Die Bitcoin-Hashrate ist in den vergangenen Wochen spürbar zurückgegangen, wodurch die Difficulty um fast 8 % nach unten korrigiert wurde – die zweitgrößte Schwierigkeitsanpassung seit dem Mining-Verbot Chinas. Die zeitliche Nähe zu den geopolitischen Spannungen rund um den Iran wirft dabei eine naheliegende Frage auf: Besteht ein Zusammenhang mit in der Region abgeschalteten Mining-Anlagen oder den höheren Energiepreisen? Und könnte auch die KI-Neuausrichtung der Mining-Unternehmen etwas damit zu tun haben?

Hashrate und Difficulty sinken

Laut Daten von mempool.space fiel die durchschnittliche Hashrate des Bitcoin-Netzwerks seit Beginn der Angriffe US-amerikanischer und israelischer Militärkräfte auf den Iran von rund 1,04 ZH/s auf etwa 930 EH/s – mit Schwankungen zwischen etwa 1,2 ZH/s und 870 EH/s.

In der Folge kam es zu einer deutlichen Negativanpassung der Mining-Difficulty von 145,04 T auf 133,79 T, was einem Rückgang um 7,76 % entspricht. Damit handelt es sich um die zweitgrößte Abwärtsanpassung seit dem Mining-Verbot Chinas im Jahr 2021.

Rückgänge dieser Größenordnung traten in der Vergangenheit meist im Zusammenhang mit strukturellen Veränderungen auf – etwa durch regulatorische Eingriffe wie den China-Ban (Negativanpassung von fast 28 %). Oder aber sie waren durch wetterbedingte Schocks verursacht, bei denen die Miner ihren Betrieb drosseln oder einstellen mussten, beispielsweise während des Wintersturms Fern Anfang dieses Jahres, als die Difficulty um mehr als 11 % nach unten angepasst wurde. In allen Fällen konnte sich die Hashrate jedoch vergleichsweise schnell erholen.

Im aktuellen Fall fehlt bislang ein klar identifizierbarer Auslöser. Während einige Beobachter die zunehmende Ausrichtung von Mining-Unternehmen auf KI-Anwendungen für den Rückgang verantwortlich machen, vermuten andere einen Zusammenhang mit dem Irankrieg beziehungsweise den dadurch stark gestiegenen Energiepreisen.

Konkurrenz durch KI-Infrastruktur?

Viele Mining-Unternehmen erweitern derzeit ihr Geschäftsfeld und stellen ihre Energie- und Infrastrukturkapazitäten zunehmend auch für KI-Anwendungen bereit. Obwohl Bitcoin-Mining nachweislich Vorteile für Energiesysteme bieten kann, könnte diese Diversifizierung gegebenenfalls dazu führen, dass Strom – insbesondere außerhalb von Überschusskapazitäten – für Miner teurer oder schwerer verfügbar wird. Auch sinkende Investitionen oder die Umwidmung bestehender Standorte spielen dabei eine Rolle.

Allerdings handelt es sich hierbei um eine strukturelle und längerfristige Entwicklung und kein plötzliches Ereignis, das einen abrupten Rückgang der Hashrate innerhalb kurzer Zeit vollständig erklären würde. In den vergangenen Wochen gab es diesbezüglich zudem keine größeren Meldungen, die eine Erklärung für den Einbruch liefern würden.

Hashrate-Einbruch im Nahen Osten?

Ein weiterer diskutierter Faktor ist der Einfluss der militärischen Auseinandersetzung im Nahen Osten auf die Mining-Aktivitäten in der Region. Beschädigte Anlagen oder Energieinfrastrukturen könnten dazu führen, dass Mining-Betriebe abgeschaltet und verfügbare Energieressourcen anderweitig eingesetzt werden – mit direkten Auswirkungen auf die regionale Hashrate.

Immer wieder wird spekuliert, dass der Iran eine relevante Rolle im Bitcoin-Mining spielt. Berichten zufolge führten günstige Energiepreise zu einer Vielzahl illegaler Mining-Anlagen sowie zu staatlichen Gegenmaßnahmen. Die iranische Regierung beschlagnahmte tausende Mining-Geräte und wäre somit theoretisch in der Lage, eigene staatliche Anlagen zu betreiben.

Einige Beobachter vermuten, dass ein Großteil der illegalen Aktivitäten von der Islamischen Revolutionsgarde kontrolliert wird, die Berichten zufolge bis zu 700.000 Mining-Geräte betreiben und die geschürften Bitcoin zur Umgehung von Sanktionen nutzen soll.

Die Schätzungen zum iranischen Anteil an der globalen Hashrate variieren dabei stark:

  • etwa 2 bis 5 % laut einigen Beobachtern
  • bis zu 15 % in einzelnen, weniger belastbaren Quellen
  • lediglich rund 0,8 % (ca. 9 EH/s) laut dem Hashrate-Index

Diese Unterschiede zeigen, dass die Datenlage sehr unsicher ist – insbesondere, da illegales oder inoffizielles Mining kaum verlässlich quantifiziert werden kann. Belastbare, aktuelle Belege für einen signifikanten Anteil des Iran an der globalen Hashrate fehlen bislang.

