An diesem Wochenende setzt sich die Schwäche von Bitcoin weiter fort. Der Kurs fiel am Samstag in einem weiteren „Flash Crash“ sogar unter 76.000 US-Dollar – ein Niveau, das zum letzten Mal im April 2025 erreicht wurde. Was steckt hinter diesem Kursrutsch?

Bitcoin-Kurs im scharfen Abwärtstrend

Nachdem Bitcoin am 6. Oktober 2025 noch ein Allzeithoch von rund 126.300 US-Dollar erreichen konnte, geht es stetig bergab. Jeder Monat seither war einer mit Kursverlusten – einschließlich des Oktobers, der so stark begann.

In den vergangenen Tagen hat sich der Abverkauf sogar noch beschleunigt. Am gestrigen Samstag fiel BTC schließlich unter das Zwischentief vom 21. November 2025, das etwas mehr als 80.000 US-Dollar betrug.

Im Tief kostete ein Bitcoin gestern auf der Krypto-Börse Coinbase nur noch 75.644 US-Dollar. Auf diesem Niveau handelte BTC zuletzt im April 2025, als Donald Trump die Märkte mit seinen Zollankündigungen im Rahmen des „Liberation Day“ erschütterte.

Sollte Bitcoin unter 74.420 US-Dollar, das Tief des vergangenen Jahres, fallen, so würde ein Bitcoin so viel kosten, wie zum letzten Mal am 6. November 2024, also kurz nach dem Wahlsieg des „Krypto-Präsidenten“ Trump.

In Euro gemessen ist Bitcoin sogar schon unter das Tief aus dem April 2025 gefallen, das 65.826 Euro betrug. Diese Divergenz rührt daher, dass der US-Dollar seither weiter gegenüber dem Euro abwertete.

Chaos an den Märkten

Bitcoin fällt schon seit mehreren Monaten durch relative Schwäche auf. Sowohl der US-amerikanische Aktienindex S&P 500 als auch die Edelmetalle Gold und Silber konnten in dieser Woche nämlich noch neue Allzeithochs erreichen.

Doch an breiteren Märkten machte sich ab Donnerstag dieser Woche schließlich auch Panik breit, die von starker Volatilität begleitet war. Dem voraus ging die Zinsentscheidung der Federal Reserve von Mittwoch, die etwas „hawkisher“ als erwartet interpretiert werden kann.

Die Kursbewegungen von der Aktie eines Tech-Giganten wie Microsoft oder die von Edelmetallen zeigen, wie besonders die aktuelle Marktlage derzeit ist.

Die Aktie von Microsoft verlor am Donnerstag im Tagesverlauf fast 10 %, nachdem die am Mittwoch nachbörslich gemeldeten Quartalszahlen enttäuschten.

Silber und Gold legten nach der phänomenalen Rally der letzten Wochen, die am Donnerstag noch in neuen Allzeithochs resultierte, binnen weniger Stunden rekordträchtige Korrekturen hin.

Das Hoch von Silber vom Donnerstag betrug 121,6 US-Dollar – am Freitag kostete eine Feinunze im Tief nur noch 74,4 US-Dollar, was einen Rückgang um 39 % innerhalb weniger Stunden bedeutet.

Bei Gold zeichnete sich ein ähnliches – wenn auch weniger starkes – Bild. Der Kurs des gelben Metalls kratzte am Donnerstag noch an der Marke von 5.600 US-Dollar und fiel am Freitag zeitweise wieder auf 4.682 US-Dollar.

Was steckt hinter der Panik?

Als die Märkte am Donnerstag bereits in ihrer Gesamtheit deutlich schwächer handelten, waren viele Analysten vergeblich auf der Suche nach plausiblen Gründen. Die Zinsentscheidung der US-Zentralbank konnte es nämlich nicht alleine sein, da diese im Großen und Ganzen bereits eingepreist war und der Kursrutsch erst einige Stunden später einsetzte.

Das, was jedoch große Teile des Abverkaufs am Freitag erklären könnte, ist, dass Donald Trump Kevin Warsh als Nachfolger von Fed-Chef Jerome Powell nominiert hat. Warsh, der bereits von 2006 bis 2011 Notenbankgouverneur war, gilt als „Falke“, da er sich in der Vergangenheit eher gegen Zinssenkungen und eine Ausweitung der Bilanz der Zentralbank positionierte.

