US-Präsident Donald Trump hat gestern den Plan eines 200 Milliarden US-Dollar schweren Anleihekaufprogramms verkündet. Dabei geht es um den Kauf von Hypothekenanleihen, mit dem Ziel, den Kauf eines Eigenheims wieder erschwinglicher zu machen. Woher soll das Geld kommen und welchen Einfluss könnte das auf die Kapitalmärkte und vor allem Bitcoin haben?

Das Immobilienproblem der USA

Der US-amerikanische Immobilienmarkt befindet sich mit Problemen konfrontiert. Die Häuserpreise sind seit dem Jahr 2019 um circa 50 % gestiegen. Währenddessen liegt der 30-jährige Hypothekenzins bei über 6 % und damit mehr als doppelt so hoch wie im Jahr 2021. Die Kombination dieser beiden Tatsachen führt dazu, dass sich derzeit immer weniger US-Bürger den Traum eines Eigenheims erfüllen können.

Ein zentrales Ziel der Trump-Administration ist es, dieses Problem zu adressieren. Ende vergangenen Jahres versprach Trump bereits, bald „einige der aggressivsten Wohnungsreformpläne in der Geschichte der Vereinigten Staaten“ bekannt zu geben. Im November dieses Jahres stehen die Midterm-Wahlen an, bei denen die Republikaner die Mehrheit in den beiden Kammern des Kongresses wieder verlieren könnten. Die derzeitige „Bezahlbarkeitskrise“ dürfte bei der Wahl im Mittelpunkt stehen.

Am Mittwoch dieser Woche teilte Trump schließlich schon mit, dass er „unverzüglich Maßnahmen ergreifen“ werde, „um großen institutionellen Anlegern den Kauf weiterer Einfamilienhäuser zu untersagen“. Im Zuge dessen forderte er den Kongress auf, dieses Vorhaben zu unterstützen und eine gesetzliche Verankerung anzustreben. Einen Tag darauf folgte der nächste Paukenschlag.

200 Milliarden US-Dollar

In einem gestern erschienenen Post auf der Plattform Truth Social kündigte Trump die nächste Maßnahme an. 200 Milliarden US-Dollar sollen in den Kauf von Hypothekenanleihen fließen. Umsetzen sollen es wohl die im Rahmen der Finanzkrise 2008 unter staatliche Kontrolle gebrachten Institute Fannie Mae und Freddie Mac, die auf mehr als 200 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln sitzen.

Jetzt widme ich dem Immobilienmarkt besondere Aufmerksamkeit. Weil ich mich in meiner ersten Amtszeit gegen den Verkauf von Fannie Mae und Freddie Mac entschieden habe – eine wirklich großartige Entscheidung, die gegen den Rat der „Experten” ging –, sind diese Unternehmen jetzt um ein Vielfaches mehr wert – EIN ABSOLUTES VERMÖGEN – und verfügen über 200 MILLIARDEN US-DOLLAR IN CASH. Aus diesem Grund weise ich meine Vertreter an, HYPOTHEKENANLEIHEN IM WERT VON 200 MILLIARDEN US-DOLLAR ZU KAUFEN. Dies wird die Hypothekenzinsen SENKEN, die monatlichen Raten SENKEN und den Erwerb eines Eigenheims erschwinglicher machen. Dies ist einer meiner vielen Schritte zur Wiederherstellung der Bezahlbarkeit, die die Biden-Regierung völlig zerstört hat.
Donald Trump auf Truth Social

Höhere Preise bei festverzinslichen Wertpapieren bedeuten auf der anderen Seite niedrigere Zinsen. Demnach zielt das Kaufprogramm, wie Trump selbst erklärt, darauf ab, die Zinsen bei Immobilienkrediten zu senken. Bill Pulte, Chef der U.S. Federal Housing Finance Agency (FHFA), die Fannie Mae und Freddie Mac beaufsichtigt, gab bereits zum Besten, dass sich darum gekümmert werde. Weitere Einzelheiten zu dem Plan sind bislang nicht bekannt.

Fannie Mae und Freddie Mac dürfen jeweils bis zu 225 Milliarden US-Dollar an hypothekenbesicherten Wertpapieren (MBS) halten. Ende 2025 lagen die Portfolios bei jeweils rund 120 Milliarden US-Dollar, womit noch Luft nach oben wäre. Das Limit wäre durch das geplante Kaufprogramm dann aber so ziemlich ausgeschöpft.

Laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen würden Mitglieder der Regierung hoffen, dass Anleihekäufe die Gewinne der Institute steigern könne, womit eine in Zukunft in Betracht gezogene Privatisierung von Fannie Mae und Freddie Mac lukrativer für den Fiskus wäre.

Das Geschäft der staatlich kontrollierten Unternehmen ist es, Immobilienkredite auf dem Sekundärmarkt zu kaufen, diese zu bündeln und als MBS weiterzuverkaufen. Die Institute sind dafür da, den Hypothekenmarkt zu organisieren.

Im Rahmen der Finanzkrise fiel den Unternehmen dieses Geschäftsmodell auf die Füße, weshalb sie durch eine staatliche Übernahme gerettet werden mussten, um weitere Verwerfungen am Immobilienmarkt zu verhindern. Marktbeobachter befürchten, dass durch die geplanten Käufe ähnliche Probleme entstehen könnten.

Trumps eigenes QE?

Analysten streiten darüber, wie effizient dieses Kaufprogramm sein wird. Mehrheitlich wird davon ausgegangen, dass es die Hypothekenzinsen absenkt. In Reaktion auf Trumps Post fielen bereits die Hypothekenzinsen – auch in Relation zu den Zinsen auf US-Staatsanleihen.

