Bei kaum einem anderen Thema kursieren so viele Missverständnisse wie bei Bitcoin. Was sind die 10 häufigsten Fehlannahmen rund um die Kryptowährung und wieso sind diese falsch?

1. Bitcoin hat keinen Nutzen

Die häufig geäußerte Behauptung, Bitcoin habe keinen Nutzen, rührt in erster Linie daher, dass sich die Kryptowährung in der westlichen Welt bislang nicht großflächig als Zahlungsmittel durchsetzen konnte. Im Whitepaper stellte Satoshi Nakamoto Bitcoin schließlich als „Peer-to-Peer Electronic Cash System“ vor, so die Argumentation vieler Kritiker.

Doch Bitcoin hat schon heute viele „Use Cases“, die weit über die Funktion als Zahlungsmittel hinausgehen. Zweifler verschließen meist die Augen davor und monieren, Bitcoin sei lediglich zu einem Spekulationsobjekt verkommen, mit dem sich die frühen Käufer auf Kosten der Nachzügler bereichern würden – was letztlich suggeriert, dass BTC irgendwann scheitern wird.

Bitcoin ist aber das wohl beste Wertaufbewahrungsmittel. In den vergangenen 15 Jahren lag die annualisierte Rendite bei rund 100 % und damit um ein Vielfaches höher als die Rendite der Aktienmärkte. Durch die Kurssteigerungen bietet Bitcoin einen elementaren Nutzen als Inflationsschutz – wenn man einen längerfristigen Anlagehorizont mitbringt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Bitcoin mit einer Gesamtmenge von knapp 21 Millionen Coins verifizierbar begrenzt ist – ein Novum in der digitalen Welt.

Überdies ist Bitcoin ein Asset, das nicht konfiszierbar ist. Nutzer müssen sich nur 12 Wörter im Kopf merken, um Vermögen in unbegrenzter Höhe mit sich führen zu können – und das, ohne dass es jemand bemerken kann. Dies kann insbesondere für Menschen, die in totalitären Systemen leben oder aus Kriegsgebieten flüchten, überlebenswichtig sein.

Aber auch als „Cash System“ löst Bitcoin relevante Probleme. Aufgrund der dezentralen Natur sind Transaktionen zensurresistent. Dies ermöglichte beispielsweise schon in der Anfangszeit des Netzwerks, dass die Enthüllungsplattform WikiLeaks trotz der Blockade durch Visa, PayPal und Co. weiterhin Spenden erhalten konnte, um sich zu finanzieren.

Außerdem ist es mit Bitcoin möglich, Werte von einem Ende der Welt an das andere zu transferieren – in wenigen Minuten, ohne Mittelsmänner und für vernachlässigbare Gebühren. Jeder, der schon Geld in ein fernes Land überweisen wollte, weiß, dass dies über das traditionelle Bankensystem – insofern es überhaupt funktioniert – äußerst kompliziert ist und sehr teuer werden kann.

In einigen Schwellenländern haben sich überdies sogar bereits Kreislaufwirtschaften auf der Basis von Bitcoin entwickelt. In Kenia dient Bitcoin als Zahlungsmittel für alltägliche Waren und Dienstleistungen. Über die finanzielle Inklusion, die Bitcoin unter anderem im kenianischen Kibera ermöglicht, berichtete sogar die Tagesschau.

Sogar Larry Fink, CEO und Gründer des Vermögensverwalters BlackRock, macht inzwischen auf die vielen Nutzen von Bitcoin aufmerksam. In diesem Kontext erklärt der einflussreiche Milliardär unter anderem, dass Bitcoin einen Zufluchtsort für Menschen in Ländern mit starker Geldentwertung darstellen kann oder Menschen ohne Zugang zum Bankensystem hilft.

Ich traf diese Frau aus Afghanistan, die Bitcoin verwendet, um Arbeiterinnen in Afghanistan zu bezahlen. Die Taliban verbieten Frauen zu arbeiten, und das Bankensystem wird von den Taliban kontrolliert, aber sie nutzte Bitcoin, um Frauen zu bezahlen. Ich lernte die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten kennen und kam zu der Ansicht, dass Bitcoin eine große Legitimität besitzt.
Larry Fink, CEO von BlackRock

2. Bitcoin ist zu langsam als Zahlungsmittel

Bitcoin hat eine festgelegte Blockgröße. Das bedeutet, dass in jedem neuen Block, der in etwa alle 10 Minuten der Blockchain angehängt wird, nur eine begrenzte Anzahl an Transaktionen aufgenommen werden kann. Die im Bitcoin-Netzwerk möglichen Transaktionen würden bei Weitem nicht ausreichen, damit der gesamte Welthandel darüber stattfinden kann.

