Kasachstan baut einen nationalen Krypto-Reserve-Fonds mit einem Gegenwert von 500 Millionen bis 1 Milliarde US-Dollar auf. Dies teilte Timur Suleimenov, Chef der Zentralbank des Landes, in einem Bloomberg-Interview mit. In den kommenden Wochen soll die Krypto-Reserve bereits Realität werden.

Kasachstan errichtet Krypto-Reserve

Dass sich Kasachstan in dem Prozess befindet, eine Krypto-Reserve aufzubauen, ist schon seit geraumer Zeit bekannt. Ende Juli gab es die Meldung, dass die Kasachische Zentralbank derzeit laut dem Vorsitzenden Timur Suleimenov Konzepte für die Umsetzung ausarbeite. In diesem Kontext sprach Suleimenov bereits davon, dass der Reserve-Fonds durch konfiszierte Krypto-Assets oder staatliche Mining-Aktivitäten ausgebaut werden könnte.

Anfang September forderte schließlich sogar der Präsident des Landes, Kassym-Schomart Tokajew, in seiner Rede zur Lage der Nation, die Errichtung einer Krypto-Reserve:

Angesichts der heutigen Realitäten muss der Fokus auf Krypto-Assets gelegt werden. Auf Grundlage der Investitionsgesellschaft der Nationalbank soll ein staatlicher Fonds für digitale Vermögenswerte geschaffen werden, der eine strategische Krypto-Reserve aus den vielversprechendsten Assets der neuen digitalen Finanzordnung aufbaut.
Kassym-Schomart Tokajew, Präsident Kasachstans

Die neuen Aussagen der Zentralbankchefs bringen hinsichtlich des Stands der Dinge nun Licht ins Dunkle. Der Fonds soll durch beschlagnahmte Assets und aus dem Ausland zurückgeführte Vermögenswerte gebildet werden, so Suleimenov gegenüber Bloomberg.

Außerdem erklärte er, dass die Investitionen des Fonds auch ETFs und Aktien von Unternehmen umfassen würden, die mit Krypto-Assets zu tun haben. Man werde „sehr vorsichtig mit direkten Engagements in Kryptowährungen sein“, fügte Suleimenov hinzu.

„Ich denke, bis Ende des Jahres oder im Januar nächsten Jahres, werden wir es in Betrieb nehmen können“, so der Zentralbankchef zum zeitlichen Ablauf. „Alle sind bereit.“ Das Geld für die Anschaffungen soll aus den alternativen Anlagebereichen stammen.

Wenige Tage zuvor erklärte Berik Scholpankulow, stellvertretender Vorsitzender der Kasachischen Zentralbank, dass die Geldhüter sogar in Erwägung ziehen, Teile der Gold- und Fremdwährungsreserven für den Aufbau der Krypto-Reserve zu nutzen. Diese teilte der Geldhüter im kasachischen Parlament mit, als er Fragen von Gesetzgebern beantwortete, heißt es in lokalen Medienberichten.

Das Ministerium für digitale Entwicklung prüfe derzeit zusätzliche Maßnahmen, darunter die Erlaubnis für staatliche Unternehmen, sich am Mining von Kryptowährungen zu beteiligen. Anfang Oktober gab es zudem die Meldung, dass kasachische Behörden Krypto-Assets im Gegenwert von 16,7 Millionen US-Dollar von Krypto-Börsen, die mit Geldwäsche in Verbindung gestanden haben sollen, konfisziert haben.

Wie die Reserve letztendlich zusammengesetzt wird, welche Krypto-Assets beziehungsweise börsengehandelte Anlageprodukte enthalten sein werden und ob staatliche Mining-Aktivitäten ins Leben gerufen werden, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch unklar.

Der Nationalfonds Kasachstans umfasst mehr als 60 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten, während die Gold- und Devisenreserven etwas weniger als 60 Milliarden US-Dollar schwer sind. Die Krypto-Reserve würde somit nur einen kleinen – aber nicht zu vernachlässigbaren – Teil des Landesvermögens ausmachen.

Immer mehr nationale Krypto-Reserven

US-Präsident Donald Trump unterzeichnete im März dieses Jahres ein Dekret zur strategischen Bitcoin-Reserve, das vorsieht, dass keine BTC im staatlichen Besitz mehr verkauft werden. Die budgetneutrale Akkumulation des Assets ist laut dem Dekret zudem explizit erlaubt.

Daraufhin begannen immer mehr Nationen, sich mit dem Aufbau einer Bitcoin- beziehungsweise Krypto-Reserve auseinanderzusetzen: Der CEO des „Pakistan Crypto Council“ verkündete auf der Bitcoin-Konferenz in Las Vegas im Mai, dass Pakistan jetzt eine Bitcoin-Reserve ins Leben rufen wird.

Währenddessen kooperiert die Krypto-Börse Binance mit Kirgistan bei der neuen Pro-Krypto-Ausrichtung des Landes. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurde auch eine Krypto-Reserve errichtet, wie Binance-Gründer Changpeng „CZ“ Zhao kürzlich mitteilte.

Die Vereinigten Arabischen Emirate, El Salvador und das Königreich Bhutan halten derweil schon eine Bitcoin-Reserve – die Bestände lassen sich über On-Chain-Daten nachvollziehen.

Auch in Europa sind erste Schritte in diese Richtung beobachtbar. Die Tschechische Zentralbank prüft derzeit, ob die Währungsreserven mit Bitcoin diversifiziert werden sollen. Und der EU-Mitgliedstaat Luxemburg hält inzwischen über den eigenen Staatsfonds Bitcoin-ETFs.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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