Der Bitcoin-Kurs kratzt am Allzeithoch von 112.000 US-Dollar. Währenddessen könnte die Nachrichtenlage kaum besser sein. Was sind die Gründe für die derzeitige Kursstärke und wie könnte es weitergehen?

Seit Anfang April, als Bitcoin aufgrund von Unsicherheiten durch die Zollthematik zeitweise unter 75.000 US-Dollar gefallen ist, kennt der Kurs der bedeutendsten Kryptowährung nur eine Richtung – und zwar die nach oben.

Momentan steht der Bitcoin-Kurs bei circa 110.000 US-Dollar und damit nicht mehr weit entfernt von dem bisherigen Höchststand von 112.000 US-Dollar, den das Asset am 22. Mai erreicht hat. Bitcoin handelt heute den 33. Tag in Folge konstant über der Marke von 100.000 US-Dollar. Zuvor gelang dies dem Asset nur 6 Tage am Stück.

Inflationsdaten stützen Bitcoin-Kurs

Die US-Inflationsdaten für den Monat Mai, die auf breiter Front niedriger ausgefallen sind, als erwartet, stützen den Kurs der bedeutendsten Kryptowährung am heutigen Tag. Die Begründung: Ein niedrigeres Preisniveau gibt der US-Zentralbank mehr Spielraum für Zinssenkungen.

  • Inflationsrate im Vorjahresvergleich: 2,4 % (Erwartung 2,5 %)
  • Inflationsrate im Vormonatsvergleich: 0,1 % (Erwartung 0,2 %)
  • Kerninflation im Vorjahresvergleich: 2,8 % (Erwartung 2,9 %)
  • Kerninflation im Vormonatsvergleich 0,1 % (Erwartung 0,3 %)

US-Präsident Trump bezeichnete die Inflationsdaten als „tolle Zahlen“ und wiederholte in diesem Zug seine Forderung, dass die Federal Reserve (Fed) den Leitzins um einen Prozentpunkt senkt – auf die Spanne von 3,25 bis 3,50 Prozent.

Die Inflationsdaten sind raus. Tolle Zahlen! Die Fed sollte die Zinsen um einen ganzen Prozentpunkt senken. Wir würden viel weniger Zinsen für fällige Schulden zahlen. Das ist so wichtig!!!
Donald Trump auf Truth Social

Momentan preist der Markt mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 70 Prozent ein, dass bei der Notenbanktagung im September die nächste Zinssenkung vollzogen wird.

Weiter steigende Notierungen voraus

Das Umfeld für Bitcoin könnte derzeit kaum besser sein: Die größte Volkswirtschaft der Welt unterstützt das Asset und hat sogar eine strategische Bitcoin-Reserve etabliert – mit der Aussicht auf aktive Käufe.

Währenddessen starten immer mehr Unternehmen eine Bitcoin-Strategie, und die Bitcoin-Spot-ETFs verzeichnen starke Zuflüsse, was auf eine steigende Nachfrage institutioneller Investoren schließen lässt.

Da sich der Bitcoin-Kurs seit dem Tiefststand des vergangenen Bärenmarktes im Jahr 2022 bereits mehr als versiebenfacht hat, drängt sich jedoch die Frage auf, wie hoch das Potenzial noch sein kann.

Kein Bärenmarkt mehr?

Auf diese Frage hat der Bitcoin-Bulle Michael Saylor eine Antwort. In einem Bloomberg-Interview wurde er in dieser Woche darauf angesprochen, ob ein weiterer Bitcoin-Bärenmarkt beziehungsweise „Bitcoin-Winter“ drohen könnte. Daraufhin betonte der Unternehmer, dass das Asset die riskanteste Phase hinter sich hat und der Weg nach oben nun frei ist. 

Zuvor hieß es immer, Bitcoin geht auf null oder steigt auf 1 Million US-Dollar. Laut Saylor ist nun klar, was bevorsteht.