Selbst wenn die gesamte iranische Hashrate ausgefallen sein sollte, würde dies wohl kaum allein einen Rückgang dieser Größenordnung erklären können. Eine Gefährdung des Bitcoin-Netzwerks, wie sie teilweise im Rahmen des Kriegs befürchtet wurde, ist nicht erkennbar und entbehrt einer fundierten Grundlage.

VAE und Oman

Andere Länder im Nahen Osten haben inzwischen größere, offiziell betriebene Mining-Projekte aufgebaut, die den messbaren Hashrate-Anteil des Irans deutlich übertreffen. Laut Hashrate-Index entfallen auf die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und den Oman rund 33 beziehungsweise 32 EH/s – zusammen rund 6,1 % der globalen Bitcoin-Rechenleistung.


Beide Länder integrieren Bitcoin-Mining gezielt in ihre Energieinfrastruktur: 

  • VAE: Als eines der energiereichsten Länder der Region setzen die Emirate auf eine Kombination aus Öl, Gas, Solarenergie und Kernkraft und bieten günstige Strompreise. Insbesondere Abu Dhabi fördert die Mining-Industrie aktiv durch umfangreiche Investitionen und Kooperationen. Mining hilft dabei, überschüssige Energie – etwa aus Solar- oder Kernkraft – effizient zu nutzen sowie Emissionen durch die Verwertung von Methan direkt auf den Öl- und Gasfeldern zu reduzieren. Zudem unterstützt das Mining die Produktion von Trinkwasser. Das Land soll zudem eine beträchtliche Bitcoin-Reserve durch staatliches Mining aufgebaut haben, wie die Analyseplattform Arkham Intelligence enthüllt hat.
  • Oman: Auch der Oman fördert die regionale Mining-Industrie, um erneuerbare Energiequellen zu erschließen, Trinkwasser zu produzieren, Energieinfrastruktur zu finanzieren und Synergien mit anderen Industrien wie Wasserstoffproduktion oder Künstlicher Intelligenz zu schaffen.

Die anhaltenden Spannungen in der Region könnten theoretisch dazu geführt haben, dass einzelne Anlagen vorübergehend abgeschaltet wurden, was schließlich auch den Hashrate-Rückgang erklären könnte. Konkrete Belege dafür gibt es bislang jedoch auch nicht.

Steigende Energiepreise?

Ein weiterer möglicher Faktor ist der Anstieg der Energiepreise infolge der geopolitischen Spannungen.

Laut der jüngsten Cambridge-Studie basiert der Energiemix im Bitcoin-Mining zu über 52 % auf nachhaltigen Quellen. Der größte einzelne Energieträger ist Erdgas (rund 38 %), das jedoch häufig als überschüssiges Abfackelgas genutzt wird. In solchen Fällen handelt es sich weniger um einen klassischen Kostenfaktor als vielmehr um eine Form der energetischen Verwertung ansonsten ungenutzter Ressourcen.


Der Anteil von Öl am Energiemix liegt hingegen bei lediglich um die 0,5 %. Entsprechend haben steigende Ölpreise nur einen sehr begrenzten direkten Einfluss auf die Mining-Kosten.  

Ein möglicher Einfluss ergibt sich eher indirekt: Steigende Gaspreise oder allgemeine Verwerfungen auf den Energiemärkten könnten dazu führen, dass einzelne Mining-Betriebe vorübergehend unrentabel werden und ihre Aktivität reduzieren. Diese Effekte dürften jedoch regional unterschiedlich und zeitlich verzögert auftreten.

Zusammenspiel mehrerer Faktoren?

Die zeitliche Nähe zwischen dem Irankrieg und dem Rückgang von Hashrate und Difficulty legt nahe, dass die militärischen Auseinandersetzungen in der Region zumindest als kurzfristiger Stör- und Unsicherheitsfaktor gewirkt haben dürften.

Ein direkter kausaler Zusammenhang lässt sich derzeit jedoch nicht eindeutig belegen, obwohl die Einschränkungen der Mining-Aktivitäten im Nahen Osten sowie die Auswirkungen steigender Gaspreise denkbare Erklärungen darstellen würden.

Statt eines einzelnen Auslösers spricht vieles für eine Kombination der genannten Faktoren:

  • temporäre Abschaltungen oder Umstrukturierungen großer Mining-Anlagen
  • wirtschaftlicher Druck durch Margen, Gebühren und Effizienz
  • regionale Energiepreisbewegungen
  • infrastrukturelle Verschiebungen, etwa in Richtung KI

Trotz des deutlichen Rückgangs zeigt ein Blick auf aktuelle Daten bereits erste Erholungstendenzen – ein weiteres Indiz dafür, dass es sich weniger um einen strukturellen Einbruch als vielmehr um eine temporäre Anpassung innerhalb eines weiterhin robusten Netzwerks handeln dürfte.

Stefan

Über den Autor: Stefan

Stefan ist studierter Medienwissenschaftler und Sinologe sowie selbstständig im künstlerisch-publizistischen Bereich. Neben den monetären Eigenschaften interessiert er sich vor allem für die sozialen und ökologischen Aspekte von Bitcoin und dem Bitcoin-Mining.

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