Ein Bitcoin kostet heute so viele US-Dollar wie noch nie zuvor. Der Kurs der bedeutendsten Kryptowährung konnte die Marke von 112.000 US-Dollar – den vorherigen Höchststand vom 22. Mai 2025 – nach oben durchbrechen.
Seit der Bitcoin-Kurs Anfang Dezember vergangenen Jahres erstmals über 100.000 US-Dollar gestiegen ist, schien ein wenig die Luft raus zu sein. BTC konsolidierte trotz positiver Entwicklungen – unter anderem die Schaffung der strategischen Bitcoin-Reserve der USA – mehr als sieben Monate in einer Seitwärtsrange.
Im April, als Donald Trumps Zollankündigungen die Märkte erschütterten, fiel Bitcoin sogar zeitweise wieder unter 75.000 US-Dollar. Wenig später konnte BTC jedoch alle Verluste wieder wettmachen und jetzt sogar 61 Tageskerzen in Folge über der wichtigen 100.000-US-Dollar-Marke beenden. Im Rahmen der Eskalation des Konfliktes zwischen den USA und dem Iran Ende Juni handelte die bedeutendste Kryptowährung nur wenige Stunden wieder in der 5-Stelligkeit.
Da der US-Dollar in den vergangenen Monaten deutlich gegenüber dem Euro nachgegeben hat, ist ein neues Bitcoin-Allzeithoch in Euro aber noch ein gutes Stück entfernt. Am 20. Januar kostete ein Bitcoin fast 106.000 Euro – momentan fehlt bis dorthin noch ein Kursanstieg um rund 10 Prozent.
Gründe für Kursstärke bei Bitcoin
Bei Betrachtung der äußerst positiven Nachrichtenlage rund um Bitcoin ist es wenig verwunderlich, dass der Kurs – zumindest auf US-Dollar-Basis – derzeit so hoch steht wie noch nie.
Die sogenannten „Bitcoin Treasury Companies“ kaufen momentan nämlich tausende Bitcoin vom Markt – und das jede Woche. Im ersten Halbjahr haben sich Aktiengesellschaften wie Strategy und Metaplanet mehr als 235.000 zusätzliche BTC auf die Bilanz gelegt.
Hinzu kommt die nicht abreißende Nachfrage durch die im Januar 2024 zugelassenen Bitcoin-Spot-ETFs. Die Anlageprodukte von BlackRock, Fidelity und Co. haben seit Jahresauftakt Zuflüsse in Höhe von mehr als 14,5 Milliarden US-Dollar verzeichnet beziehungsweise rund 120.000 BTC aufgesaugt.
Durch das im April vergangenen Jahres vonstattengegangene vierte Bitcoin-Halving kommen täglich nur noch 450 neue BTC in den Umlauf – ein Angebot, das vom Markt derzeit mit Leichtigkeit absorbiert werden kann, wie Strategy-Gründer Michael Saylor erklärt.
Es gibt jetzt nur noch 450 Bitcoin pro Tag, die von natürlichen Verkäufern verkauft werden – das sind die Miner. Auf diesem Niveau ergibt das etwa 50 Millionen US-Dollar an Bitcoin, die täglich zum Verkauf stehen. Wenn diese 50 Millionen Dollar im Spotmarkt aufgekauft werden, muss der Preis steigen, um überhaupt preissensible Verkäufer zu finden. Wenn du nachrechnest, wirst du sehen, dass allein die Bitcoin Treasury Companies das gesamte natürliche Angebot aufkaufen. BlackRock und die ETFs kaufen zusätzlich einen weiteren Teil davon, und es gibt staatliche Akteure, die in den Markt einsteigen.
Michael Saylor
Obwohl öffentlich bekannt neben El Salvador noch keine Nationalstaaten aktiv in Bitcoin investieren, dürfte an dieser Front wohl die nächste große Welle der Kaufnachfrage entstehen.
Pakistan und Kirgistan arbeiten derzeit an ihrer strategischen Bitcoin-Reserve. Währenddessen plant die Zentralbank von Kasachstan den Einstieg in den Markt – und in Tschechien prüfen die Geldhüter schon seit Februar dieses Jahres die Aufnahme von Bitcoin in die Währungsreserven.