Doch das Bitcoin-Netzwerk ist vielmehr als eine Basis zu verstehen, auf der andere Layer aufbauen. In unserem aktuellen Finanzsystem ist es ebenfalls so, dass es Settlement-Netzwerke und darauf aufsetzende Schichten gibt. Fedwire, die Basis des US-Dollar-Systems, finalisierte im Jahr 2022 insgesamt 196 Millionen Transaktionen. Dies entspricht circa 6 Transaktionen pro Sekunde, also in etwa so viel wie das Bitcoin-Hauptnetzwerk.

Für alltägliche BTC-Zahlungen gibt es etwa das auf Bitcoin aufsetzende Lightning-Netzwerk, das Transaktionen in Sekundenschnelle ermöglicht – und das mit „echten“ Bitcoin und nicht kreditbasiert, wie es bei der Zahlungsabwicklung über Dienstleister im traditionellen System der Fall ist. Lightning-Zahlungen sind überdies nahezu kostenlos, während Visa, Mastercard oder PayPal meist Gebühren von mehr als 2 % den Händlern abverlangen.

3. Bitcoin hat keinen inneren Wert

Trotz der phänomenalen Rendite kritisieren einige Bitcoin als Investitionsobjekt, indem sie behaupten, dass das Asset keinen „inneren Wert“ habe. Bei dem Konzept des „inneren Werts“ geht es darum, Anlageobjekte anhand des generierten Cashflows zu bewerten – das sind Mieterträge bei Immobilien, Zinsen bei Anleihen oder Gewinnausschüttungen bei Unternehmen.

Das Ziel der Anleger, die diesem Ansatz folgen, ist es, Sachwerte zu kaufen, bei denen der Marktpreis unter dem „inneren Wert“ liegt. Eine Investition in Bitcoin ergibt unter dieser Betrachtungsweise zu keinem Zeitpunkt Sinn – insofern man der Annahme folgt, dass das Asset aufgrund des fehlenden Cashflows keinen „inneren Wert“ hat.

Die Realität zeigt jedoch, dass auch Investitionsobjekte, die keine Ausschüttungen bringen, wertvoll sind und ihren Marktpreis kontinuierlich steigern können. Das wohl bekannteste Beispiel hierfür ist Gold. Einige würden dies auf anderweitige Nutzen des Edelmetalls zurückführen. Doch der Einsatz in der Industrie oder für Schmuck ist im Gesamtkontext vernachlässigbar. 

Vielmehr geht es bei Gold – so wie auch bei Bitcoin – darum, ein Gut als Wertaufbewahrungsmittel zu nutzen, dessen Gesamtmenge keine zentrale Entität ausweiten kann und das keine Kontrahentenrisiken mit sich bringt. Wie die Realität zeigt, erachten Menschen sowohl Gold als auch Bitcoin als besonders wertvoll.

Das Konzept des „inneren Werts“ ist ohnehin fragwürdig. Ein Gut ist nämlich immer und überall so viel wert, wie diesem beigemessen wird. Bitcoins Eigenschaften führen dazu, dass immer mehr Menschen das Asset nachfragen, da sie in diesem einen oder mehrere Nutzen sehen – beispielsweise um ein konfizierungssicheres Kapital oder zensurresistentes Zahlungsmittel in der digitalen Welt zu haben.

4. Bitcoin ist ein Nullsummenspiel

Einige Kritiker monieren, dass Bitcoin ein Nullsummenspiel sei. Die Begründung: Bitcoin-Halter können ihre Coins nur für das verkaufen, was die Nachzügler bereit sind, zu zahlen. „Es ist ein Umverteilungsmechanismus“, heißt oft in diesem Kontext. Das, was Bitcoin sogar zu einem Negativsummenspiel machen soll, sind die vermeintlich negativen Auswirkungen auf die Umwelt durch den Mining-Prozess – dazu später mehr.