Doch die Maßnahme dürfte nur einen vorübergehenden Einfluss haben, da die „Firepower“ der Institute begrenzt ist. Die US-Zentralbank hingegen hätte das, was nötig ist, um die Zinsen für Immobilienkredite stärker und längerfristiger abzusenken.

Die Federal Reserve kontrolliert den Leitzins, das ist der Kurzfristzins einer Volkswirtschaft. Im Rahmen von „Quantitative Easing (QE)“ kann sie aber auch langlaufende Anleihen beziehungsweise MBS kaufen, um das lange Ende der Zinskurve zu kontrollieren. Theoretisch betrachtet hat die Zentralbank unendliche Mittel zur Verfügung, da sie das Geld für Anleihekäufe aus dem Nichts schöpfen kann. 

Nach einem mehrjährigen Bilanzabbau tritt die Federal Reserve seit dem 10. Dezember auch wieder als Nettokäufer von Anleihen auf – mit einem Volumen von 40 Milliarden US-Dollar pro Monat. 

Vorerst kauft sie aber nur kurzlaufende Staatsanleihen, um die Probleme am Geldmarkt zu adressieren, weshalb sich die Auswirkungen auf die Erschwinglichkeit beim Häuserkauf beziehungsweise die Langfristzinsen in Grenzen halten. Ihre Bilanz an MBS und langlaufenden Staatsanleihen wird derweil weiter reduziert.

Donald Trump versucht Einfluss auf die Federal Reserve zu nehmen, indem er den Chef, Jerome Powell, immer wieder dazu auffordert, die Zinsen zu senken. Powells Amtszeit endet im Mai dieses Jahres. Das eröffnet Trump die Möglichkeit, einen Verbündeten zu nominieren, der seine Politik unterstützt.

Der geplante 200-Milliarden-US-Dollar-Anleihekauf durch Fannie Mae und Freddie Mac hat zwar Ähnlichkeiten zu der Wirkweise von QE. Da das Geld aber nicht geschöpft werden muss und es sich um eine einmalige Liquiditätsspritze handeln dürfte, sollte es aber auch nicht überschätzt werden.

Der bekannte Gold-Fan Peter Schiff vermutet sogar, dass das Programm den gegenteiligen Effekt haben könnte. Die Institute halten ihr Cash überwiegend in US-Staatsanleihen, wodurch die Umschichtung die Zinsen dort in die Höhe treiben könnte. Außerdem könne es, so Schiff, die Inflation anfachen, wodurch Anleihehalter längerfristig höhere Renditen verlangen.

Trump kündigte an, er werde seine Beauftragten anweisen, Hypothekenanleihen im Wert von 200 Milliarden US-Dollar zu kaufen. Das Geld könnte von den staatlich geförderten Institutionen kommen – das würde bedeuten, dass 200 Milliarden US-Dollar weniger zur Verfügung stehen, um US-Staatsanleihen zu kaufen. Auch wenn dies die Hypothekenzinsen vorübergehend senken könnte, würde es die Renditen von Staatsanleihen und die Inflation anfachen.
Peter Schiff

Auswirkung auf die Kapitalmärkte

Auch wenn sich 200 Milliarden US-Dollar nach sehr viel Geld anhören, ist es im Gesamtkontext wohl nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. In Reaktion auf Maßnahmen im Zuge der Coronapandemie kaufte die Federal Reserve beispielsweise jeden Monat für 120 Milliarden US-Dollar langlaufende Anleihen.

Dennoch unterstreicht diese Ankündigung, worauf es die Trump-Administration abgesehen hat und womit durch eine potenzielle Neuausrichtung der Federal Reserve zu rechnen ist. Trump möchte billiges Geld zentral gesteuert bereitstellen und die Märkte mit Liquidität versorgen. Wenn es nach ihm gehen würde, läge der Leitzins wohl nahe null und die Federal Reserve würde hunderte Milliarden pro Monat in langlaufende Anleihen beziehungsweise MBS investieren.

Eine solche Politik dürfte sich positiv auf die Preise von Vermögenswerten wie Bitcoin auswirken, wie während der Coronapandemie zu beobachten war. Das Problem ist jedoch, dass genau so etwas auch die Immobilienpreise in die Höhe treiben dürfte, wodurch es – anders als die Schaffung von neuem Wohnraum – wohl keine nachhaltige Lösung wäre.

Ein Risiko der Vision Trumps ist ein Wiederaufflammen der Inflation, was einer weiteren Lockerung der Geldpolitik einen Strich durch die Rechnung machen dürfte. Sollte die Wirtschaft dennoch weiter stimuliert werden, läuft der US-Dollar Gefahr, noch mehr Vertrauen einzubüßen.

Laut BlackRock-CEO Larry Fink bestehe die Gefahr, dass der „Greenback“ seine Rolle an Bitcoin verlieren könne, sofern die USA ihre Defizite nicht in den Griff bekommen. Die Vereinigten Staaten zahlen inzwischen mehr als 1 Billion US-Dollar an Zinsen auf ihren 38,4 Billionen US-Dollar schweren Schuldenberg.

Sollte also sowohl durch den Staat als auch die Federal Reserve wieder Unmengen an billigem Geld bereitgestellt werden, könnte Bitcoin – so wie in der Vergangenheit – der große Profiteur sein. Aber auch wenn dies nach hinten losgeht, eine zweite Inflationswelle entfacht und das Vertrauen in den US-Dollar untergräbt, dürfte Bitcoin als alternatives Geldsystem glänzen.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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