Die Messaging-App Signal ist auf Privatsphäre ausgelegt und bietet Ende-zu-Ende-Verschlüsselung beim Chatten und Telefonieren. Doch beim Bezahlen endet oft die digitale Privatsphäre. Genau an dieser Stelle setzt das Open-Source-Projekt „Bitcoin for Signal“ an. Entwickler des datenschutzfreundlichen Ecash-Protokolls Cashu haben die Signal-App modifiziert, um anonyme, zensurresistente Bitcoin-Zahlungen direkt im Chat zu ermöglichen.

Die fehlende Privatsphäre beim Bezahlen

Wenn es um vertrauliche Kommunikation geht, ist Signal für Millionen von Menschen weltweit die erste Wahl.

  • Die App sammelt keine Kommunikationsinhalte, keine Kontaktlisten, keine Nutzungsprofile und nur ein Minimum an Metadaten.
  • Signal ist nicht profitorientiert, monetarisiert keine Daten und finanziert sich ausschließlich durch Spenden.
  • Es gibt weder Werbung noch Tracking.

Aus diesen Gründen würde sich Signal auch für ein wirklich privates Zahlungssystem eignen. Doch die Privatsphäre endet meist beim Bezahlen. Wer heute Freunden Geld schicken oder Dienstleistungen und Produkte digital bezahlen möchte, muss in der Regel eine App oder Plattform nutzen, die persönliche Daten sammelt oder sich zentralen Regeln unterwirft.

Um dieses Problem zu lösen, hat Signal ein Zahlungssystem mit MobileCoin – einer speziellen, auf zentralisierten Strukturen basierenden Kryptowährung – direkt in die App integriert. Da derartige Zahlungen ausschließlich innerhalb von Signal stattfinden, lässt sich der Nutzerkreis eindeutig eingrenzen – was potenziell Rückschlüsse auf die Identität zulässt.

Bitcoin + Cashu = private Zahlungen im Chat

Entwickler des Open-Source-Protokolls Cashu haben auf der Konferenz btc++ an einer Lösung gearbeitet. Daraus ist das Projekt „Bitcoin for Signal“ entstanden. Die Signal-App wurde geforkt und um eine Cashu-Wallet erweitert, mit der Nutzer Bitcoin-basierte Ecash-Token senden und empfangen können.

Bitcoin gilt dabei als neutrale Basisschicht – zensurresistent, global und etabliert. Anstatt pseudonyme On-Chain-Transaktionen oder KYC-behaftete Lightning-Wallets zu verwenden, setzen die Entwickler auf Chaumian Ecash-Token und das quelloffene, dezentrale Cashu-Protokoll, um digitale Zahlungen so anonym zu gestalten wie Bargeld.

Das Konzept geht auf David Chaum, einen Kryptografie-Pionier der 1980er Jahre, zurück. Es beruht auf sogenannten Blind Signatures und erlebt heute – insbesondere mit Cashu – eine Renaissance.

So funktioniert Cashu in Signal:

  • Um das Ecash-Konto aufzufüllen, schickt der Signal-Nutzer zunächst Bitcoin an einen Emittenten der Token (genannt „Mint“), ohne sich registrieren zu müssen.
  • Die Mint erzeugt im Gegenzug Ecash-Tokens – eine Darstellung des Vermögenswertes – und signiert sie „blind“. Sie bestätigt damit deren Gültigkeit, ohne deren Inhalt zu kennen.
  • Der Nutzer speichert diese Tokens lokal auf seinem Gerät und kann sie beliebig weitergeben, etwa direkt im Signal-Chat beim Versenden einer Nachricht – ohne Mittelsmänner.
  • Empfänger können die Ecash-Tokens weitergeben, aufbewahren oder wieder bei der Mint einlösen und dafür Bitcoin erhalten – ohne dass eine Verbindung zum ursprünglichen Absender besteht.

Durch die Blind-Signatur ist die Mint (oder auch andere Netzwerkteilnehmer) technisch nicht in der Lage, herauszufinden, welcher Token von wem stammt oder wie viele Tokens wann an wen weitergegeben wurden.

Die Nutzung von Bitcoin als Basis schließt Rückschlüsse auf den Nutzerkreis (wie etwa bei MobileCoin) aus: Jeder Cashu-Ecash-Halter kann stets argumentieren, einfach nur den globalen Standard Bitcoin zu nutzen. So entsteht ein anonymes, nicht nachverfolgbares Zahlungssystem – quasi digitales Bargeld.

Proof-of-Concept von „Bitcoin for Signal“

Die modifizierte Version der Signal-App mit integrierter Cashu-Wallet ist derzeit (noch) kein offizielles Projekt der Messenger-App. Die Initiatoren von „Bitcoin for Signal“ wollen die Integration in die offizielle Signal-App vorantreiben und zeigen mit dem Proof-of-Concept, wie diese aussehen könnte. Dadurch würde der Datenschutz von Signal auf Finanztransaktionen erweitert.

Die zugrunde liegenden Spezifikationen sind offen dokumentiert und werden als sogenannte NUTs (Notation, Usage, Terminology) veröffentlicht. Jeder kann eigene Mints betreiben oder Wallets entwickeln. Ziel ist ein offenes Ökosystem, das unabhängig von zentralen Akteuren funktioniert.

Privatsphäre endet nicht beim Geld

Das Projekt ist zunächst noch ein Vorschlag, und es gibt Herausforderungen – etwa das regulatorische Umfeld oder das notwendige Vertrauen in Mints. Gleichzeitig ist es eine deutliche Forderung nach mehr Privatsphäre im Finanzbereich, die ernst genommen werden sollte – gerade in einer Zeit, in der Überwachung und Zensur weltweit zunehmen.

„Bitcoin for Signal“ ist ein Schritt in genau diese Richtung und zeigt, dass private Kommunikation und anonyme Zahlungen zusammengehören.

Sollte Signal eines Tages Bitcoin und Cashu in die offizielle App integrieren, entstünde ein leistungsfähiges Werkzeug für zensurresistente Kommunikation und Zahlungen: Ende-zu-Ende-verschlüsselte Nachrichten kombiniert mit digitalem Bargeld. Bitcoin liefert dabei die Basis, Cashu sorgt für die Anonymität, und Signal bietet die Plattform, auf der all das nahtlos zusammenkommt.

Wer sich für Datenschutz und freie Software einsetzt, kann das Projekt unterstützen – etwa durch Tests, Feedback und weiteren Anregungen. Mehr Informationen, Kontaktdaten und den aktuellen Stand findest du auf bitcoinforsignal.org.

Stefan

Über den Autor: Stefan

Stefan ist studierter Medienwissenschaftler und Sinologe sowie selbstständig im künstlerisch-publizistischen Bereich. Neben den monetären Eigenschaften interessiert er sich vor allem für die sozialen und ökologischen Aspekte von Bitcoin und dem Bitcoin-Mining.

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