Ein Anlageprojekt kann man immer nur dafür verkaufen, was andere bereit sind, dafür zu bezahlen. Doch die Bitcoin-Kritiker behaupten, dass ein aufsteigender Bitcoin-Markt keinen gesamtgesellschaftlichen Nutzen mit sich bringe – anders als bei explodierenden Aktienpreisen, die sich positiv auf die finanzielle Situation eines Unternehmens auswirken können und somit oft größere Investitionen zur Folge haben.

Diese Annahme ist jedoch nicht nur aufgrund der bereits herausgestellten Nutzen von Bitcoin irreführend. Ein boomender Bitcoin-Markt kann noch andere Effekte haben, von denen die gesamte Gesellschaft profitieren kann – abgesehen von den vielen Arbeitsplätzen, die durch die Industrie drumherum entstehen.

Bitcoin ist aufgrund der überlegenen Eigenschaften – unter anderem der begrenzten Gesamtmenge und Zensurresistenz – eine attraktive Alternative zu den vielen Staatswährungen. Der voranschreitende Erfolg der Anlageklasse hat damit das Potenzial, Staaten aus Sorge vor einem monetären Souveränitätsverlust dazu zu bringen, ihre Gelddruckorgien zurückzufahren beziehungsweise verantwortlicher zu haushalten.

Überdies hätte es gesamtgesellschaftliche Vorteile, wenn die Menschen ihr Vermögen lieber in Bitcoin als in anderen Sachwerten wie Gold oder Immobilien „speichern“ wollen. Denn während ein steigender Goldpreis die Produktion von Elektronikgeräten wie Smartphones teurer machen kann, sorgen höhere Immobilienpreise dafür, dass sich immer weniger Menschen ein Eigenheim leisten können.

4.1 Bitcoin ist ein Schneeballsystem

In eine ähnliche Kerbe wie die Annahme, Bitcoin sei ein Nullsummenspiel, schlägt die Gleichsetzung mit einem Ponzi- oder Schneeballsystem. Denn ein Merkmal dieser Betrugssysteme ist, dass die Gewinne der bestehenden Teilnehmer ausschließlich durch das Geld neuer Investoren gedeckt werden.

Auch wenn Bitcoin-Halter nur ihre Kursgewinne realisieren können, wenn sie ihre Coins an jemanden anderen verkaufen – so wie es bei allen anderen Anlageklassen eben auch der Fall ist –, ist das nicht, was die Definition eines Schneeballsystems beschreibt.

Das Konzept des Schneeballsystems bezieht sich auf illegale Geschäftsmodelle, bei denen das Anwerben neuer Teilnehmer und nicht das Produkt im Mittelpunkt steht. Die Erträge der einen sind die Investitionen der Nachzügler – und wenn es keine neuen Teilnehmer hinzukommen, bricht das ganze Konstrukt in sich zusammen. Weitere Merkmale eines Schneeballsystems sind eine zentrale Steuerung, eine intransparente Struktur sowie hohe Renditeversprechen. 

All das trifft bekanntermaßen nicht auf Bitcoin zu. Das Netzwerk ist dezentral, maximal transparent und verspricht keine Renditen. Ebenso wird Bitcoin nicht scheitern, wenn die Anzahl neuer Teilnehmer nicht exponentiell wächst. Bitcoin funktioniert weiter, so wie es gedacht ist, selbst wenn die Nutzerzahl rückläufig sein sollte.

5. Bitcoin ist zu riskant

Da der Bitcoin-Kurs starken Schwankungen unterliegt, ordnen viele das Asset als riskant ein. Selbst der Vermögensverwalter BlackRock bezeichnet Bitcoin trotz der klaren Sympathie als „risky Asset“. In der traditionellen Finanzwelt wird oftmals nämlich Risiko mit Volatilität gleichgesetzt. 

Ein Beispiel, um die Schwächen dieses Konzepts zu unterstreichen, ist die kollabierte Kryptowährung UST. Dieser algorithmische Stablecoin von Terra repräsentierte eine Zeit lang den Wert eines US-Dollars, womit die Schwankungen quasi null waren. Doch dieses fragile System war seit Anbeginn hochriskant – und im Sommer 2022 kollabierte der zu der Zeit milliardenschwere Stablecoin schließlich und wurde wertlos.

