Bitcoin steigt nach US-Arbeitsmarktdaten wieder über 87.000 US-Dollar
Der Bitcoin-Kurs ist nach überraschend schlechten US-Arbeitsmarktdaten über 87.000 US-Dollar gestiegen, womit BTC seit Jahresauftakt fast wieder im Plus ist. Grund dafür ist, dass eine weitere Zinsanhebung der Federal Reserve im Oktober deutlich unwahrscheinlicher geworden ist. Für BTC gibt es derzeit aber nicht nur an der geldpolitischen Front Rückenwind.
Von Tristan
Schwächer als erwartete US-Arbeitsmarktdaten
Um 14:30 Uhr deutscher Zeit wurden die heißerwarteten US-Arbeitsmarktdaten für den September gemeldet.
Grundsätzlich gilt, dass ein heißer Arbeitsmarkt eher für eine restriktivere Geldpolitik der Federal Reserve sprechen würde – vor allem, wenn die Inflation wie aktuell zu hoch ist. Anfang September fiel der Bitcoin-Kurs beispielsweise nach überraschend starken Augustdaten, die die Zinsanhebung im September quasi besiegelt hatten.
Die heute offengelegten Zahlen signalisierten jetzt aber wieder eine Abkühlung:
Im September wurden nämlich nur 29.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft geschaffen – erwartet wurden 84.000.
Bei den neu geschaffenen Stellen für August und Juli gab es nachträglich eine Revision nach unten.
Die Lohninflation war im September derweil überraschend mild. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen im Vormonatsvergleich um 0,1 % anstelle der antizipierten 0,3 %.
Außerdem lag die Arbeitslosenquote mit 4,2 % über den prognostizierten 4,1 %.
Zinsanhebung im Oktober wird ausgepreist
In Reaktion auf diese Daten ist es noch einmal unwahrscheinlicher geworden, dass die Federal Reserve Ende Oktober den Leitzins noch einmal anheben wird.
Die Wahrscheinlichkeit für die Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus bei der Oktobertagung stieg von circa 70 auf über 80 %, wie Daten des CME FedWatch Tool zeigen.
Nachdem in der vergangenen Woche eine weitere Zinsanhebung im Oktober noch zu circa 70 % eingepreist war, gab es an dieser Front schon vor den Arbeitsmarktdaten eine deutliche Entspannung.
Die am Mittwoch gemeldete PCE-Inflation für den August betrug nämlich nur 3,4 %, obwohl 3,7 % erwartet wurden. Bei der Kernrate, die die PCE-Inflation exklusive Energie und Lebensmittel zeigt, wurde ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 3,0 % gemeldet – die Schätzungen lagen bei 3,3 %.
Für die US-Zentralbank sind die PCE-Daten besonders relevant, da der Index ein breiteres Bild der Konsumausgaben als der Verbraucherpreisindex (CPI) liefert.
Allerdings ist ein Teil des Inflationsrückgangs auf eine gleichzeitig vorgenommene methodische Überarbeitung zurückzuführen. Das Bureau of Economic Analysis änderte mehrere Berechnungen, wodurch auch frühere PCE-Werte nach unten revidiert wurden.
Die niedriger als erwartete Zahl ist demnach nicht vollständig auf tatsächlich nachlassenden Preisdruck zurückzuführen, aber dennoch ein Argument für keine Zinsanhebung im Oktober. Noch rechnet der Markt aber unter dem Strich damit, dass der Leitzins im Dezember dann höher sein wird.
Bitcoin kämpft mit dem lokalen Hoch
Der Bitcoin-Kurs stieg in unmittelbarer Reaktion auf die heutigen US-Arbeitsmarktdaten wieder über 87.000 US-Dollar und kostete in der Spitze laut Daten von Coinbase knapp 87.250 US-Dollar.
Zum Start des US-Handels pendelte sich BTC um die 87.000-US-Dollar-Marke ein.
Damit gelang es BTC aber noch nicht, das Hoch vom Montag vergangener Woche zu übersteigen. Dieses beträgt rund 87.400 US-Dollar.
Sollte BTC darüber steigen, würde der Kurs nicht nur auf dem höchsten Niveau seit Januar dieses Jahres notieren, sondern auch die gesamten Verluste des Jahres allmählich wieder aufgeholt haben. Bitcoin startete in das Jahr 2026 nämlich bei circa 87.500 US-Dollar.
Grundsätzlich profitiert der Bitcoin-Kurs, wenn eine weniger restriktive Geldpolitik eingepreist wird. Im September war jedoch auch zu beobachten, dass die erste Zinsanhebung der Federal Reserve seit mehr als drei Jahren BTC nicht nachhaltig unter Druck bringen konnte.
Demnach wird es jetzt spannend zu beobachten sein, ob die niedrigeren Wahrscheinlichkeiten für eine Zinsanhebung BTC nun weiter beflügeln werden und vor allem auch, wie die Inflationsdaten für den September ausfallen werden.
Citigroup hebt Bitcoin-Prognose an
Zusätzlichen Auftrieb erhält Bitcoin derzeit von einer gestern veröffentlichten optimistischeren Einschätzung der Citigroup. Die Großbank hat ihr 12-Monats-Kursziel für Bitcoin nämlich von 82.000 auf 113.000 US-Dollar angehoben.