Der [Bitcoin]-Winter kommt nicht zurück. Diese Phase haben wir hinter uns. Wir sind über den Punkt hinaus, an dem man noch sagen könnte, Bitcoin geht auf null. Es geht auf 1 Million US-Dollar. […] Bitcoin hat seine riskanteste Phase überstanden.
Michael Saylor

Um die These zu untermauern, dass die Unsicherheiten jetzt beseitigt seien, führte Saylor an, dass die Trump-Administration und Paul Atkins, der Chef der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC, Bitcoin unterstützen sowie Banken in das Verwahrgeschäft einsteigen werden.

Ob ein Kurs steigt, hängt jedoch davon ab, wie viel Kauf- und Verkaufsnachfrage vorhanden ist. Saylor erklärte in diesem Zusammenhang, dass die durch den Mining-Prozess neu in den Umlauf kommende Menge an Coins nicht ausreicht, um die Nachfrage durch Unternehmen und die Spot-ETFs zu stillen.

Es gibt jetzt nur noch 450 Bitcoin pro Tag, die von natürlichen Verkäufern verkauft werden – das sind die Miner. Auf diesem Niveau ergibt das etwa 50 Millionen Dollar an Bitcoin, die täglich zum Verkauf stehen. Wenn diese 50 Millionen Dollar im Spotmarkt aufgekauft werden, muss der Preis steigen, um überhaupt preissensible Verkäufer zu finden. Wenn du nachrechnest, wirst du sehen, dass allein die Bitcoin Treasury Companies das gesamte natürliche Angebot aufkaufen. BlackRock und die ETFs kaufen zusätzlich einen weiteren Teil davon, und es gibt staatliche Akteure, die in den Markt einsteigen.
Michael Saylor

Nichtsdestotrotz kann sich Saylor vorstellen, dass der Bitcoin-Kurs künftig noch einmal eine deutliche Korrektur hinlegt – das dann aber von einem deutlich höheren Niveau aus.

Ich denke also, wenn Bitcoin stark steigt – sagen wir auf 500.000 oder 1 Million US-Dollar – dann könnten wir über einen Absturz um 200.000 Dollar pro Coin reden.
Michael Saylor

Der Strategy-Gründer schloss seine Ausführung letztlich mit den folgenden Worten ab:

Die Zeichen sind eindeutig: Bitcoin steigt höher.
Michael Saylor

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Hunter Horsley, CEO des Vermögensverwalters Bitwise Invest. In einem Post auf der Plattform 𝕏 betonte auch Horsley, dass es nicht genügend Bitcoin gibt, mit denen die hohe Kaufnachfrage bedient werden kann. 

Der Bitwise-CEO rechnet entsprechend mit steigenden Kursen, wenn diejenigen, die schon lange dabei sind, ihre Gewinnmitnahmen auf diesem Niveau abgeschlossen haben. Dann werden, so Horsley, die Marktteilnehmer ihre Bitcoin nicht mehr verkaufen, sondern beleihen, wenn sie Liquidität brauchen.

Ich denke, sobald Bitcoin z. B. 130.000 – 150.000 US-Dollar durchbricht, wird niemand mehr seine Bitcoin verkaufen. Im Moment, bei 100.000 US-Dollar, scheint es so, dass Individuen, die eine Menge Bitcoin halten, die sie vor langer Zeit zu sehr niedrigen Preisen erworben haben, einige verkaufen. Das heißt, sobald Bitcoin ein neues Niveau erreicht hat, wird dies abflauen. Und von da an werden die Leute, wenn sie Liquidität brauchen, sich bei einer wachsenden Zahl von Kreditgebern etwas leihen. All das wird den Preis weiter in die Höhe treiben. Es wird einfach nicht genug Bitcoin geben.
Hunter Horsley, CEO von Bitwise Invest

Das an der Wall Street sehr geschätzte Analysehaus Bernstein bekräftigte am Montag dieser Woche außerdem, dass das Bitcoin-Kursziel von 200.000 US-Dollar für Ende dieses Jahr eine „sehr überzeugte, aber konservative Prognose“ sei.