Da Trump jedoch bereits betonte, dass er niemanden auswählen wird, der ihm widerspricht, und Warsh die Entwicklungen bei KI als deflationär einordnet, könnte sich aber auch unter ihm das geldpolitische Umfeld weiter lockern – sofern er vom Senat für die Rolle als Vorsitzender der Federal Reserve bestätigt wird.

Es gibt noch weitere Entwicklungen, die zu einem „Risk-Off-Modus“ geführt haben, und den Bitcoin-Kursrutsch am Wochenende erklären könnten.

  • Die USA befinden sich seit Samstag in einem partiellen Regierungs-Shutdown, nachdem sich noch nicht auf einen neuen Haushalt geeinigt wurde. Konsensannahme ist jedoch, dass am Montag im Repräsentantenhaus für einen vom Senat bereits angenommenen Entwurf gestimmt wird, sodass dieses Mal – anders als beim letzten Shutdown – ein schnelles Ende in Sicht ist.
  • Das KI-Narrativ beginnt nach den enttäuschenden Microsoft-Zahlen zu bröckeln, verstärkt durch die Nachricht von Freitag, dass der Deal zwischen Nvidia und OpenAI ins Stocken geraten ist – obwohl Nvidia-CEO Huang daraufhin die Unzufriedenheit mit der Firma hinter ChatGPT dementierte.
  • Die USA haben diese Woche Kriegsschiffe in Richtung Iran entsandt und am Samstag gab es schließlich Explosionen in der Region, deren Ursache zu Beginn unklar war. Es wurden Sabotageakte der USA vermutet, doch offiziell waren es Gaslecks.
  • Am Freitag gab es eine Bankenpleite in den USA: Die Metropolitan Capital Bank & Trust (Chicago) wurde wegen „unsicheren Praktiken und schwachem Kapital“ geschlossen und von der Behörde FDIC übernommen.

Was genau zu welchem Anteil dazu beigetragen hat, dass Bitcoin am gestrigen Samstag so stark gefallen ist, ist schwer auszumachen. Es lässt sich jedoch mit Sicherheit behaupten, dass die für den Krypto-Markt üblichen Liquidierungskaskaden den Crash verstärkt haben. 

Laut Daten von Coinglass wurden gestern alleine 2,4 Milliarden US-Dollar an Long-Positionen aus dem Krypto-Markt gespült – 735 Millionen davon entfallen auf Bitcoin. Das war der höchste Wert seit dem 10. Oktober 2025, dem Tag des größten Liquidierungsevents in der Krypto-Geschichte.

Es wird spannend zu sehen sein, wie Aktien und Edelmetalle am Montag in die neue Woche starten und ob BTC die Kursverluste weiter ausbauen oder wiedergutmachen wird, wenn die Wall Street öffnet.

Grund zur Sorge?

Starke Kurseinbrüche sind bei Bitcoin keine Seltenheit. Der Kurs konnte sich bereits mehrfach von Rückgängen in Höhe von circa 80 % erholen und anschließend auf neue Allzeithochs steigen.

Diesen Bitcoin-Bärenmarkten gingen jedoch euphorische Phasen voraus, die laut mehreren Metriken in diesem Zyklus nicht zu sehen waren. Entsprechend frustrierend ist es, dass BTC trotzdem noch so scharfe Korrekturen hinlegt.

Aktuell beträgt der Rückgang seit dem Allzeithoch aber lediglich 40 %. Im Bitcoin-Bullenmarkt 2021 fiel BTC sogar um etwa 55 %, nur um wenige Monate darauf wieder neue Höchststände zu erreichen.

Ob es sich aktuell nur um eine kleine Verschnaufpause handelt oder es erst der Beginn eines „Krypto-Winters“ ist, kann niemand mit Sicherheit sagen. Die Bitcoin-Zyklustheorie spricht für Letzteres, da es bereits rund 35 Monate mit Kursanstiegen gab.

Fundamental betrachtet gibt es jedoch kaum Gründe, weshalb Bitcoin wieder um 70 % oder mehr vom Hoch aus fallen sollte: Das Asset ist inmitten des Mainstreams angekommen und hat eine schiere Größe erreicht, bei der solche Korrekturen eher unüblich sein sollten.

Bislang hat sich bei Bitcoin gezeigt, dass die beste Strategie ist, die Schwächephasen einfach stahlhart auszusitzen und die „Dips“ – sofern möglich – zu kaufen. An dem Versuch, den Markt zu „timen“, verbrennen sich die meisten ohnehin die Finger.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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