Die Volatilität von Bitcoin ist nicht wegzudiskutieren – obwohl sie seit der Institutionalisierung beziehungsweise dem Erwachsenwerden der Anlageklasse immer weiter zurückläuft. Auch wenn die noch starken Schwankungen die Rentabilität einer Investition auf einen mittelfristigen Zeitraum betrachtet unvorhersehbar machen, ist Bitcoin bei weitem nicht so riskant, wie viele denken.

Im Gegensatz zu vielen anderen Sachwerten gibt es bei Bitcoin – insofern selbstverwahrtkein Kontrahentenrisiko. Aktieninvestoren sind dem Risiko ausgesetzt, dass das Management falsche Entscheidungen trifft oder Wettbewerber und Regulierungen das Kerngeschäft des Unternehmens unrentabel machen. Bei Anleihen kann der Herausgeber jederzeit zahlungsunfähig werden, wodurch die festverzinslichen Wertpapiere wertlos werden können.

Für Bitcoin gibt es keine ernstzunehmende Konkurrenz und – anders als bei Gold – ist es aufgrund der im Code zementierten Gesamtmenge auch ausgeschlossen, dass auf einen Schlag viel mehr Einheiten im Umlauf sind. Die Gefahr von ohnehin nicht umsetzbaren Verboten ist zudem seit Jahren bereits vom Tisch. Es ist eher zu beobachten, dass sich relevante Länder wie die USA Bitcoin zunutze machen wollen.

Infolgedessen lässt sich durchaus die These aufstellen, dass Bitcoin das am wenigsten riskante Anlageobjekt der Welt ist. Wer die Eigenschaften von Bitcoin auf fundamentaler Ebene versteht, erkennt, dass das Asset eigentlich so konservativ ist, wie es nur sein kann. Das, was Bitcoin noch ein bisschen „risky“ macht, sind lediglich die Schwankungen, die in erster Linie darauf zurückzuführen sind, wie die Welt mit BTC momentan interagiert.

6. Bitcoin verschwendet zu viel Energie

Der Prozess des Bitcoin-Minings ist energieintensiv. Das liegt daran, dass die Miner unter dem Einsatz von Rechenleistung versuchen, einen gültigen Block zu finden. In neuen Blöcken werden die Transaktionen verarbeitet. Miner verdienen an den Transaktionsgebühren sowie an den neuen Bitcoin, die sie sich pro gefundenen gültigen Block ausbezahlen können – momentan sind es 3,125 BTC.

Die Bitcoin-Mining-Branche hat sich über die Zeit professionalisiert. Während Teilnehmer früher noch mit einem Standardcomputer kompetitiv minen konnten, gibt es inzwischen Hardware, die einzig und allein für den Mining-Prozess hergestellt und entsprechend dem Mooreschen Gesetz immer leistungsstärker wird. Die Schwierigkeitsanpassung des Bitcoin-Netzwerks sorgt dafür, dass im Schnitt alle 10 Minuten ein neuer gültiger Block gefunden wird – egal, wie viel Rechenleistung für das Mining insgesamt aufgewendet wird.

Der gesamte Bitcoin-Mining-Prozess nutzt inzwischen Energie in der Größenordnung mittelgroßer Länder wie Österreich oder Portugal. Laut Daten der Elite-Uni Cambridge verbraucht das Bitcoin-Netzwerk im Jahr 138 TWh, was circa 0,54 % des weltweiten Stromverbrauchs entspricht. Der damit einhergehende geschätzte CO₂-Ausstoß liegt bei 39,8 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten – etwa 0,08 % der globalen Emissionen. 

Doch Energienutzung bedeutet nicht direkt Verschwendung. Bitcoin-Mining-Unternehmen sind flexible Energieabnehmer, die aufgrund des Wettbewerbsdrucks dazu gezwungen sind, möglichst günstigen Strom zu beziehen. Dieser Umstand führt dazu, dass Miner verstärkt auf erneuerbare Energiequellen setzen, denen sie den überproduzierten Strom abnehmen.