Institutionelle Adoption noch am Anfang

Die Bitcoin-Spot-ETFs haben seit ihrer Zulassung im Januar 2024 bereits 45 Milliarden US-Dollar an kumulierten Nettozuflüssen verzeichnet. Insgesamt halten die Spot-ETFs jetzt mehr als 1,2 Millionen BTC im Gegenwert von circa 130 Milliarden US-Dollar.

Der Bitcoin-ETF von BlackRock (IBIT) wurde hierbei zum ETF, dem es mit Abstand am schnellsten gelungen ist, die Marke von 70 Milliarden US-Dollar an verwaltetem Kapital zu knacken. 

Der Gold-ETF (GLD), die Nummer zwei in dieser Hinsicht, brauchte dafür fast fünfmal so lange.

Trotz dieses riesigen Erfolgs der Bitcoin-ETFs ist noch viel Luft nach oben, wie Robert Mitchnick, Leiter der Abteilung für digitale Assets bei BlackRock, in einem Interview mit Bloomberg betont hat.

Mitchnick erklärte, dass die Nachfrage nach den Anlageprodukten zu Beginn eher von Individuen getrieben war, jetzt aber immer mehr institutionelle Investoren und Vermögensberater auf den Zug aufspringen.

Natürlich gab es von Anfang an eine Nachfrage von Privatanlegern, die von Kleinanlegern bis hin zu sehr vermögenden Privatpersonen reichte. In jüngster Zeit haben wir stetige Fortschritte bei der Adoption durch Vermögensberater und institutionelle Anleger gesehen.
Robert Mitchnick, BlackRock

Laut Mitchnick ist die Adoption durch Vermögensberater, die einige Billionen US-Dollar an Kapital verwalten, noch in einem „sehr frühen“ Stadium. In der Regel durchlaufen neue Anlageprodukte nämlich einen umfassenden Prüf- und Freigabeprozess, bevor Berater sie ihren Kunden überhaupt empfehlen dürfen.

Die meisten der größten Unternehmen haben sich intensiv bemüht, ihren Prüfungs-, Forschungs- und Genehmigungsprozess zu durchlaufen. Aber wie Sie alle wissen, ist es speziell für neue ETFs in der Regel ein mehrjähriger Weg, um eine Genehmigung zu erhalten. Wir haben gesehen, dass dies bei einer Reihe von Unternehmen im Eiltempo geschehen ist. Wir sprechen hier von Quartalen, nicht von Monaten. Langsam aber sicher hat sich die Entwicklung beschleunigt, vor allem in den letzten Monaten, als immer mehr namhafte Unternehmen die Hürden senkten und ihren Beratern die Genehmigung erteilten, diese Fonds zu nutzen – und das wird so weitergehen.
Robert Mitchnick, BlackRock

Der größte Katalysator steht noch bevor

Neben Zinssenkungen beziehungsweise einer weiter steigenden Geldmenge dürfte eine ganz bestimmte Sache zu einem stark steigenden Kurs führen – und zwar aktive Bitcoin-Käufe der größten Volkswirtschaft der Welt. US-Präsident Trumps Executive Order zur strategischen Bitcoin-Reserve erlaubt nämlich budgetneutrale Käufe des Assets.

Laut Bo Hines, dem leitenden Direktor des „Presidential Council of Advisers for Digital Assets“ möchten die USA so viele Bitcoin wie möglich haben. Hines betont zudem immer wieder, dass es unzählige Wege für die USA gibt, Bitcoin zu erwerben, ohne dabei Kosten für die Steuerzahler zu verursachen.

