Der Bitcoin-Kurs ist heute wieder unter 60.000 US-Dollar gefallen. Damit handelt BTC bei den Tiefstständen des Jahres. Auch Gold und Silber sind heute unter Druck geraten und auf das niedrigste Niveau seit Ende 2025 gerutscht. Bei Bitcoin scheint jedoch ein Hauptgrund zu sein, dass Verkäufe durch Strategy, den größten Bitcoin-Halter, jetzt deutlich wahrscheinlicher geworden sind.

Bitcoin, Gold und Silber unter Druck

Obwohl die Aktienmärkte – gemessen am S&P 500 – heute freundlich notieren, gibt es bei Bitcoin, aber auch Gold und Silber einen größeren Abverkauf.

Die beiden Edelmetalle, die zum Jahreswechsel noch durch immer weitere Höchststände auf sich aufmerksam gemacht haben, handeln heute auf dem tiefsten Niveau dieses Jahres. 

Bei Gold beträgt der Kursverlust seit dem Allzeithoch derzeit knapp 30 %, während es bei Silber über 50 % sind.

Dennoch: Mit diesem Rückgang sind Gold und Silber lediglich auf Niveaus zurückgefallen, die zuletzt Ende 2025 erreicht wurden.

Bei Bitcoin zeichnet sich ein gänzlich anderes Bild. Auch wenn heute bislang noch kein neues Jahrestief gesetzt wurde und der Kursrückgang seit dem Höchststand von Oktober 2025 „nur“ etwas mehr als 50 % beträgt – also so wie bei Silber –, handelt das Asset auf Niveaus von Oktober 2024. Tatsächlich kostete ein Bitcoin im Jahr 2021 sogar mehr als heute.

Anti-Debasement-Trade?

Dass heute sowohl Bitcoin als auch Gold und Silber unter Abgabedruck stehen, erklären sich manche Marktbeobachter durch die Rückabwicklung des „Debasement-Trades“. Ein vorherrschendes Narrativ der vergangenen Monate war nämlich, dass Edelmetalle – und zeitweise auch Bitcoin – davon profitieren würden, dass sich immer mehr Anleger vor einer zunehmenden Geldentwertung schützen wollen.

Wie Bloomberg am heutigen Mittwoch erklärt, dürfte ein Grund für die Schwäche der „Wertspeicher“ nun beim neuen Chef der Federal Reserve zu finden sein. Als Kevin Warsh Ende Januar von Trump nominiert wurde, brachte dies bereits Bitcoin, Gold und Silber unter Druck.

In der vergangenen Woche gab es das erste FOMC-Meeting unter der Führung Warshs. Dass dies eher negativ vom Markt aufgefasst wurde, war daran abzulesen, dass die Wahrscheinlichkeit für Zinsanhebungen in diesem Jahr in Reaktion gestiegen ist.

Gold, Silber und Bitcoin handeln gerade deutlich unter den Niveaus von vor der Notenbanktagung. Die Aktienmärkte zeigen sich derweil weitestgehend unbeeindruckt, während die KI-Euphorie Kapital aus anderen Segmenten anzuziehen scheint.

Größter Bitcoin-Halter vor Verkäufen?

Bei Bitcoin kommt jetzt erschwerend hinzu, dass das Unternehmen Strategy ins Straucheln geraten ist. Nachdem der größte Bitcoin-Halter am 1. Juni den Verkauf von 32 BTC bekannt gab, fiel Bitcoin binnen weniger Tage von über 70.000 auf unter 60.000 US-Dollar.

Auch die Stammaktie des Unternehmens (MSTR) sowie die Vorzugsaktien gerieten erheblich unter Druck – obwohl Strategy danach wieder 3.657 Bitcoin hinzugekauft hat.

Die in den vergangenen Wochen schlechter gewordenen Marktbedingungen haben es nun deutlich wahrscheinlicher gemacht, dass Strategy Bitcoin verkaufen wird – und das nicht aus Zwang, sondern weil es die aktuellen Unternehmensrichtlinien so vorgeben.

Als Strategy den Markt Anfang Mai für Bitcoin-Verkäufe vorbereitete, hieß es, dass bei einer niedrigen Aktienbewertung künftig BTC verkauft werden sollen, um die Dividenden der Vorzugsaktien zu zahlen.

Die dabei konkret genannte Schwelle war ein mNAV von 1,22 x. Das mNAV ist die zentrale Bewertungskennzahl, die den Unternehmenswert unter Berücksichtigung der Schulden und Vorzugsaktien in Relation zur Bilanz quantifiziert.

Auch wenn sich diese Zahl je nach Kapitalmarktaktivitäten leicht verändern kann, ist inzwischen ein Niveau erreicht, bei dem eigentlich Bitcoin verkauft werden müssten – und der Markt scheint das jetzt herauszufordern.