Laut Cambridge besteht der Energiemix des Bitcoin-Netzwerks zu mehr als 50 % aus nachhaltigen Energiequellen, wodurch es in dieser Hinsicht eine der „grünsten“ Branchen ist. Durch die Abnahme überproduzierter Energie kann der Mining-Prozess zudem erneuerbare Energien rentabler machen und somit die Energiewende vorantreiben.

Bitcoin-Mining stabilisiert durch seine flexible Natur sogar Stromnetze, wie beispielsweise in Texas, USA. Außerdem gibt es bereits erfolgreich umgesetzte Konzepte, bei denen die Einbindung des Mining-Prozesses die umweltschädlichen Methangasemissionen reduziert. Miner erzeugen als Nebenprodukt zudem Abwärme, die bereits nutzbar gemacht wird. Wärmeproduktion ist einer der größten Energiefresser in der Industrie.

Der Mining-Prozess ist überdies unerlässlich für die Funktionsweise und Sicherheit des Netzwerks, da dieser „Proof-of-Work-Mechanismus“ einen „Anker in die physische Welt“ darstellt, der die Dezentralität gewährleistet. Bei Proof-of-Stake-Kryptowährungen wie ETH oder SOL hingegen entscheiden diejenigen über die Bildung neuer Blöcke, die bereits viele Coins „staken“. Dafür erhalten sie Erträge in dem jeweiligen Coin, die sie nur noch einflussreicher machen.

Den Energieverbrauch einer Branche gilt es schlussendlich auch immer dem Nutzen dieser gegenüberzustellen. Kritik an dem Stromverbrauch durch das traditionelle Bankensystem beziehungsweise Zentralbanken kommt interessanterweise nur selten auf. Wer versteht, dass Bitcoin elementare Probleme löst und das Mining dafür unabdingbar ist, würde den Energieverbrauch – der jährlich sogar unter dem der globalen Weihnachtsbeleuchtung liegt – ohnehin nicht als Verschwendung einordnen.

7. Miner lösen schwierige Rechenaufgaben

In den Leitmedien heißt es zur Erklärung des Mining-Prozesses immer wieder, die Miner würden mit ihren Geräten hochkomplexe Rechenaufgaben lösen. In der Realität ist es jedoch so, dass das Mining ein ganz simpler Prozess des Ausprobierens ist – vergleichbar mit einem Würfelspiel.

Miner bauen Prototypen von Bitcoin-Blöcken und jagen diese durch die kryptografische Hashfunktion SHA-256. Herauskommt eine Zahl, die bestimmte Bedingungen erfüllen muss, um den notwendigen, gültigen Arbeitsnachweis zu liefern. Erfüllt der Hash eines Blocks die aktuellen Spielregeln, so hat der Miner einen gültigen Block gefunden, der an die Blockchain angehängt wird – nach Verifikation durch andere Teilnehmer.

Einen einzelnen Hashwert zu berechnen, ist für einen Computer kein Problem. Man kann dies sogar mit Stift und Papier tun, was mehrere Minuten Zeit in Anspruch nehmen würde. Die spezialisierte Mining-Hardware (ASICs) hingegen berechnet einige Billionen Hashes pro Sekunde. Beim Mining geht es also darum, so viele Kombinationen wie möglich zu probieren, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, einen gültigen Block beziehungsweise Hash zu finden. Mit komplizierten Rechenaufgaben hat das herzlich wenig zu tun.

8. Bitcoin nutzen nur Kriminelle

Einer der ersten Anwendungsfälle von Bitcoin war der für Transaktionen im Darknet. So war BTC beispielsweise das Zahlungsmittel auf der Plattform „Silk Road“, auf der Nutzer Drogen, Waffen oder gefälschte Ausweise kaufen konnten. Daraus hat sich die Annahme entwickelt, Bitcoin sei nur etwas für Kriminelle. Obwohl Bitcoin inzwischen von BlackRock-CEO Larry Fink als „legitimes Finanzinstrument“ bezeichnet wird und die USA eine strategische Bitcoin-Reserve etabliert haben, hält sich diese Annahme hartnäckig.

Die Blockchain-Analysefirma Chainalysis, die sogar mit Behörden zusammenarbeitet, zeigt mit ihrem jährlichen „Crypto Crime Report“, dass die kriminelle Nutzung von BTC und Co. inzwischen fast schon vernachlässigbar ist. Im Jahr 2024 standen nur 0,14 % des gesamten Krypto-Transaktionsvolumens mit illegalen Aktivitäten in Verbindung. Der Anteil, der dabei auf Bitcoin zurückzuführen ist, läuft sogar stark zurück.

