Ein schwerer Wintersturm hat in den USA für extreme Wetterbedingungen, zahlreiche Einschränkungen, großflächige Stromausfälle und sogar Todesfälle gesorgt. Um die Stromnetze zu stabilisieren, haben viele Bitcoin-Mining-Unternehmen ihren Betrieb eingeschränkt oder vorübergehend sogar ganz eingestellt. Die Hashrate des Bitcoin-Netzwerks ist daraufhin deutlich gesunken, wodurch die durchschnittliche Blockzeit temporär auf mehr als 12 Minuten angestiegen ist.

Wintersturm Fern wütet in den USA

Der in Medien als „Winter Storm Fern“ bezeichnete Wintersturm hat in den vergangenen Tagen weite Teile der USA – vom Süden bis in den Nordosten – lahmgelegt:

  • Mindestens 20 US-Staaten riefen aufgrund extremer Kälte, Schnee und Eis den Notstand aus.
  • Es kam zu mehr als einer Million Stromausfällen – allein im Bundesstaat Tennessee waren 330.000 Haushalte und Unternehmen betroffen.
  • Zudem kam es zu massiven Einschränkungen im Fern- und Nahverkehr: In den USA wurden wetterbedingt mehr als 10.000 Flüge gestrichen – so viele wie nie zuvor.
  • In New York City und Louisiana sind dem Sturm insgesamt bislang sieben Menschen zum Opfer gefallen. Die Zahl der Todesopfer beträgt Berichten zufolge insgesamt rund 30.

Da die Stromnetze durch vereiste und eingeschneite Leitungen sowie die außergewöhnlich hohe Nachfrage stark belastet wurden, ging auch die Bitcoin-Mining-Aktivität deutlich zurück.

Bitcoin-Mining als flexible Stromlast

Bitcoin-Mining-Anlagen gelten aufgrund ihres Energieverbrauchsmusters als sogenannte flexible Last in Stromnetzen. Sie können schnell hoch- und heruntergefahren sowie bei Bedarf auch vollständig abgeschaltet werden.

Diese Flexibilität ist insbesondere bei der Verwertung überschüssigen Stroms, beim Ausbau erneuerbarer Energiequellen oder bei erhöhter Nachfrage in wetterbedingten Extremsituationen von Vorteil. Sie unterscheidet Mining-Anlagen auch von klassischen Rechenzentren: Anwendungen wie Künstliche Intelligenz oder Hochleistungsrechner, die zunehmend Teil des Geschäftsmodells von Mining-Unternehmen werden, lassen sich nicht annähernd so flexibel an kurzfristige Einschränkungen anpassen. Dadurch dürfte Bitcoin-Mining auch künftig eine wichtige Rolle innerhalb moderner Energieinfrastrukturen spielen.

Viele Mining-Unternehmen nehmen an sogenannten „Demand-Response-Programmen“ teil. Diese ermöglichen es ihnen, ihren Betrieb gegen eine Entschädigung oder Energiegutschrift zu drosseln oder ganz einzustellen, um das Stromnetz bei hoher Nachfrage zu stabilisieren und gleichzeitig Strompreise zu senken.

Aufgrund der extremen Wetterlage und der zahlreichen Stromausfälle der vergangenen Tage gaben die US-amerikanischen Netzbetreiber Energiesparwarnungen heraus und griffen verstärkt auf diese Programme zurück. In der Folge stellten viele in den USA ansässigen Bitcoin-Miner ihre Aktivitäten ein, wodurch ein erheblicher Teil der Rechenleistung des Netzwerks vorübergehend offline ging.

Einbruch der Hashrate

Von den Einschränkungen waren vor allem Mining-Pools betroffen, deren Infrastruktur stark auf die USA ausgerichtet ist:

  • Die Hashrate von Foundry USA – dem weltweit größten Mining-Pool, der rund 22 % der gesamten Rechenleistung des Bitcoin-Netzwerks stellt – fiel am Samstag vom Höchststand des Vortages von etwa 340 Exahashes pro Sekunde (EH/s) auf etwa 124 EH/s. Das entspricht einem Rückgang um rund 64 %.
  • Luxor, ein weiterer großer nordamerikanischer Mining-Pool, verzeichnete im gleichen Zeitraum einen Rückgang seiner Hashrate von etwa 45 EH/s auf rund 19 EH/s – ein Einbruch um circa 58 %.
  • Auch bei Antpool und Binance Pool, die weniger stark auf die USA konzentriert sind, konnten Einbrüche beobachtet werden.