Als Gründe nennt Citigroup unter anderem die wieder anziehenden Zuflüsse in Bitcoin-ETFs. Für die kommenden zwölf Monate rechnet die Bank mit rund fünf Milliarden US-Dollar an zusätzlichen Zuflüssen in Krypto-Produkte, da insbesondere Anlageberater und Broker ihre Bitcoin-Allokationen schrittweise ausbauen dürften.
Laut der Citigroup erhalte BTC zudem Rückenwind durch das makroökonomische Umfeld. Hierbei verweist die Großbank auf die Meldung vom 19. August, dass das US-Finanzministerium die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen ausweitet, die zu einer Rekordwoche bei BTC führte.
Auch die Krypto-Regulierung in den USA sieht Citigroup als potenziellen Katalysator. Nachdem der CLARITY Act am 15. September an einer wichtigen Verfahrensabstimmung im Senat scheiterte, kümmert sich die SEC jetzt selbst um klare Regeln, was laut Citigroup den Rückschlag abfedere. Die Großbank weist dennoch darauf hin, dass solche Behördenregeln weniger dauerhaft sind als ein vom Kongress beschlossenes Gesetz.
Regulatorische Klarheit durch die SEC
Tatsächlich begann die SEC bereits unmittelbar nach dem gescheiterten Senatsvotum, weitere Schritte einzuleiten. Am 17. September führte sie direkt eine sogenannte „Innovation Exemption“ ein. Diese schafft unter bestimmten Bedingungen einen vorläufigen regulatorischen Rahmen, über den tokenisierte US-Aktien über Blockchains gehandelt werden können. SEC-Chef Paul Atkins stellte diesen Schritt ausdrücklich in Zusammenhang mit dem Rückschlag beim CLARITY Act.
Am gestrigen Donnerstag legte die SEC dann auch noch einen neuen Regelungsvorschlag für die Verwahrung von Kryptowährungen vor.
Die Behörde will damit bestehende Vorschriften modernisieren, um es Anlageberatern und regulierten Fonds zu erleichtern, Bitcoin und Co. im Auftrag ihrer Kunden zu verwahren.
Seit dem Aufkommen von Bitcoin im Jahr 2008 hat sich der Markt für Krypto-Assets von einer Nischenkuriosität zu einer Anlageklasse mit einem Volumen von mehreren Billionen US-Dollar entwickelt, gegenüber der Anleger aktiv ein Exposure anstreben. Leider haben unsere Regeln und Vorschriften mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten.
Vor diesem Hintergrund würde der heutige Vorschlag einen klaren regulatorischen Rahmen für die Verwahrung von Krypto-Assets schaffen und Anlageberatern und Fonds einen regelkonformen Weg eröffnen, wo zuvor keiner existierte – und damit das Grau der Unsicherheit ersetzen, das durch Verwahrungsvorschriften geschaffen wurde, die für eine vergangene Ära konzipiert wurden.
Paul Atkins, SEC-Chef
Die SEC versucht also, innerhalb ihrer bestehenden Befugnisse mehr Klarheit für den US-Krypto-Markt zu schaffen.
Since the advent of Bitcoin in 2008, the crypto asset market has grown from a niche curiosity into a multi-trillion-dollar asset class to which investors actively seek exposure. Unfortunately, our rules and regulations have not kept pace.
— Paul Atkins (@SECPaulSAtkins) October 1, 2026
To that end, today’s proposal would… https://t.co/9C5LvRb8b5
Dabei handelt es sich allerdings noch nicht um endgültige Regeln. Der Vorschlag durchläuft zunächst ein öffentliches Konsultationsverfahren. Die Kommentierungsfrist läuft 60 Tage ab Veröffentlichung im Federal Register. Außerdem könnte eine Neuausrichtung der Behörde unter einer potenziell demokratischen Nachfolgeregierung wieder zu einer Rückabwicklung führen.
Bitcoin-Uptober beginnt stark
Nachdem Bitcoin entgegen der Saisonalität im dritten Quartal um 42,77 % zulegen konnte, startet jetzt die historisch betrachtet stärkste Phase für BTC.
Das vierte Quartal ist nämlich hinsichtlich der Durchschnitts- und Median-Performance das beste Quartal für BTC, wie Daten von Coinglass zeigen.
Der Oktober, in der Community auch Uptober genannt, lieferte derweil seit 2013 die höchste Median-Rendite.
Am zweiten Tag im Oktober ist BTC jetzt schon um circa 4 % auf Monatssicht im Plus. Ob sich dieser Trend weiter fortsetzen wird, dürfte in erster Linie aber weniger von der Saisonalität, sondern vielmehr von den makroökonomischen Entwicklungen sowie natürlich der generellen Nachfrage nach BTC abhängen.
Blocktrainer bei Google bevorzugt anzeigen
Lege blocktrainer.de in deinem Google-Konto als bevorzugte Quelle fest - dann erscheinen unsere Artikel in den Google-Nachrichten weiter oben. Freiwillig und jederzeit widerrufbar.
Als bevorzugte Quelle festlegen