Donald Trump hat eine strategische Bitcoin-Reserve für die USA per Dekret errichtet, und aktive Käufe sind sogar möglich, wenn diese keine Kosten für die Steuerzahler verursachen. In den kommenden Wochen könnte es Informationen zu den Akkumulationsplänen der größten Volkswirtschaft der Welt geben.
Laut Bo Hines, dem von Trump ernannten leitenden Direktor des „Presidential Council of Advisers for Digital Assets“, herrscht Einigkeit hinsichtlich der Idee des weiteren Erwerbs des Assets.
Wir sind uns in jedem Fall einig, was die Idee der Akkumulation angeht. Wir haben öffentlich erklärt, dass Bitcoin digitales Gold ist. Wir glauben, dass es im besten Interesse der Vereinigten Staaten ist, so viel wie möglich davon anzuhäufen.
Bo Hines
„Wir sind uns in jedem Fall einig, was die Idee der Akkumulation angeht. Wir haben öffentlich erklärt, dass Bitcoin digitales Gold ist. Wir glauben, dass es im besten Interesse der Vereinigten Staaten ist, so viel wie möglich davon anzuhäufen.“ – @BoHines 🇺🇸🛒👀 pic.twitter.com/yurFds3NZT
— Blocktrainer (@blocktrainer) June 26, 2025
Auch die Aussagen von Patrick Witt, Deputy Director des „White House Council on Digital Assets“, lassen vermuten, dass das Weiße Haus die Bitcoin-Reserve, die sich bislang nur aus rund 200.000 konfiszierten BTC zusammensetzt, tatsächlich auch vergrößern wird.
Wir haben bereits einige Schritte mit der strategischen Bitcoin-Reserve unternommen – Sie wissen schon, wie wir das mit dem Akkumulationsplan weiterverfolgen werden.
Patrick Witt
Patrick Witt, Deputy Director des „White House Council on Digital Assets“, hat gesagt, dass sich um den Akkumulierungsplan für die strategische Bitcoin-Reserve gekümmert wird. 🇺🇸🛒👀 pic.twitter.com/nx0dVCuLET
— Blocktrainer (@blocktrainer) June 25, 2025
Weiter steigende Kurse voraus?
Der Kurs eines Assets ergibt sich durch die Verkaufs- und Kaufnachfrage. Während institutionelle Investoren und Aktiengesellschaften ordentlich zugegriffen haben, haben langfristige Halter beziehungsweise sogenannte „Wale“ in den vergangenen 12 Monaten mehr als 500.000 Bitcoin verkauft, wie Bloomberg unter Bezugnahme auf Daten von 10x Research berichtet.
Der Verkaufsdruck der langfristigen Halter, die bei einem Kurs von um die 100.000 US-Dollar je Bitcoin anscheinend vermehrt Gewinne mitgenommen haben, könnte nun aber deutlich abnehmen – und das nicht nur, weil die „Wale“ bald ihre Munition verschossen haben.
Zu dieser Einschätzung kommt Hunter Horsley, CEO des Vermögensverwalters Bitwise Invest. Laut ihm werden die Bitcoin-Halter, die Liquidität brauchen, ihre Coins künftig nicht mehr verkaufen, sondern auf das momentan stark wachsende Angebot an mit Bitcoin besicherten Krediten zurückgreifen.
Ich denke, sobald Bitcoin z. B. 130.000 – 150.000 US-Dollar durchbricht, wird niemand mehr seine Bitcoin verkaufen. Im Moment, bei 100.000 US-Dollar, scheint es so, dass Individuen, die eine Menge Bitcoin halten, die sie vor langer Zeit zu sehr niedrigen Preisen erworben haben, einige verkaufen. Das heißt, sobald Bitcoin ein neues Niveau erreicht hat, wird dies abflauen. Und von da an werden die Leute, wenn sie Liquidität brauchen, sich bei einer wachsenden Zahl von Kreditgebern etwas leihen. All das wird den Preis weiter in die Höhe treiben. Es wird einfach nicht genug Bitcoin geben.
