Bitcoin-Käufe der USA könnten doch nicht ausgeschlossen sein. Finanzminister Scott Bessent machte in einem Post auf der Plattform 𝕏 klar, dass doch noch budgetneutrale Wege zur Akkumulation weiterer BTC untersucht werden.

Klarstellung von Finanzminister Bessent

Wenige Stunden nachdem Scott Bessent in einem Interview mit FOX Business überraschenderweise betont hatte, dass die USA keine Bitcoin kaufen werden, meldete sich der US-Finanzminister wieder zum Thema der Bitcoin-Reserve zu Wort.

In einem Post auf der Plattform 𝕏 schrieb Bessent, dass das Finanzministerium entschlossen sei, budgetneutrale Wege zu erkunden, um weitere Bitcoin zu akkumulieren – mit dem Ziel, die USA zur „Bitcoin-Supermacht der Welt“ zu machen.

Die Bitcoin, die endgültig von der Regierung beschlagnahmt wurden, werden die Grundlage der strategischen Bitcoin-Reserve bilden, die Präsident Trump in seinem Dekret aus dem März geschaffen hat.

Darüber hinaus ist das Finanzministerium entschlossen, budgetneutrale Wege zu finden, um weitere Bitcoin zu akquirieren, um die Reserve zu erweitern und das Versprechen des Präsidenten umzusetzen, die Vereinigten Staaten zur „Bitcoin-Supermacht der Welt“ zu machen.
Scott Bessent auf 𝕏

Grundsätzlich gilt: Die budgetneutrale Akquirierung von Bitcoin kann auch ohne Käufe vonstattengehen – beispielsweise durch staatliche Mining-Aktivitäten.

Dass das Finanzministerium diese Möglichkeiten untersucht, ist für sich genommen eigentlich wenig verwunderlich. Trumps Dekret weist das Finanz- sowie das Handelsministerium nämlich dazu an.

Bessent machte mit seinem Post in jedem Fall aber deutlich, dass die zuvor kommunizierte Absicht der Trump-Administration, die Bitcoin-Reserve aktiv zu vergrößern, bislang nicht verworfen wurde.

Vorstellbar ist, dass der Finanzminister Trump nach seiner aufsehenerregenden Aussage vom US-Präsidenten zurechtgewiesen wurde. Ob die US-Regierung weitere Bitcoin akkumulieren wird, und wenn ja, über welche Wege, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch offen.

Senatorin Lummis mischt sich ein

Auch die Senatorin des US-Bundesstaats Wyoming, Cynthia Lummis, meldete sich zu Wort. Lummis reagierte auf Bessents Post, in dem sie auf ihren Gesetzentwurf, der die Vergrößerung der Bitcoin-Reserve auf eine Million BTC vorsieht, aufmerksam machte. „Ich habe einen Gesetzentwurf dafür“, schrieb die Bitcoin-Senatorin zur Klarstellung des Finanzministers.

In einem weiteren Post erklärte Lummis, dass sie ebenfalls der Meinung sei, dass die USA nicht einfach so Bitcoin kaufen sollten. Die Regierung soll sich dafür aber kreative Möglichkeiten zunutze machen – etwa die Neubewertung der Goldreserven, die zentraler Bestandteil ihres „Bitcoin Act of 2025“ ist.

Finanzminister Scott Bessent hat recht: Ein budgetneutraler Weg zum Aufbau der strategischen Bitcoin-Reserve ist der richtige Weg. Wir können unser Land nicht vor einer Verschuldung von 37 Billionen US-Dollar retten, indem wir mehr Bitcoin kaufen, aber wir können die Goldreserven zum heutigen Preis neu bewerten und den Wertzuwachs zum Aufbau der strategischen Bitcoin-Reserve übertragen.

Amerika braucht den Bitcoin Act.
Cynthia Lummis auf 𝕏

Auch wenn die Neubewertung der Goldreserven haushaltsneutral wäre, sieht der Gesetzentwurf von Lummis vor, dass mit den dadurch freiwerdenden Mitteln, die circa 750 Milliarden US-Dollar betragen würden, aktiv Bitcoin gekauft wird.

An dieser Stelle drängt sich die Frage auf, ob Lummis und auch Bessent in diesem Zusammenhang das Wort „kaufen“ mit einer nicht budgetneutralen Art und Weise der Akkumulation gleichsetzen.

Ende Dezember verkündete Lummis, dass Bessent ihr Verbündeter bei ihrem Gesetzentwurf sei. Auf der Bitcoin-Konferenz im Mai betonte die Senatorin schließlich sogar, dass US-Präsident Trump den „Bitcoin Act“ unterstütze.

Präsident Trump unterstützt den Gesetzentwurf und er hat ein Team im Weißen Haus, das sich mit Angelegenheiten im Zusammenhang mit digitalen Vermögenswerten befasst. Von Stablecoins über die Klassifizierung bis hin zur strategischen Bitcoin-Reserve.
Cynthia Lummis

Finanzminister Scott Bessent äußerte sich auch schon zu der Idee der Neubewertung des Goldes der USA. Bereits in einem Podcast im März machte er im Kontext des geplanten Staatsfonds deutlich, dass das Gold nicht neubewertet werde.

Ich kann heute Folgendes sagen: Wir bewerten das Gold nicht neu.
Scott Bessent in einem Podcast aus März 2025

In dem Interview mit FOX Business, in dem Bessent sagte, dass die USA keine Bitcoin kaufen werden, erklärte er erneut, dass diese Art der Mittelbeschaffung nicht geplant sei.

Ich bezweifle, dass wir [das Gold] neubewerten werden.
Scott Bessent im gestrigen Interview mit FOX Business

Auch wenn Bessent diese Aussage nicht im Kontext der Bitcoin-Reserve traf, scheint er grundsätzlich kein großer Befürworter der Idee zu sein. Lummis scheint diese Stelle des Interviews überhört zu haben.

Immer noch keine Klarheit

Knapp ein halbes Jahr nach Trumps Dekret zur Bitcoin-Reserve wünscht sich die Bitcoin-Community endlich Klarheit. Der heiß erwartete Krypto-Report von Ende Juli brachte diesbezüglich keine neuen Informationen.

Bis heute ist noch nicht einmal bekannt, wie viele Bitcoin die USA überhaupt besitzen. Während die Analysefirma Arkham Intelligence den USA knapp 200.000 BTC im Gegenwert von 23,5 Milliarden US-Dollar zuordnet, sind es laut Bessent wohl weniger.

Ich glaube, dass die Bitcoin-Reserve zu den heutigen Kursen irgendwo zwischen 15 und 20 Milliarden [US-Dollar] liegt.
Scott Bessent im gestrigen Interview mit FOX Business

In Trumps Dekret vom 6. März hieß es, dass jede Behörde dem Finanzminister innerhalb von 30 Tagen einen Bericht zu den von ihr gehaltenen Bitcoin vorlegt.

Innerhalb von 30 Tagen nach Erlass dieser Verordnung überprüft jede Behörde ihre Befugnisse zur Übertragung von in ihrem Besitz befindlichen staatlichen BTC an die strategische Bitcoin-Reserve und legt dem Finanzminister einen Bericht vor, in dem die Ergebnisse dieser Überprüfung dargelegt sind.
Aus dem Dekret zur Bitcoin-Reserve

Ob die Behörden dem nachgekommen sind und Finanzminister Bessent inzwischen über den tatsächlichen Bitcoin-Bestand der USA unterrichtet wurde, ist immer noch unklar.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

Artikel des Autors

Kommentare aus unserem Forum