Laut Hashrate-Index fiel die weltweite Bitcoin-Hashrate infolge des Wintersturms insgesamt um rund 20 %.

Mempool.space verzeichnete einen Rückgang um gut ein Drittel – von etwa 1.100 auf rund 700 EH/s.

Auf Coinwarz lag das temporäre Tief am Sonntag sogar bei etwa 663 EH/s, was einem Rückgang um knapp 40 % entsprechen würde.

Blockzeit steigt auf mehr als 12 Minuten

Der Einbruch der Hashrate führte zu einer spürbaren Verlangsamung der Blockproduktion des Bitcoin-Netzwerks. Das Bitcoin-Protokoll ist darauf ausgelegt, dass im Durchschnitt alle 10 Minuten ein neuer Block erzeugt wird. Möglich wird dies durch den Mechanismus der automatischen Schwierigkeitsanpassung: Alle 2.016 Blöcke – etwa alle 14 Tage – überprüft das Netzwerk, ob die durchschnittliche Blockzeit dem Zielwert von 10 Minuten entspricht. Ist dies nicht der Fall, wird die Mining-Schwierigkeit entsprechend angepasst.

Die letzte Schwierigkeitsanpassung fand am 22. Januar statt – also einen Tag vor dem massiven Einbruch der Rechenleistung infolge des Wintersturms. Durch den Hashrate-Rückgang werden Blöcke nun aber langsamer produziert; die durchschnittliche Blockzeit liegt aktuell bei mehr als 12 Minuten. Sollte sich die Hashrate nicht rasch erholen, dürfte bei der nächsten Anpassung eine Abwärtskorrektur der Schwierigkeit von schätzungsweise 16 % erfolgen.

Die Vergangenheit zeigt jedoch, dass sich die Hashrate des Bitcoin-Netzwerks nach kurzfristigen Einbrüchen in der Regel schnell wieder erholt.

Bitcoin und externe Schocks

Sowohl wetterbedingte als auch politisch verursachte Einbrüche der Hashrate hat das Bitcoin-Netzwerk bislang immer ohne größere Probleme überstanden:

Zum Beispiel schränkte die bis dahin größte Mining-Nation China im Jahr 2021 die Aktivitäten rund um Bitcoin massiv ein, wodurch die globale Hashrate um rund 50 % einbrach. Da sich die Mining-Infrastruktur jedoch auf andere Länder wie die USA oder Russland verlagerte, konnte sich die Rechenleistung vergleichsweise schnell wieder erholen und auf neue Höchststände steigen.

Seitdem werden Bitcoin-Mining-Unternehmen in den USA zunehmend als flexible Netzlast eingesetzt und leisten damit einen Beitrag zur Stabilisierung der Stromnetze. Auch Anfang 2024 sank die Hashrate infolge einer Kältewelle in den USA um rund 30 %, erreichte in der Folge jedoch ebenfalls neue Allzeithochs.

Wie frühere Ereignisse zeigen, dürfte sich auch dieser wetterbedingte Einbruch als temporär erweisen: Sobald sich die Wetterlage entspannt und die Mining-Anlagen wieder vollständig hochgefahren werden, ist mit einer raschen Erholung der Hashrate zu rechnen – erste Anzeichen dafür sind bereits erkennbar.

Stefan

Über den Autor: Stefan

Stefan ist studierter Medienwissenschaftler und Sinologe sowie selbstständig im künstlerisch-publizistischen Bereich. Neben den monetären Eigenschaften interessiert er sich vor allem für die sozialen und ökologischen Aspekte von Bitcoin und dem Bitcoin-Mining.

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