Soeben wurde angeblich Bitcoin Nummer 20 Millionen geschürft. Doch entspricht das wirklich der Realität? Was auf jeden Fall feststeht, ist, dass ab jetzt weniger als 1 Million BTC noch hinzukommen werden, bis die maximale Gesamtmenge von 21 Millionen erreicht ist. Was ist daran so besonders und wieso dauert es ab jetzt über 100 Jahre für das Mining der letzten Coins?

Ein Bitcoin-Meilenstein

Mit Bitcoin-Block 939999 wurde ein Meilenstein erreicht: Die Bitcoin-Gesamtmenge hat zumindest nach offizieller Lesart die Marke von 20 Millionen Coins geknackt. Über 95,24 % aller jemals existierenden Bitcoin befinden sich demnach jetzt vermeintlich „im Umlauf“.

Etwas mehr als 17 Jahre nach dem Netzwerkstart ist nun zu sagen: Keine ganze Million an neuen Coins wird noch hinzukommen. Und tatsächlich wird voraussichtlich im Jahr 2140 erst der letzte Satoshi geschürft. Das Mining des letzten ganzen Bitcoin wird sich übrigens über circa 35 Jahre erstrecken:

  • ~17 Jahre für die ersten 20 Millionen BTC
  • ~114 Jahre für die letzten 1 Million BTC
  • ~35 Jahre für den letzten ganzen BTC

Der Mechanismus hinter der Bitcoin-Menge

Seit dem vierten Halving im April 2024 kommen mit jedem neuen Block weitere 3,125 BTC hinzu. Entsprechend sind es pro Tag im Schnitt rund 450 neue Bitcoin.

Die Inflationsrate von Bitcoin beträgt damit aktuell rund 0,82 %, was bedeutet, dass die Bitcoin-Gesamtmenge derzeit aufs Jahr gerechnet um weniger als 1 % ansteigt.

Schon heute ist es entsprechend der Fall, dass Bitcoin eine weitaus geringere Inflationsrate als Gold aufweist. Die Gesamtmenge des Edelmetalls wächst pro Jahr nämlich im Schnitt um 1,5 % an.

Beim nächsten Halving, das sich im Jahr 2028 ereignen wird, wird die Blocksubvention wieder halbiert – von 3,125 auf 1,5625 BTC. Die Inflation beträgt ab dann sogar nur noch circa 0,4 %.

Durch diesen Mechanismus, der alle 210.000 Blöcke einsetzt, nähert sich die Bitcoin-Gesamtmenge asymptotisch der Marke von 21 Millionen an. Genau genommen sind aber 20.999.999,97690000 BTC das Limit.

Info

Nach dem 32. Halving würde die Blocksubvention weniger als einen Satoshi (die kleinste Bitcoin-Einheit; 1 BTC entspricht 100.000.000 Satoshis) betragen. Ab dann sind alle Satoshis geschürft und die Obergrenze erreicht.

Wieso die Menge eigentlich niedriger ist

Möchte man die aktuelle Bitcoin-Gesamtmenge ermitteln, so geht das mit einer simplen Rechnung. Für diese muss man lediglich die aktuelle Blockzeit kennen und wissen, wie viele Bitcoin mit jedem bereits geschürften Block hinzugekommen sind. 

Da feststeht, wie viele Bitcoin pro Block – unter Berücksichtigung der jeweiligen Halving-Periode – entstehen können, wirkt das auf den ersten Blick sehr leicht.

Doch tatsächlich gibt es bestimmte Umstände, die dazu führen können, dass weniger BTC in den Umlauf kommen, als möglich wäre – und damit ist nicht gemeint, dass Coins verloren wurden beziehungsweise an Adressen geschickt wurden, auf die keiner mehr zugreifen kann.

Nicht ausgezahlte Bitcoin verzerren das Gesamtbild

Das Bitcoin-Netzwerk ermöglicht auf technischer Ebene, dass sich Miner gar nicht die gesamte Blocksubvention auszahlen. 

Das heißt: Wenn sich ein Miner versehentlich oder auch wissentlich mit der Coinbase-Transaktion nicht die volle Belohnung an sich selbst schickt, dann sind diese Coins nie „entstanden“. 

Aufgrund des ökonomischen Anreizes ist es zwar so, dass dies nicht allzu häufig passiert. Doch in der Bitcoin-Geschichte wurden tatsächlich schon mehrere Bitcoin gar nicht erst geschürft. 

Dies war beispielsweise bei Block 501726 der Fall, bei dem die Coinbase-Transaktion „leer“ ist, obwohl sich der Miner 12,5 BTC hätte auszahlen lassen können.

Und bei Block 526591 besteht die Coinbase-Transaktion beispielsweise nur aus 6,25 Bitcoin, obwohl es 12,5 BTC hätten sein können.

Überdies gab es früher auch einen Bug in einer bestimmten Mining-Software, der zwischen Block 162705 und 169899 dazu führte, dass sich in fast 200 Blöcken nicht die vollständige Blocksubvention ausgezahlt wurde. Dies resultierte in einem Verlust von fast 10 BTC, die eigentlich auch von der Gesamtmenge abgezogen werden müssen.

Die „offizielle Rechnung“ greift demnach ein wenig zu kurz. Unter dem Strich handelt es sich insgesamt aber um eine überschaubare BTC-Menge, die gar nicht erst geschürft wurde. Demnach gibt es zwischen der vereinfachten und der faktisch korrekten Rechnung keinen allzu großen Unterschied, bei der Frage, wann die 20-Millionen-Marke erreicht wird.

Insgesamt handelt es sich nämlich um weniger als 30 BTC, was die für den Meilenstein benötigte Blockzeit nur um etwas mehr als 70 Blöcke verschiebt.

Verlorene Coins

Außerdem gibt es auch noch Coins, die „entstanden“ sind, aber nie mehr bewegt werden können. Im Genesis-Block, also im Ursprungsblock des Bitcoin-Netzwerks, ist die Blocksubvention von 50 BTC aufgrund eines Bugs beispielsweise niemals ausgebbar.

Hinzu kommen die vielen Coins, die als verloren gelten. Es wird davon ausgegangen, dass es insgesamt zwischen 3 und 4 Millionen BTC sind, auf die nicht mehr zugegriffen werden kann. Dazu gehören die mehr als 1 Million BTC, die der Bitcoin-Gründer Satoshi Nakamoto geschürft haben soll.

Diese Coins „existieren“ zwar in der Bitcoin-Blockchain, müssten aber eigentlich von der Bitcoin-Gesamtmenge abgezogen werden, um einen besseren Eindruck davon zu bekommen, wie viele BTC wirklich im Umlauf sind.

Bitcoins Knappheitsversprechen

Durch das Erreichen des Meilensteins von 20 Millionen geschürften Bitcoin dürfte in der breiteren Gesellschaft noch einmal das Verständnis der Begrenztheit von Bitcoin geschärft werden.

Denn anders als bei Fiatwährungen oder auch Gold wissen wir, wie viele Einheiten es maximal geben wird. Die Bitcoin-Gesamtmenge wächst nicht ins Unendliche, sondern nimmt eines Tages ein Ende. 

Und auch wenn bis dahin noch viel Zeit vergehen wird, sind es nun weniger als 5 % der bisherigen Menge, die überhaupt noch hinzukommen wird.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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