Nach der für viele doch sehr überraschenden Einstellung seines Swap-Dienstes gibt es bei Boltz eine wichtige Wendung. Eine bislang nicht näher benannte Gruppe „erfahrener Bitcoiner“ übernimmt das Unternehmen und will den Service wieder online bringen. Die bisherigen Gründer ziehen sich dagegen vollständig aus der Firma zurück.

Neue Betreiber übernehmen Boltz

Erst vor wenigen Tagen berichtete Blocktrainer.de darüber, dass Boltz seinen beliebten Swap-Dienst auf unbestimmte Zeit eingestellt hat. Das kleine, eigenfinanzierte Unternehmen sah sich nach eigenen Angaben nicht mehr in der Lage, die zunehmende Zahl KI-gestützter Angriffe abzuwehren.

Nun scheint es für den beliebten Bitcoin-Dienstleister aber doch eine Zukunft zu geben. 

In einem aktuellen Update bei 𝕏 teilte Boltz mit, dass eine Gruppe erfahrener Bitcoiner ihre Unterstützung angeboten habe. Diese soll das notwendige Kapital und zusätzliche Entwicklerkapazitäten einbringen, das Unternehmen übernehmen und den Swap-Service fortführen.

Die Arbeiten an der Suche und Behebung der ausgenutzten Schwachstellen hätten bereits begonnen. Das Ziel sei, die BTC-Lightning-Swaps so schnell wie möglich wieder anzubieten. Einen konkreten Termin nannte Boltz allerdings nicht.

Bisherige Gründer treten zurück

Mit der Übernahme geht nun tatsächlich ein vollständiger Führungswechsel einher. Sämtliche ursprünglichen Gründer sind mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben zurückgetreten. Keiner von ihnen werde künftig eine formelle Position oder Entscheidungsbefugnis innerhalb des Unternehmens besitzen, heißt es in der Veröffentlichung. 

Sollten sich die Gründer weiterhin an der Open-Source-Software beteiligen, werde dies ausschließlich auf freiwilliger Basis geschehen. Wer Boltz übernimmt, bleibt vorerst offen. Die neuen Verantwortlichen sollen selbst entscheiden können, ob, wann und in welcher Form sie sich öffentlich vorstellen. Auch zu den finanziellen und rechtlichen Bedingungen der Übernahme machte das bisherige Team keine Angaben. 

Damit lässt sich derzeit leider auch noch nicht wirklich gut beurteilen, wie Boltz organisatorisch aufgestellt sein wird. Für (manche) Nutzer und angebundene Wallet-Anbieter dürften diese Informationen aber wohl spätestens mit dem Neustart eine wichtige Rolle spielen.

Angriffe verursachten Verluste bei Boltz

Boltz begründete die ursprüngliche Einstellung seines Dienstes mit KI-basierten Angriffen, die über mehrere Monate hinweg häufiger, intensiver und technisch anspruchsvoller geworden seien. 

Mehrere Angriffe waren nach Angaben der Boltz-Gründer erfolgreich und verursachten finanzielle Verluste. Genauere Angaben zur Schadenshöhe, zu den betroffenen Komponenten und zur Art der Schwachstellen veröffentlichte Boltz bislang nicht.

Da Boltz allerdings ein Non-Custodial-Dienstleister ist, waren die Bitcoin der Nutzer zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Boltz verwahrt die zu tauschenden Coins nicht dauerhaft, sondern wickelt den Austausch über sogenannte Atomic Swaps ab. Die beteiligten Zahlungen werden dabei kryptografisch miteinander verknüpft. Entweder werden beide Seiten des Tauschs ausgeführt oder die Nutzer können ihre Bitcoin zurückfordern. 

Die nicht verwahrende Konstruktion hat damit offenbar verhindert, dass aus den erfolgreichen Angriffen ein Verlust von Kundengeldern wurde. Sie schützt aber natürlich die Betreiber nicht vor eigenen finanziellen Schäden oder der Ausnutzung von Fehlern in der Infrastruktur. Boltz entschied sich deshalb am 3. August dazu, den Dienst vollständig auszusetzen.

Sofortiger Neustart?

Die zusätzliche Finanzierung und technische Unterstützung schaffen zwar eine realistische Perspektive für Boltz, ein Neustart sollte aber dennoch nicht mit einer bloßen Wiederaufnahme des bisherigen Betriebs verwechselt werden.

Bevor der Dienst zurückkehrt, müssen schließlich die ausgenutzten Schwachstellen gefunden, geschlossen und ausreichend getestet werden. Zudem bleibt abzuwarten, ob das neue Team vielleicht auch einen technischen Bericht zu den Angriffen veröffentlicht und erklärt, mit welchen Maßnahmen ähnliche Vorfälle künftig verhindert werden sollen.

Besonders für Integratoren ist das womöglich besonders relevant. Boltz dient ja schließlich nicht nur als eigenständige Web-Anwendung, sondern stellt seine Swap-Infrastruktur über Programmierschnittstellen und Softwarebibliotheken auch verschiedenen Wallets und Bitcoin-Projekten zur Verfügung. 

Die Abschaltung hat deshalb gezeigt, dass der Ausfall von so etwas wie Boltz für viele Services zu einer wichtigen operativen Abhängigkeit werden kann.

Blockstream arbeitet auch an einer Alternative

Die Ereignisse haben auch andere Unternehmen in Bewegung gebracht. Blockstream stellte am 10. August einen eigenen, derzeit noch in der Betaphase befindlichen Swap-Dienst vor.

Dieser soll Atomic Swaps zwischen Bitcoin, Lightning und Liquid ermöglichen. Nach Angaben von Blockstream war das Angebot bereits vor der Einstellung des Boltz-Dienstes in Entwicklung. Die jüngsten Ereignisse hätten jedoch unterstrichen, wie wichtig zusätzliche Anbieter und technische Redundanz seien.

Blockstream bezeichnet sein Angebot ausdrücklich als Ergänzung und nicht als Ersatz für Boltz. Für das Bitcoin-Ökosystem wäre eine größere Auswahl grundsätzlich positiv. Non-Custodial-Swap-Dienste reduzieren zwar das klassische Gegenparteirisiko, doch die technische und operative Abhängigkeit von einzelnen Betreibern verschwindet dadurch natürlich nicht automatisch.

Von daher wird auch hier vermutlich künftig die sprichwörtliche Konkurrenz das Geschäft beleben.

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René

Über den Autor: René

René ist Blocktrainer-Mitarbeiter der ersten Stunde. Als „Chief Operation Officer“ ist er mittlerweile hauptsächlich mit strategischen und organisatorischen Aufgaben betraut, findet jedoch Freude daran, zeitweise redaktionell tätig zu sein. In den vielen Jahren, in denen er im Bitcoin-Kosmos unterwegs ist, hat er sich ein breit gefächertes Know-how in sämtlichen Bereichen rund um die bedeutendste Kryptowährung angeeignet.

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