Ich möchte es ganz klar sagen: Wir wollen so viel Bitcoin wie möglich bekommen. Wir müssen das auf budgetneutrale Weise umsetzen, also so, dass es den Steuerzahler keinen Cent kostet – aber es gibt unzählige Wege, wie wir das erreichen können. Wenn man das Kleingedruckte der Executive Order liest, sieht man, dass diese innovativen Ideen an das Handels- und Finanzministerium weitergereicht wurden, um sie auszuarbeiten. Wir werden diese Ideen innerhalb unserer Arbeitsgruppe konkretisieren. Wir werden bei den Maßnahmen, die sich schnell umsetzen lassen, zügig vorangehen. […] Es kann Hunderte, wenn nicht Tausende verschiedene Wege geben, das umzusetzen. Wir haben das in verschiedenen Bereichen besprochen – sei es durch Mining-Aktivitäten, sei es durch BitBonds – es gibt unglaublich viele kreative Ansätze im Bitcoin-Ökosystem.
Bo Hines

Dass Bo Hines die vielversprechende Option von BitBonds, durch die die USA nicht nur die Bitcoin-Reserve vergrößern, sondern auch die Zinskosten für die Schulden reduzieren könnten, anspricht, ist bemerkenswert. Denn wenn die USA Bitcoin-unterstützte Staatsanleihen emittieren sollten, könnte dies ein neues Zeitalter für den mehr als 300 Billionen US-Dollar schweren Anleihemarkt und selbstverständlich auch für Bitcoin einleiten.

Durch die Ausführungen von Bo Hines wird zudem deutlich, dass es eigentlich nicht mehr zur Debatte steht, ob die USA Bitcoin kaufen werden, sondern nur noch wie.

In dem vor wenigen Tagen erschienenen Interview ließ das Sprachrohr des Weißen Hauses für Kryptowährungen schließlich sogar verlautbaren, dass es seiner Meinung nach schon bald der Fall sein wird, dass die USA verkünden, wie sie Bitcoin akquirieren werden – und sich die Bitcoin-Community über die konkrete Strategie freuen werde.

Die Leute fragen mich oft nach konkreten Beispielen, und der Grund, warum ich noch nicht sagen will, womit wir anfangen, ist, dass ich die Sache nicht im Vorfeld gefährden möchte. Wir möchten etwas umsetzen, das für die Vereinigten Staaten den größtmöglichen Nutzen bringt. Und wenn wir bereit sind, das zu verkünden – was sicherlich bald der Fall sein wird – dann wird diese Community meiner Meinung nach äußerst zufrieden sein.
Bo Hines

Aber die USA sind nicht die einzige Nation, die auf Bitcoin setzt. Das Königreich Bhutan und El Salvador halten bereits beträchtliche Mengen des Assets. Kirgistan hat laut einem hochrangigen Binance-Mitarbeiter bereits zugesagt, eine Bitcoin- und Krypto-Reserve zu etablieren. Auf der Bitcoin-Konferenz Ende Mai verkündete der CEO des Pakistan Crypto Council schließlich, dass Pakistan eine strategische Bitcoin-Reserve starten wird.

Währenddessen macht die laut den aktuellen Umfragen beliebteste Partei Großbritanniens, die Reform-Partei, Wahlkampf mit dem Versprechen einer Bitcoin-Reserve. Und sogar in der Ukraine wurde jetzt ein Gesetzentwurf eingebracht, der es der Zentralbank erlauben würde, Kryptowährungen wie Bitcoin in die Reserven aufzunehmen.

Trotzdem liegt die Wahrscheinlichkeit, dass in diesem Jahr ein neues Land Bitcoin kaufen wird, laut der Wettplattform Polymarket unter 50 Prozent. Dies bedeutet, dass staatliche Bitcoin-Käufe bislang nur zum Teil eingepreist sind.

Sollte zusätzlich zu der hohen Nachfrage institutioneller Investoren und Aktiengesellschaften auch noch ein intensiver Wettlauf der Nationen um Bitcoin hinzukommen, so könnte dies den Kurs in die Höhe schießen lassen.

Trotz der positiven Aussichten ist und bleibt Bitcoin jedoch eine Anlageklasse, die Spekulanten immer wieder auf dem falschen Fuß erwischt. Selbst wenn der Bitcoin-Kurs von hier aus stark steigen sollte, sollten Marktteilnehmer mit starken Korrekturen auf dem Weg nach oben rechnen.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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