Bitcoin Power Law: Sagt dieses Modell den Kurs voraus?
Es gibt viele verschiedene Arten und Weisen, eine Bitcoin-Kursprognose aufzustellen. Einige Analysten vergleichen Bitcoin dafür beispielsweise mit anderen Anlageklassen, um anhand einer These – etwa dass Bitcoin das Edelmetall Gold in der Marktkapitalisierung überholen wird – einen Preis je Coin abzuleiten.
Aber auch rein preisbasierte Modelle erfreuen sich großer Beliebtheit. So eines ist das sogenannte „Power Law“, das für den Bitcoin-Kurs – auf Basis vergangener Daten – einen bestimmten Preiskorridor für die Zukunft vorgibt. Erstaunlicherweise hat sich dieses Modell bislang als äußerst zuverlässig erwiesen.
Eine Begründung dafür, dass der Bitcoin-Kurs diesem Muster folgt, ist zudem, dass das „Power Law“ ein in der Natur häufig vorkommendes Muster zu sein scheint. Was ist das „Bitcoin Power Law“, welche Preise sagt es voraus und wie sinnvoll ist es, sich an diesem zu orientieren?
Das „Bitcoin Power Law“
Um das „Power Law“ verstehen zu können, gilt es zuerst, die verschiedenen Darstellungsmöglichkeiten eines Preis-Charts kennenzulernen. Neben einem regulären Chart gibt es nämlich auch die Möglichkeit, eine logarithmische Darstellung des Preises zu wählen. Dabei ist der Abstand auf der y-Achse, die den Preis abbildet, zwischen 1 und 10 der gleiche wie zwischen 10 und 100 oder zwischen 10.000 und 100.000.
Eine solche Preisachse ermöglicht es, bei stark steigenden Vermögenswerten wie Bitcoin auch noch die Kursentwicklungen in der Anfangszeit sichtbar zu machen. Bei einem regulären Bitcoin-Chart sind die ersten Jahre nämlich nur als flache Linie zu erkennen – obwohl auch da eine Vervielfachung des Kurses stattgefunden hat.
Eine exponentiell ansteigende Kurve würde in einer logarithmischen Darstellung entsprechend eine Gerade sein, die von links unten nach rechts oben verläuft. Ein logarithmischer Bitcoin-Chart macht deutlich, dass der Bitcoin-Preis nicht ganz exponentiell steigt – der Kurs flacht nämlich mit der Zeit ab.
Stellt man jedoch die Zeitskala, also die x-Achse, ebenfalls auf logarithmisch ein, so zeigt sich, dass der Bitcoin-Kurs – mit Schwankungen – einer Geraden beziehungsweise einem Kanal folgt. Das ist das sogenannte „Power Law“. Der Astrophysiker Giovanni Santostasi hat die „Bitcoin Power Law“-Theorie bekannt gemacht.
Dieser Kanal, der ziemlich ähnlich ausgesehen hätte, wenn man ihn in den Anfangsjahren des Bitcoin-Netzwerks schon gezogen hätte, stellt einen 7-stelligen Bitcoin-Kurs frühestens 2028 und spätestens im 2037 in Aussicht.
Bei einem aktuellen Bitcoin-Kurs von etwas mehr als 100.000 US-Dollar ist der Preis so ziemlich im Mittelfeld des „Power Law“-Kanals und damit weit entfernt von der oberen Widerstandslinie. Aus dieser Sicht wäre eine „Überhitzung“ aktuell erst bei mehr als 400.000 US-Dollar je BTC erreicht.
Grundlage des Modells
Unter dem Strich ist das „Bitcoin Power Law“ lediglich eine Spielerei mit den Achsen des Preischarts. Doch die Anhänger des Modells verleihen diesem mehr Nachdruck, indem sie darauf verweisen, dass bei vielerlei Dingen auf diesem Planeten das „Power Law“ anwendbar ist.
Zum Beispiel folgt der Zusammenhang zwischen Körpermasse (in Gramm) und Stoffwechselrate (in Kalorien pro Stunde) von Organismen dem „Power Law“. Bildet man die beiden Größen in einem Log-log-Chart ab, so zeigt sich, dass die verschiedenen Organismen weitgehend entlang einer Geraden anzuordnen sind. Anders gesagt: Größere Organismen verbrauchen mehr Energie pro Masseeinheit, aber nicht nach einem linearen Trend, sondern nach dem „Power Law“, da sie energieeffizienter sind.
Ob tatsächlich ein „Power Law“-Trend – also eine lineare Gerade in einem Log-log-Chart – vorliegt, hängt auch von der gewählten Potenzskalierung der logarithmischen Achsen ab.
Das wohl treffendere Beispiel, das auch besser mit dem „Bitcoin Power Law“ vergleichbar ist, ist die Anzahl der Internetnutzer über die Zeit.
Auch hier zeigt sich bei einer Log-log-Darstellung ein Wachstum in Form eines geraden Kanals – ähnlich wie beim Bitcoin-Preis. Da sowohl die Anzahl der Internetnutzer als auch der Bitcoin-Preis auf einem Netzwerkeffekt aufbauen, ist es durchaus bemerkenswert, dass hierbei das „Power Law“ häufig vorzukommen scheint.
Aber nicht nur der Bitcoin-Preis folgt dem „Power Law“. Auch die Anzahl an aktiven Bitcoin-Adressen nimmt über die Zeit in einem Log-log-Chart in etwa in Form einer Geraden zu.
Ein „Power Law“-Zusammenhang liegt außerdem vor, wenn man den Bitcoin-Preis auf der y- und die Anzahl der aktiven Adressen auf der x-Achse jeweils in logarithmisch darstellt. Das bedeutet, dass der Netzwerkwert mit zunehmender Nutzeranzahl überproportional wächst, wie es auch „Metcalfe’s Law“ beschreibt.
Ein „Power Law“-Trend zeigt sich außerdem beim Wachstum der Bitcoin-Hashrate, also der Rechenleistung, die in das Netzwerk „fließt“, und wenn man die Hashrate dem Bitcoin-Preis gegenüberstellt.
Aussagekraft des „Bitcoin Power Law“
Auch wenn sich das auf den Preis bezogene „Bitcoin Power Law“ bislang als überraschend zuverlässig herausgestellt hat und dieses Muster ein häufig wiederkehrendes ist, liegt ein relevantes Problem vor: Der Maßstab ist der US-Dollar – eine Währung, deren umlaufende Menge sich stetig ändert.
Sollte der US-Dollar beispielsweise in einer Hyperinflation enden, so wie es bei einigen Staatswährungen bereits der Fall war, so würde das Modell wohl nach oben gebrochen werden. Ebenso wäre es ungültig, wenn der US-Dollar mittels einer Währungsreform abgelöst werden würde.
Dadurch, dass das Modell lediglich einen langfristigen Trend zeigt, um den der Bitcoin-Kurs stark herum schwankt, ist es zudem nicht wirklich dazu geeignet, ein Trading-System davon abzuleiten – auch wenn sich Einstiege um den Unterstützungsbereich herum bislang immer als vorzügliche Einstiegschancen herausgestellt haben.
Wie bei anderen Kursmodellen liegt entsprechend die Schlussfolgerung nahe, dass es interessant und unterhaltsam ist. Aber eine Gesetzmäßigkeit daraus abzuleiten und darauf zu wetten, dass der Kurs weiterhin in diesem Kanal bleibt, ist wohl wenig sinnvoll.