Bitcoin erholt sich vom Kriegsschock
Der Bitcoin-Kursverlauf war am Wochenende von hoher Volatilität geprägt. Nachdem Samstagfrüh ersichtlich wurde, dass die USA und Israel den Iran angreifen, brach BTC zeitweise um mehr als 4 % ein.
Obwohl es Gegenschläge von Seiten des Irans gab – unter anderem auf US-Militärbasen sowie zivile Ziele in der Golfregion –, setzte dann aber schon schnell eine Erholung ein, die sich verstärkte, als der Tod des iranischen Staatschefs Khamenei bestätigt war.
Am Samstag machte Bitcoin schließlich bereits die gesamten Kursverluste seit dem Kriegsbeginn wieder wett und beendete den Tag mit einem Kursplus von fast 1,7 %. Der darauffolgende Sonntag war dann jedoch wieder von erhöhter Nervosität sowie Abgabedruck geprägt.
Bitcoin ist das einzige Asset, das – wenn überhaupt – zu hohen Volumina an einem Wochenende gehandelt werden kann. Entsprechend beobachteten viele Marktteilnehmer den Kurs der relevantesten Kryptowährung genau, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie die breiteren Kapitalmärkte nach dem Kriegsausbruch in die neue Handelswoche starten werden.
„Entkopplung“ von Gold und Aktien
Wie grundsätzlich zu erwarten war, notierten die Aktienmärkte am heutigen Montag zum Start des New Yorker Handels (15:30 Uhr deutscher Zeit) schwächer. Die US-amerikanischen Aktienindizes S&P 500 sowie Nasdaq 100 konnten sich inzwischen aber bereits ein gutes Stück von ihren Tagestiefs erholen.
Bitcoin hingegen legte am heutigen Tag überraschenderweise um mehr als 6 % zu und überstieg zeitweise sogar wieder die 70.000-US-Dollar-Marke.
Gegenüber dem Niveau zum Börsenschluss am Freitag ist BTC zum aktuellen Zeitpunkt rund 6,6 % im Plus, während es bei der „Krisenwährung“ Gold lediglich 0,6 % sind. Die breiten Aktienindizes MSCI World sowie MSCI Emerging Markets, der die Schwellenländer abbildet, handeln heute 0,4 % respektive 1,9 % unter den Schlusskursen von Freitag.
Ist Bitcoin doch ein Krisenschutz?
Die Tatsache, dass sich Bitcoin im Rahmen des geopolitischen Schocks überproportional erholen kann, ist besonders bemerkenswert. Denn ob das Asset ein „sicherer Hafen“ ist, der in Krisensituationen profitieren kann, oder ein „Risk-On-Asset“, das sich nur in einfachen Marktphasen gut schlägt, ist Gegenstand hitziger Debatten.
Die derzeit stattfindende „Entkopplung“ reicht in jedem Fall aber noch nicht aus, um Bitcoin eindeutig als Krisenschutz einordnen zu können. Es ist nämlich nur einer von vielen Datenpunkten.
Auch wenn das Asset aufgrund der begrenzten Gesamtmenge sowie der nicht vorhandenen Kontrahentenrisiken durchaus auf fundamentaler Ebene alles dafür Nötige mitzubringen scheint, leidet BTC in Schocksituationen kurzfristig meist überproportional.
Dafür kann sich das Asset auf längere Zeiträume betrachtet im Regelfall aber überproportional erholen, wie der Vermögensverwalter BlackRock in einem Report veranschaulichte.
Dass Bitcoin schon so kurz nach dem Kriegsausbruch alle Verluste wieder wettgemacht und sogar deutlich zulegen konnte, bleibt letzten Endes aber etwas Besonderes, das sich viele Marktbeobachter genauer ansehen werden.
Kaufnachfrage dürfte derweil heute auch durch Strategy, den größten Bitcoin-Firmenhalter, kommen. Die Vorzugsaktie STRC, das Flaggschiffprodukt, handelt nach der Erhöhung der Dividende auf 11,5 % zum New Yorker Handel nämlich über der 100-US-Dollar-Marke, was dem Unternehmen ermöglicht, neue STRC-Aktien zu emittieren, um mit den Erlösen Bitcoin zu kaufen.
Nur eine Gegenreaktion?
Bitcoin befindet sich seit Oktober 2025 aber in einem scharfen Abwärtstrend. Der Kurs brach vom Höchststand aus gemessen zeitweise um mehr als 50 % ein. Im Rahmen dieser Korrektur fiel BTC fünf Monate in Folge. Das gab es zum ersten und bis vor Kurzem auch letzten Mal im Bitcoin-Bärenmarkt 2018.
Möglicherweise ist ein Grund, wieso sich BTC im Rahmen des Kriegsausbruchs so gut hält, dass zu diesem Niveau so langsam kaum mehr Marktteilnehmer zum Verkauf bereit sind. Damit man sich ernsthafter mit der These, dass BTC von der Wall Street nun als „sicherer Hafen“ eingeordnet wird, auseinandersetzen kann, bräuchte es unter dem Strich mehr als nur einen Tag der Entkopplung in Krisenzeiten.
Dennoch: Viele Marktteilnehmer werden die Kursstärke von Bitcoin heute genau beobachten und das Asset möglicherweise deshalb weniger als „Risk-On-Asset“ betrachten. Ob das Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung dann dazu beiträgt, dass sich Bitcoin schon bald tatsächlich in der breiteren Wahrnehmung als Krisenschutz etablieren kann, wird aber die Zukunft zeigen müssen.