlich gestiegenen Bitcoin-Kurses einen Nettogewinn von 10 Milliarden US-Dollar ausgewiesen hatte, erfüllte das von Michael Saylor gegründete Unternehmen erstmals alle Bedingungen für die Aufnahme in den S&P 500. Doch das Indexkomitee von S&P Dow Jones Indices entschied sich trotzdem gegen die Inklusion des größten Firmenhalters von Bitcoin.
Zum 22. September werden AppLovin, Robinhood und Emcor Group aufgenommen. MarketAxess Holdings, Caesars Entertainment und Enphase Energy müssten dafür den Index verlassen, heißt es in der Pressemitteilung. Die Strategy-Aktie (MSTR) reagierte nachbörslich auf diese Nachricht mit einem Minus von circa 3 Prozent. Die Tatsache, dass sich der Abverkauf in Grenzen hält, spricht dafür, dass der Markt die Inklusion von Strategy zuvor nicht wirklich eingepreist hatte.
Es kommt tatsächlich häufiger vor, dass sich das Komitee gegen bestimmte Unternehmen entscheidet, obwohl sie sich qualifizieren. Dies war beispielsweise bei Tesla der Fall. Das Unternehmen von Elon Musk erfüllte nach Q2 2020 alle formalen Anforderungen. Die Aufnahme erfolgte aber nicht bei der Neuausrichtung des Index im darauffolgenden September, sondern erst drei Monate später.
Das Indexkomitee von S&P Dow Jones Indices hat sich nicht zu der Ablehnung von Strategy geäußert. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Entscheidungsträger die bilanzierten Gewinne, die maßgeblich an der Entwicklung des Bitcoin-Kurses hängen, als nicht nachhaltig genug einordnen. Ob die Inklusion zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden wird – so wie es bei Tesla der Fall war –, steht noch in den Sternen.
Auch ohne die „Bitcoin Treasury Company“, die beeindruckende 636.505 BTC hält, gibt es im S&P 500 bereits Unternehmen mit Bitcoin auf der Bilanz – und zwar den Autobauer Tesla (11.509 BTC), den Zahlungsdienstleister Block (8.692 BTC) und die Krypto-Börse Coinbase (11.776 BTC). Dass mit Coinbase bereits ein reines Krypto-Unternehmen Teil des Index ist, lässt vermuten, dass das Komitee dem Sektor gegenüber grundsätzlich nicht negativ eingestellt ist.
Ein Dämpfer für Strategys Geschäftsmodell
Für das Geschäftsmodell von Strategy ist ein hoher Aktienkurs von großer Bedeutung. Denn die primäre Kapitalbeschaffung für Bitcoin-Käufe ist die Ausgabe neuer Stammaktien zu einem Premium. Je höher das Unternehmen im Verhältnis zum Nettowert der gehaltenen BTC bewertet ist, desto lukrativer ist diese Kapitalmaßnahme.
Seit Anfang 2024 hat Strategy fast 28 Milliarden US-Dollar über die Emission neuer MSTR-Aktien eingenommen, um damit Bitcoin zu kaufen. Doch in den vergangenen Wochen ist mNAV deutlich zurückgelaufen – auf einen Wert von circa 1,5 x. Das mNAV berechnet sich wie folgt: Marktkapitalisierung zuzüglich der ausstehenden Verbindlichkeiten (Vorzugsaktien und Wandelanleihen) geteilt durch den Wert der Bitcoin auf der Bilanz.
Strategy reagierte auf dieses fallende Premium mit einer Überarbeitung der eigenen Firmenregeln, um auch bei einem mNAV von unter 2,5 x neue Stammaktien für Bitcoin-Käufe emittieren zu können – was das Unternehmen zuvor bereits des Öfteren getan hat. Dieser Schritt sorgte für Kritik, da nicht einmal 3 Wochen zuvor überhaupt erst kommuniziert worden war, dass dies erst ab einem mNAV von 2,5 x geschehen werde.