Am heutigen Mittwoch liegt das mNAV nämlich nur noch bei 1,08 x, während die MSTR-Aktie auf das niedrigste Niveau seit Anfang 2024 gefallen ist. Seit dem Allzeithoch von Ende 2024 beträgt der Kursrückgang mehr als 80 %.

Das bedeutet, dass sich Strategy laut den eigenen Regeln kein Geld mehr durch die Emission von Stammaktien beschaffen dürfte.

Demnach dürften die nächsten Dividenden erst einmal durch den Verkauf von Bitcoin finanziert werden, sofern Strategy nicht wieder zurückrudern sollte.

Zum Monatswechsel müssen jetzt weit über 100 Millionen US-Dollar an die Halter der Vorzugsaktien STRC, STRK, STRF und STRD ausgeschüttet werden.

Strategy hat zwar auch eine Cash-Reserve, die in den vergangenen Wochen von 871 Millionen auf 1,4 Milliarden US-Dollar vergrößert wurde. Doch laut dem Management soll der Puffer weiter ausgebaut werden, um den Haltern der Vorzugsaktien mehr Zuversicht zu geben.

Das Flaggschiffprodukt STRC handelt derzeit nämlich deutlich unter der Zielmarke von 100 US-Dollar. Am heutigen Mittwoch fiel STRC sogar unter 82 US-Dollar und damit unter das Niveau des Crashs vergangener Woche.

Unter Umständen könnte es sogar dazu kommen, dass Strategy noch einige Bitcoin mehr verkauft, um die Cash-Reserve auf die initial angepeilte Dividendenabdeckung von mindestens 2 Jahren zu vergrößern. Aktuell reicht der Cash-Puffer nur für 9,8 Monate an Dividendenzahlungen.

Über STRC sammelte Strategy teilweise mehr als 1 Milliarde US-Dollar pro Woche für Bitcoin-Käufe ein. Doch erst ab der 100-US-Dollar-Marke können neue STRC am Markt ausgegeben werden, was mit dem schwachen Kurs entsprechend nicht möglich ist.

Schwerere Zeiten voraus?

Dass eine gehebelte Bitcoin-Wette wie die von Strategy in einem Bärenmarkt vor Herausforderungen gestellt werden kann, dürfte wohl die wenigsten überraschen.

Auch wenn das Unternehmen jetzt – entgegen des Ziels – erst einmal als Nettoverkäufer auftreten könnte, dürfte sich der Verkaufsdruck aber wohl in Grenzen halten.

Bei aktuellen Kursen müsste Strategy lediglich 30.000 Bitcoin pro Jahr verkaufen, um die jährlichen Dividenden in Höhe von 1,7 Milliarden US-Dollar zu bezahlen.

Die Bitcoin- und Cash-Reserve decken selbst abzüglich der ausstehenden Schulden noch rund 26 Jahre an Dividendenzahlungen ab. 

Problematisch ist jedoch, dass Verkäufe durch Strategy zu Panik am Markt führen und somit BTC weiter nach unten reißen könnten. Das Unternehmen hält insgesamt nämlich 847.363 BTC. Entsprechend befürchten viele eine Abwärtsspirale.

Letztlich hat Strategy aber auch schon einmal einen Bitcoin-Bärenmarkt überlebt, in dem das Unternehmen mehr Schulden als Assets hatte und die Firmenbewertung niedrig war.

Jetzt liegt der Hebel selbst unter Berücksichtigung der Vorzugsaktien, die faktisch betrachtet keine Schulden sind, noch unter 45 %.

Ob sich das mNAV und die Vorzugsaktie bald schon wieder erholen können, dürfte in erster Linie von der Marktstimmung und dem Vertrauen in das von Michael Saylor gegründete Unternehmen abhängen.

Solange Strategy als Käufer ausbleibt und vielleicht sogar auf der Verkäuferseite aktiv wird, könnte es ungemütlich werden. Doch das Unternehmen ist natürlich nicht alleine für den Kurs verantwortlich, obwohl es seit Jahresauftakt alleine mehr als 170.000 BTC hinzugekauft hat.

Einige Marktteilnehmer rechnen damit, dass Bitcoin im vierten Quartal den Bärenmarkt beenden wird. Dafür sprechen neben der bekannten Zyklustheorie auch die Midterm-Wahlen, die laut Robbie Mitchnick von BlackRock wieder den Debasement-Trade zurückbringen könnten.

An den fundamentalen Eigenschaften von Bitcoin hat sich seit dem Allzeithoch nichts geändert. Die Frage aller Fragen ist jetzt, ob beziehungsweise wann die allgemeine Nachfrage wieder Fahrt aufnehmen wird.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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