Bitcoin: Diese „Experten“ lagen mit ihren Prognosen daneben!
Bei kaum einem Thema gehen die Meinungen so weit auseinander wie bei Bitcoin. Während sich einige einflussreiche Persönlichkeiten aus der Finanzwelt inzwischen hinter das Asset stellen, gibt es noch viele Kritiker, deren Prognosen immer wieder von der Realität eingeholt werden.
Welche „Experten“ haben bereits Einschätzungen zu Bitcoin abgegeben, die sich rückblickend als falsch erwiesen haben?
Peter Zeihan (Analyst)
Peter Zeihan ist ein geopolitischer Analyst und Autor mit mehr als einer Viertelmillion Follower auf der Plattform 𝕏. In seiner Rolle als Experte wurde er Ende 2022 unter anderem in den Podcast von Joe Rogan eingeladen.
Rogan sprach Zeihan, der sich zuvor bereits kritisch zu Bitcoin äußerte, im Rahmen der Folge auch auf Kryptowährungen an. Dabei postulierte der Analyst selbstbewusst, dass sich der Bitcoin-Kurs in dem Prozess befinde, negativ zu werden.
Jetzt ist [Krypto] dabei, auf null zu sinken – mit Ausnahme von Bitcoin, was wahrscheinlich negativ werden wird. Denn wenn wir uns auf eine Welt mit CO₂-Steuern zubewegen, muss man die Energie berücksichtigen, die für die Herstellung zuvor aufgewendet wurde. […] Wie viel kostet Bitcoin? 16.000 US-Dollar. Es muss noch um weitere 17.000 fallen. […] Es gibt keinen inneren Wert bei diesem Produkt.
Peter Zeihan
Ende 2022 prognostizierte @PeterZeihan bei @joerogan, dass der #Bitcoin-Kurs ins Negative fallen wird – wegen fehlendem inneren Wert und dem Energieverbrauch😁
— Blocktrainer (@blocktrainer) June 11, 2024
"Wo steht Bitcoin gerade? 16.000 – Der Kurs wird um weitere 17.000 fallen."
Seitdem ist #BTC um über 320% gestiegen🚀 pic.twitter.com/7L7VuM5TYm
Wie aus seinem Statement hervorgeht, lag der Bitcoin-Kurs zu dieser Zeit bei circa 16.000 US-Dollar und damit in der Nähe des Tiefs des vergangenen Bärenmarktes. Seither ist BTC um fast 600 Prozent gestiegen – womit sich der Kurs komplett entgegen der prognostizierten Richtung entwickelte.
Dass ein Vermögenswert einen Preis kleiner null hat, bedeutet, dass eine Partei ihn überträgt und dafür nicht Geld erhält, sondern sogar noch draufzahlen muss. Bei Sachwerten ist das praktisch ausgeschlossen und bislang auch nie vorgekommen.
Eine Ausnahme sind Terminkontrakte (Futures). So kam es etwa während der Coronakrise dazu, dass Öl-Futures negative Preise aufwiesen, weil Spekulanten, die auf dem falschen Fuß erwischt wurden, unter keinen Umständen physisches Öl geliefert bekommen wollten.
Ulrich Bindseil & Jürgen Schaaf (EZB)
Im Bärenmarkt 2022 gaben Jürgen Schaaf und Dr. Ulrich Bindseil, die zu der Zeit beide bei der Europäischen Zentralbank (EZB) arbeiteten, eine Bitcoin-Prognose ab. Schaaf berät seit 2019 die Leitung des Bereichs Marktinfrastruktur und Zahlungsverkehr der EZB, von dem Bindseil bis Sommer dieses Jahres der Generaldirektor war.
Am 21. November 2022 erschien im Handelsblatt ein Gastkommentar der EZBler mit der Überschrift „Der Bitcoin ist auf dem Weg in die Irrelevanz“. Wenige Tage später veröffentlichte die EZB die englische Version auf ihrem Blog. In ihrem Artikel prophezeiten Schaaf und Bindseil – wie die Überschrift vermuten lässt –, dass Bitcoin jetzt in der Bedeutungslosigkeit verschwinden werde.
Im November 2021 lag der Wert noch bei 69.000 Dollar, fiel dann stetig bis zum vergangenen Juni, wonach er sich bei 20.000 Dollar zu stabilisieren schien. Das nährte die Hoffnung, dass es sich um eine Verschnaufpause auf dem Weg zu neuen Höhen handele. Dabei war schon vorher zu erkennen, dass es eher ein letztes Aufbäumen auf dem Weg in die Irrelevanz war.
Schaaf und Bindseil
Das Veröffentlichungsdatum des mittlerweile wieder gelöschten Gastkommentars im Handelsblatt markiert ironischerweise genau den Tag, an dem BTC das Bärenmarkttief erreichte. Und tatsächlich war es wirklich nur eine Verschnaufpause auf dem Weg zu neuen Höhen, denn rund 1,5 Jahre später erreichte Bitcoin bereits neue Allzeithochs.
Circa 2 Jahre später, nachdem Bitcoin offensichtlich nicht in der Irrelevanz verschwunden war, hieß es in einem wissenschaftlichen Paper von Schaaf und Bindseil schließlich, dass die Bitcoin-Halter auf Kosten anderer reich werden würden.
In Absolutwerten ausgedrückt, erhöhen Early Adopters ihr reales Vermögen und ihren Konsum genau auf Kosten des realen Vermögens und des Konsums derjenigen, die Bitcoin nicht besitzen oder erst zu einem späteren Zeitpunkt darein investieren. […] Diejenigen, die niemals Bitcoin halten, wären noch schlechter dran, als die Nachzügler.