Hunter Horsley, CEO von Bitwise Invest
I think once Bitcoin breaks through eg $130-150k, no one is going to sell their Bitcoin.
— Hunter Horsley (@HHorsley) June 10, 2025
Right now at $100k, it seems individuals who hold a lot of Bitcoin that was bought a long time ago at very low prices, are selling some.
That said, once Bitcoin breaks new levels, this…
Perfektes Umfeld für einen Bullenmarkt
In der aktuellen makroökonomischen Situation scheint es zudem das größere Risiko zu sein, nicht im großen Stil auf Sachwerte wie Bitcoin zu setzen – und das scheinen immer mehr Marktteilnehmer zu erkennen.
Das von Donald Trump unterstützte Steuer- und Ausgabengesetz, durch das die Schuldenobergrenze der USA um 5 Billionen US-Dollar angehoben wird, wurde verabschiedet. Die „Big Beautiful Bill“ dürfte die Sorgen um die Haushaltssituation der USA sowie den Werterhalt des US-Dollars nur noch weiter vergrößern.
Zwischen Elon Musk und Donald Trump entbrannte aufgrund des Gesetzes ein regelrechter Streit. Der Tesla-CEO verkündete deshalb sogar, eine eigene Partei namens „America Party“ ins Leben zu rufen. Mit dieser wird er laut eigener Aussage auch Bitcoin unterstützen, da Fiatgeld „hoffnungslos“ ist.
Währenddessen wächst der Druck auf Jerome Powell, Chef der US-Zentralbank. Ihm wird von Trump und immer mehr hochrangigen Politikern vorgeworfen, die Zinsen aus politischen Gründen nicht zu senken und damit sowohl der Wirtschaft als auch der Haushaltssituation der USA zu schaden. Laut US-Präsident Trump soll „Too Late“, wie er den Fed-Chef nennt, sofort zurücktreten.
Der Vorsitzende der Federal Housing Finance Agency (FHFA), Bill Pulte, forderte vor mehreren Tagen sogar den Kongress auf, gegen den Powell zu ermitteln. Pulte, der die staatlich kontrollierten Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac dazu anhält, Kryptowährungen bei der Bonitätsrechnung zu berücksichtigen, unterstellt dem Fed-Chef, er habe den Kongress belogen.
Powells Amtszeit endet offiziell im Mai kommenden Jahres. Auch wenn er voraussichtlich bis dahin im Amt bleiben wird, haben immer mehr Marktteilnehmer die Sorge, dass die Unabhängigkeit der Zentralbank verloren gehen könnte. Trump dürfte nämlich einen Nachfolger nominieren, bei dem er sich sicher sein kann, dass dieser für ein lockereres geldpolitisches Umfeld sorgen wird.
Momentan rechnet der Markt mit einer Wahrscheinlichkeit von circa 65 Prozent mit der nächsten Zinssenkung bei der Notenbanktagung im September. Der robuste Arbeitsmarkt und die antizipierten höheren Inflationsraten aufgrund von Trumps Handelspolitik sind derweil die Gründe, die in den Augen der Geldhüter – nachvollziehbarerweise – noch gegen eine Lockerung der Geldpolitik sprechen.
Unter dem Strich ist jedoch davon auszugehen, dass in den kommenden Monaten die Zinsen deutlich sinken werden – allerspätestens mit Powells Nachfolger im Amt. Momentan befinden sich sowohl die US-Dollar- als auch die globale Geldmenge schon auf einem neuen Allzeithoch. Mit weiteren Schuldenorgien und Zinssenkungen dürfte sich dieser Trend nur verschärfen.
Ein potenzieller Vertrauensverlust in den US-Dollar, der durch die Debatte um die Unabhängigkeit der Zentralbank befeuert werden dürfte, sowie Aussichten auf eine bald noch stärker steigende Liquidität resultieren in einem Umfeld, in dem Bitcoin als begrenzter Vermögenswert und alternatives, nicht kontrollierbares Reserve-Asset umso mehr glänzen müsste. Ein Bitcoin-Preis von mehr als 112.000 US-Dollar könnte entsprechend nur der Anfang einer noch viel größeren Kursrally sein.