Ein Bitcoin kostete in der Nacht zeitweise nur noch 60.000 US-Dollar, nachdem der gestrige Handelstag der schlechteste seit dem Kollaps der Krypto-Börse FTX im November 2022 war.

Der Bitcoin-Kursrutsch scheint kein Ende mehr zu nehmen. Am gestrigen Handelstag unterschritt BTC zunächst den Höchststand des vergangenen Zyklus, der im November 2021 erreicht wurde und 69.000 US-Dollar beträgt.

Anschließend ging es in einem regelrechten Flash-Crash weiter nach unten. Im Tief kostete ein BTC auf der Krypto-Börse Coinbase nur noch genau 60.001 US-Dollar. Das letzte Mal handelte das Asset im Oktober 2024 bei diesem Niveau.

Damit hat sich Bitcoin seit dem am 6. Oktober 2025 erreichten Allzeithoch, das bei 126.300 US-Dollar in etwa liegt, nun mehr als halbiert. Und allein in den letzten drei Wochen ging es um mehr als 35 % bergab.

Außerdem sind jetzt alle Kursgewinne seit dem Wahlsieg des selbsternannten „Krypto-Präsidenten“ Donald Trump wieder abgegeben worden. Am 5. November 2024, dem Tag der Präsidentschaftswahl, kostete ein Bitcoin um die 70.000 US-Dollar.

Schlechtester Tag seit 39 Monaten

Doch der gestrige Tag stach besonders heraus. BTC verlor nämlich 13,98 %. Damit war es der schlechteste Tag für den Bitcoin-Kurs seit dem Kollaps von FTX im November 2022, also seit fast 3 Jahren und 3 Monaten.

Am 9. November 2022 sank der Bitcoin-Kurs nämlich um 14,33 %, als deutlich wurde, dass FTX, eine der damals größten Krypto-Börsen, Kundengelder veruntreut hat und pleite war. Einen Tag zuvor ging es schon um 9,92 % bergab.

Das verdeutlicht: Wenn der Bitcoin-Kurs einmal ins Fallen geraten ist, es schnell weiter nach unten gehen kann. Grund dafür sind unter anderem die für den Krypto-Markt üblichen Liquidierungskaskaden.

Laut Daten von Coinglass wurden gestern mehr als 1,8 Milliarden US-Dollar an Wetten auf steigende Kurse aus dem Markt gespült. Am Samstag vergangener Woche waren es mit über 2,4 Milliarden US-Dollar sogar noch mehr als das.

Die dadurch ausgelösten Zwangsverkäufe dürften einen großen Beitrag zu dem starken Einbruch geleistet haben. Außerdem zeigt es, dass spekulative Wetten in einem so volatilen Markt sehr gefährlich sein können.

Gründe für den Crash

Spezielle BTC-spezifische Nachrichten, die zu dem aktuellen Bitcoin-Crash geführt haben, gibt es keine. Doch es scheint so, als würde BTC nach Monaten der relativen Schwäche gegenüber anderen Anlageklassen jetzt überproportional leiden, wenn es am Aktienmarkt und bei Edelmetallen auch mal zu Verwerfungen kommt.

Gestern notierten neben Bitcoin nämlich auch insbesondere der Nasdaq 100 sowie Gold und Silber schwächer. Oftmals werden in Phasen der Nervosität sogenannte „Risk-On-Assets“ wie BTC stärker abverkauft – obwohl Bitcoin aufgrund der fehlenden Kontrahentenrisiken, der Dezentralität und der begrenzten Gesamtmenge genau in solchen Zeiten eigentlich glänzen sollte.

Doch da gestern auch der „sichere Hafen“ Gold nachgab, ist die gesamte Kursschwäche vielleicht doch eher auf eine Art Paniksituation zurückzuführen, bei der Anleger lieber in Cash flüchten. Viele Analysten sehen im Bitcoin-Kurs zudem eine Art Frühindikator für eine gestrafftere Liquiditätssituation.

Die Schwäche an den breiteren Kapitalmärkten begann letztlich, als Donald Trump den ehemaligen Notenbankgouverneur Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell nominiert hat. Warsh gilt als „Falke“ und Gegner einer lockeren Geldpolitik beziehungsweise Bilanzausweitung der Federal Reserve.

Das alleine kann den jüngsten Crash aber auch nicht erklären, da es schon seit Freitag vergangener Woche bekannt ist. Unter dem Strich scheint der Bitcoin-Kurs gerade einfach zu fallen, weil er fällt – also wegen schlechtem Momentum, Zwangsverkäufen und generellem Misstrauen, das immer wieder aufkommt, wenn BTC die für das Asset üblichen, scharfen Korrekturen hinlegt.

Verstärkend dürfte auch die Tatsache wirken, dass Strategy, der größte Bitcoin-Firmenhalter mit 713.502 BTC auf der Bilanz, gestern nachbörslich einen Investitionsverlust in Höhe von 17,4 Milliarden US-Dollar für Q4 2025 melden musste und mit der gesamten Investition jetzt erstmals seit Oktober 2023 wieder deutlich unter Wasser ist. 

In solchen Phasen kommt dann oft die weitgehend unfundierte Sorge auf, das Unternehmen würde bald zum Verkauf gezwungen sein, was aufgrund der großen BTC-Mengen, die Strategy hält, den Kurs umso mehr unter Druck bringen dürfte.

Eine Einstiegschance?

Als der Bitcoin-Kurs gegen Ende 2022 ebenfalls unter das Hoch des vergangenen Zyklus gefallen war und es regelrechte Panik gab, mit Tagesverlusten in Größenordnung des gestrigen Crashs, entpuppte es sich als phänomenale Einstiegschance.

Denn wer damals für 15.500 US-Dollar zugegriffen hat, der wäre drei Jahre später 700 % im Plus gewesen und läge trotz der starken Korrektur immer noch rund 300 % vorne. Ob sich das wieder so – beziehungsweise so ähnlich – ausspielen wird, muss aber letztlich die Zukunft zeigen.

An Bitcoin hat sich unter dem Strich fundamental nichts geändert und die Zukunftsaussichten bleiben weiterhin positiv. In der etwas mehr als 17 Jahre alten Geschichte des Assets hat sich bisher gezeigt, dass es sich enorm auszahlen kann, Schwächephasen einfach auszusitzen oder sogar – wenn möglich – nachzukaufen.

Nichtsdestotrotz könnte es noch weiter bergab gehen. Den Boden bildete BTC nämlich bisher immer rund 1 Jahr nach dem vorübergehenden Höchststand, was bedeuten würde, dass noch mehrere schwache Monate bevorstehen könnten. Andererseits ist es aber auch gut vorstellbar, dass der gesamte Bärenmarkt schon in Antizipation einer Wiederholung dieses Musters vorweggenommen wurde.

In solchen unsicheren Phasen kann es die richtige Entscheidung sein, einen Bitcoin-Sparplan laufen zu lassen. Mit diesem stellt man sicher, dass man schon dabei ist, falls es wieder hochgeht, aber auch noch nachkaufen kann, sofern es weiter bergab gehen sollte.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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