Bindseil und Schaaf
Ken Rogoff (Harvard)
Dr. Ken Rogoff, Harvard-Professor und ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), teilte in einem Interview im Jahr 2018 seine Ansicht mit, dass Bitcoin in einem Jahrzehnt wahrscheinlicher bei 100 als bei 100.000 US-Dollar stehen werde.
Der Wirtschaftswissenschaftler, der sogar bei der Federal Reserve arbeitete, begründete seine Prognose damit, dass Staaten gegen Bitcoin vorgehen werden. Ein Bitcoin kostete zu der Zeit des Interviews circa 11.300 US-Dollar.
Ich denke, Bitcoin wird in zehn Jahren nur einen winzigen Bruchteil seines heutigen Werts haben. […] Ich glaube allerdings nicht, dass Bitcoin auf null fallen wird, denn es wird immer Schurkenstaaten geben, die außerhalb des globalen Finanzsystems stehen und es akzeptieren. Aber ich halte 100 US-Dollar in zehn Jahren für weitaus wahrscheinlicher als 100.000.
Ken Rogoff
His original price prediction from march 2018, when Bitcoin traded at around $10k per coin: https://t.co/vkUkWDVU0B pic.twitter.com/I49zLE535h
— Tristan – Blocktrainer.de 🧡⚡️ (@tristanblcktrnr) August 20, 2025
Obwohl seither erst 7,5 Jahre vergangen sind, scheint sich seine Einschätzung alles andere als zu bewahrheiten. Ein Bitcoin kostet momentan nämlich deutlich mehr als 100.000 US-Dollar.
Nachdem die Elite-Uni Harvard, an der Rogoff als Professor arbeitet, im zweiten Quartal dieses Jahres selbst in Bitcoin-Spot-ETFs investiert hatte, sah sich der Ökonom genötigt, eine Rechtfertigung für seine Prognose zu liefern.
Doch anstatt sich dabei einzugestehen, Bitcoin fundamental falsch eingeordnet zu haben, schob er die Schuld für seine Fehleinschätzung auf Missstände in der Welt – wie die seiner Meinung nach zu laxe Krypto-Regulierung in den USA oder US-Präsident Donald Trumps eigenes Krypto-Engagement.
Expertenmeinungen mit Vorsicht genießen!
Neben den bereits genannten „Experten“ gibt es beispielsweise noch Peter Schiff. Der bekannte Bitcoin-Kritiker gilt als Finanzexperte – er leitete unter anderem eine Investmentfirma.
Seit dem Jahr 2013 prophezeit Schiff bereits den Niedergang der Anlageklasse. Am meisten amüsierte sich die Bitcoin-Community aber über seinen Post aus dem November 2019, in dem der Ökonom schrieb, dass Bitcoin niemals einen Kurs von 100.000 US-Dollar erreichen werde.
Träum weiter. Bitcoin wird niemals 100.000 US-Dollar erreichen!
Peter Schiff
Keep dreaming. Bitcoin is never going to hit $100,000!
— Peter Schiff (@PeterSchiff) November 8, 2019
Während sich Schiffs Einschätzung als falsch erwiesen hat, gibt noch eine gewagte Prognose eines Schwergewichts der Wirtschaftswissenschaften, die nicht allzu lange her ist.
Eugene Fama, der den Wirtschaftsnobelpreis unter anderem für seine Effizienzmarkthypothese erhalten hat, sagte in einem Interview Ende Januar dieses Jahres, dass Bitcoin in 10 Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von nahezu 100 % – beziehungsweise nahe eins – wertlos sein werde.
Frage: Wie hoch würden Sie die Wahrscheinlichkeit einschätzen, dass der Wert von Bitcoin innerhalb von zehn Jahren auf null fällt?
Eugene Fama: Ich würde sagen, sie liegt nahe eins.
Bis Famas Prognose endgültig falsifiziert werden kann, muss aber noch fast ein ganzes Jahrzehnt vergehen.
Dan Peña, einen bekannten US-amerikanischen Investor und Business-Coach, wird man derweil noch schlechter widerlegen können.
Er sagte im Jahr 2018 nämlich voraus, dass Bitcoin auf null fallen werde – und zwar dann, wenn die Identität des Gründers Satoshi Nakamoto, die er angeblich kennt, öffentlich wird.
Ich kenne den Typen und wenn das herauskommt – ihr habt es hier zuerst gehört –, wird Bitcoin auf null fallen.
Dan Peña
„#Bitcoin is going to zero, ZERO!“ - Dan Pena. pic.twitter.com/pDCeht1fHd
— Carl ₿ MENGER ⚡️🇸🇻 (@CarlBMenger) November 7, 2024
Da die Menschheit wohl nie erfahren wird, welche Person(engruppe) Bitcoin erfunden hat, lässt sich Peñas Prognose womöglich niemals falsifizieren.
Auch wenn die Bitcoin-Befürworter bislang im Großen und Ganzen Recht behalten haben, sind in diesem Lager ebenfalls viele falsche Prognosen zu finden. Dabei geht es insbesondere um astronomisch hohe Kursziele, die von vermeintlichen Bitcoin-Experten in die Welt hinaus posaunt werden.
Da so viele „Experten“ bei Bitcoin falschliegen, gilt es, Prognosen jeder Art immer mit Vorsicht zu genießen. Vor allem, wenn es um Investitionen geht, sollte man niemandem blind vertrauen – selbst wenn diese Person einen Doktortitel oder gar einen Wirtschaftsnobelpreis hat.