Wäre Strategy in den S&P 500 aufgenommen worden, hätte dies immense Kapitalzuflüsse in die Aktie bedeutet. Die rund 2,5 Billionen US-Dollar schweren ETFs, die diesen Index abbilden, hätten dann nämlich die Strategy-Aktie kaufen müssen – für mehrere Milliarden US-Dollar. Und wenn S&P 500-ETFs Zuflüsse verzeichnen, wäre dann auch immer ein Teil in MSTR – und damit über Umwege auch in Bitcoin – geflossen.
Die S&P 500-Inklusion hätte dem Geschäftsmodell entsprechend einen Push geben können. Grundsätzlich ist ein Sinn und Zweck von „Bitcoin Treasury Companies“, ein Vehikel darzustellen, über das in anderen Anlageklassen gefangenes Kapital einen Weg zu Bitcoin findet. Aus diesem Grund erschließt Strategy seit diesem Jahr auch den Markt für Vorzugsaktien.
Aber auch ohne Teil des S&P 500 zu sein, reißt die Erfolgsgeschichte des von Michael Saylor gegründeten Unternehmens nicht ab. Seit dem ersten Bitcoin-Kauf im August 2020 ist die Strategy-Aktie um unglaubliche 2.600 Prozent gestiegen. Und trotz der Underperformance gegenüber Bitcoin in den vergangenen Monaten liegt die Rendite von MSTR auf 12-Monats-Sicht noch fast doppelt so hoch wie die der Kryptowährung.
Michael Saylor, Gründer und „Executive Chairman“ von Strategy, reagierte bereits auf die Meldung mit einem Post auf der Plattform 𝕏.
In diesem machte er darauf aufmerksam, dass die annualisierte Rendite der MSTR-Aktie seit Beginn der Bitcoin-Strategie deutlich über der des S&P 500 liegt – und zwar um mehr als den Faktor 6,5.
Ich denke gerade über den S&P nach …
Michael Saylor
Thinking about the S&P right now… pic.twitter.com/Y5nPc9XT4l
— Michael Saylor (@saylor) September 6, 2025
Seit Dezember vergangenen Jahres ist Strategy übrigens schon Teil des Aktienindex Nasdaq 100, womit ein großer Meilenstein bereits gelingen konnte.
Apropos Nasdaq: Laut einem Artikel von The Information verschärft die Technologiebörse die Kontrolle von Aktiengesellschaften, die in Kryptowährungen investieren. Unternehmen, die sich für die Ausgabe neuer Aktien für Krypto-Käufe nicht die Genehmigung der Aktionäre einholen, könnten künftig ihr Listing an der zweitgrößten US-Börse verlieren.
Strategy ließ die Aktionäre um die Jahreswende darüber abstimmen, ob die maximale Anzahl an Stammaktien von 330.000.000 auf 10.330.000.000 erhöht werden kann. Die Anteilseigner genehmigten dies. Das Unternehmen erklärte nach dem Bericht von The Information, dass es von den neuen Regelungen der Nasdaq nicht betroffen sei.
Die neue Haltung der Nasdaq zum Aufbau von Treasury-Beständen digitaler Vermögenswerte hat keine Auswirkungen auf Strategy, unsere Ausgabe von Aktien oder unsere sonstigen Kapitalmarktaktivitäten.
Strategy auf 𝕏
Nasdaq’s new position on digital asset treasury formations doesn’t affect Strategy, our ATMs or our other capital markets activities.
— Strategy (@Strategy) September 5, 2025
Bedeutung für Bitcoin
Für den Bitcoin-Kurs ist der Erfolg des Unternehmens, das mittlerweile mehr als 3 Prozent aller jemals existierenden Bitcoin hält, durchaus relevant. Allein seit Jahresauftakt hat Strategy mehr als 19 Milliarden US-Dollar über die Kapitalmärkte aufgenommen, um Bitcoin zu kaufen.
Sollte es Strategy künftig deutlich schwerer haben, weiteres Kapital aufzunehmen, so dürfte sich dies negativ im Bitcoin-Preis widerspiegeln. Der Kurs der Kryptowährung zeigte sich von der Meldung, dass Strategy vorerst nicht Teil des S&P 500 wird, bislang jedoch weitestgehend unbeeindruckt.