Nach der Kursrally am vergangenen Freitag schwächelte der Bitcoin-Kurs über das Wochenende. Dabei gab es sogar einen kleinen Flash-Crash, den Marktbeobachter auf den Verkauf von 24.000 BTC durch einen Wal zurückgeführt haben. Was steckt dahinter?

Der Bitcoin-Kurs fällt durch Schwäche auf. Am heutigen Montag handelt die bedeutendste Kryptowährung bei circa 111.000 US-Dollar und damit mehr als 10 Prozent unter dem kürzlich erreichten neuen Allzeithoch von 124.533 US-Dollar.

Erholung von kurzer Dauer

Am Freitag vergangener Woche hielt der Vorsitzende der Federal Reserve, Jerome Powell, seine heiß erwartete Rede bei dem Treffen der Notenbanker in Jackson Hole, Wyoming. 

Powell signalisierte dabei eine lockerere Geldpolitik als zuvor angenommen wurde. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung bei der nächsten Notenbanktagung im September stieg daraufhin zwischenzeitlich von 75 auf über 90 Prozent.

An den Märkten gab es in Reaktion auf die Worte des Fed-Chefs eine regelrechte Kursexplosion. IBIT, der Bitcoin-Spot-ETF von BlackRock, beendete den Handelstag mit einem Kursplus von 4 Prozent.

Doch über das Wochenende gab Bitcoin die gesamten Kursgewinne wieder ab. Am Sonntagabend fiel der Bitcoin-Kurs innerhalb von 10 Minuten sogar um mehr als 3,5 Prozent beziehungsweise 4.000 US-Dollar.

Wal verkauft 24.000 BTC?

Als der Bitcoin-Kurs zwischen 21:30 Uhr und 21:40 Uhr einen regelrechten Flash-Crash hinlegte, kam bereits die Vermutung auf, dass eine große Entität viele Coins auf einmal in einen illiquiden Markt hinein verkauft hat.

An Wochenenden wechseln üblicherweise weniger Bitcoin die Besitzer als an Werktagen. Das liegt daran, dass institutionelle Investoren, die beispielsweise die Bitcoin-Spot-ETFs handeln, dann nicht aktiv sein können.

Es dauerte nicht lange, bis ein Wal ausfindig gemacht wurde, der vermeintlich für diesen Kursrutsch verantwortlich war. Eine Entität transferierte am gestrigen Tag nämlich 12.000 Bitcoin an die dezentrale Trading-Plattform „Hyperunit Deposit“.

Der 𝕏-Account „SaniExp“ machte als Erstes auf diese Bewegungen aufmerksam und erklärte dabei, dass die gesamte Wallet mit 24.000 BTC geleert wurde.

Diese Entität hat ihre gesamten Bestände in Höhe von 24.000 [BTC] liquidiert und den gesamten Bestand an Hyperunit überwiesen. Allein heute wurden 12.000 überwiesen, und die Entität verkauft weiterhin aktiv, was wahrscheinlich zum anhaltenden Preisverfall beiträgt.
@SaniExp auf 𝕏

Auf weiteren Adressen halte die Entität sogar noch mehr als 150.000 BTC, fügte „SaniExp“ in einem weiteren Post hinzu.

Große 𝕏-Accounts griffen die Meldung auf, indem sie suggerierten, ein Wal hätte 24.000 BTC auf einmal verkauft und damit den Flash-Crash verursacht.

JUST IN: Ein Bitcoin-Wal hat 24.000 BTC im Wert von über 2,7 Milliarden US-Dollar verkauft, was innerhalb weniger Minuten zu einem Kurssturz von 4.000 US-Dollar geführt hat.

Er hält immer noch 152.874 BTC im Wert von über 17 Milliarden Dollar.
@BTC_Archive auf 𝕏

Doch wie aus dem Post von „SaniExp“ und den On-Chain-Daten hervorgeht, waren es lediglich 12.000 BTC, die am Sonntag die Wallet des Wals verlassen haben – und das auch nicht auf einen Schlag.

Grundsätzlich ist aber dennoch vorstellbar, dass der Wal mit dem Abverkauf von mehreren Tausend Bitcoin diesen Flash-Crash verursacht hat – in Kombination mit einer dadurch ausgelösten kleineren Liquidierungskaskade.

Laut dem 𝕏-Account „Lookonchain“ hat dieser Wal mit den Erlösen ETH gekauft und Long-Positionen bei der zweitgrößten Kryptowährung eröffnet. Aber auch der ETH-Kurs wurde – wie üblich für andere Krypto-Werte – von dem Flash-Crash bei Bitcoin mit nach unten gezogen.

Obwohl ETH in den vergangenen Wochen durch Kursstärke auffällt, ist die sich zunehmend zentralisierende Kryptowährung, hinter der eine Foundation steht, seit Dezember 2021 um mehr als 50 Prozent gegenüber Bitcoin gefallen.

Vorübergehende Schwäche?

Wenn große Entitäten viele Bitcoin auf den Markt werfen, sind die dadurch verursachten Kursrutsche meist nur von kurzer Dauer. Dies war beispielsweise beobachtbar, als ein Wal aus der Satoshi-Ära im Juli sage und schreibe 80.000 BTC verkaufte und sich der Bitcoin-Kurs unter dem Strich unbeeindruckt zeigte.

Bitcoin-Wale haben zwar die „Macht“, den Kurs kurzfristig nach unten zu ziehen – insbesondere wenn sie viele Coins auf einmal außerhalb der Handelszeiten der US-Börsen abstoßen. Dadurch bekommen sie dann in aller Regel aber schlechtere Verkaufskurse, als wenn sie am Markt vorbei oder in ganz kleinen Tranchen gehandelt hätten. Anschließend verteilen sich die Coins zudem auf andere Marktteilnehmer, die sich die niedrigeren Kurse zunutze machen.

Ob der Bitcoin-Kurs von hier aus wieder steigen wird, steht in den Sternen.

Sowohl der August als auch der September sind historisch betrachtet eher schwächere Monate für das Asset.

Sollte BTC in diesem Jahr seiner Saisonalität folgen, so wäre anschließend aber mit dem sogenannten „Uptober“ und einem insgesamt starken vierten Quartal zu rechnen.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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