Bis 2021 war BTC aufgrund seiner hohen Liquidität eindeutig die bevorzugte Kryptowährung unter Cyberkriminellen. Seitdem beobachten wir jedoch eine stetige Diversifizierung weg von BTC, wobei Stablecoins mittlerweile den Großteil des gesamten illegalen Transaktionsvolumens ausmachen (63 % aller illegalen Transaktionen).
Chainalysis im 2025 Crypto Crime Report

Fiatwährungen – wenn auch in Form von Stablecoins – sind für illegale Aktivitäten das Mittel der Wahl. Das Office on Drugs and Crime der Vereinten Nationen (UNODC) schätzt übrigens, dass jährlich 2 bis 5 % der globalen Wirtschaftsleistung auf Geldwäsche zurückzuführen sind. Bitcoin in diesem Kontext als „Geld der Kriminellen“ zu verunglimpfen, widerspricht also der Realität.

9. Bitcoin ist eine anonyme Währung

In den Anfangsjahren haben viele Kriminelle Bitcoin genutzt, da sie der heute noch weitverbreiteten Fehlannahme aufgesessen sind, BTC sei eine anonyme Währung. Fakt ist aber, die Bitcoin-Blockchain ist offen einsehbar – jede Transaktion kann nachverfolgt werden. Obwohl Bitcoin-Adressen nativ nicht mit realen Personen verknüpft sind, kann von Anonymität keine Rede sein. Richtig müsste es heißen: „Bitcoin ist pseudonyme Währung.“

Durch die Nutzung verschiedenster Heuristiken beziehungsweise Analysetools gelingt es Research-Firmen wie Arkham Intelligence immer wieder, die Bitcoin-Bestände von Unternehmen oder sogar Nationen ausfindig zu machen. Strafverfolgungsbehörden ermitteln häufig auch die Personen hinter bestimmten Hacks wie dem der Krypto-Exchange Bitfinex.

Aufgrund der vielen regulatorischen Vorschriften, die eine Verifizierung bei Krypto-Börsen erfordern, haben es die Behörden überdies relativ leicht, Bitcoin-Adressen den jeweiligen Personen zuzuordnen. Dies können Nutzer umgehen, indem sie ihre BTC direkt von Privatpersonen abkaufen oder beispielsweise Mixing-Services nutzen. Hierbei gilt es jedoch zu bedenken, dass Probleme aufkommen können, wenn diese Coins wieder zum Verkauf an regulierte Börsen geschickt werden.

10. Es gibt tatsächlich Coins

Auch wenn Bitcoin immer wieder als eine goldene Münze dargestellt wird, existieren faktisch gar keine Coins – und das auch nicht digital. Diese Abstraktion, die sich auch in dem Namen „Bitcoin“ wiederfindet, dient lediglich als Metapher. Man kann seine Bitcoin auch auf keiner Wallet speichern. Eine Wallet dient lediglich dazu, die privaten Schlüssel, mit denen eine Transaktion signiert werden kann, sicher aufzubewahren.

Auf technischer Ebene funktioniert Bitcoin folgendermaßen: Bei einer Bitcoin-Transaktion wird das Recht übertragen, bestimmte UTXOs (Unspent Transaction Outputs) zu verwalten. Ein UTXO ist der Output einer vergangenen Transaktion, der bisher noch nicht ausgegeben wurde. Nach der Übertragung wird er zum STXO (Spent Transaction Output).

Ein UTXO kann nur in seiner Gesamtheit ausgegeben werden. Hat man beispielsweise einen UTXO von 2 BTC und möchte etwas für 1 BTC bezahlen, so wird der gesamte Output verschickt und man erhält eine neue UTXO über 1 BTC zurück. Damit ähnelt das Transaktionsmodell von Bitcoin eher dem des Bargelds – mit dem Unterschied, dass Bitcoin-Outputs beliebige Beträge annehmen können, während es bei Bargeld immer Münzen oder Scheine mit bestimmten Einheitsgrößen sein müssen. 

Das Bitcoin-Netzwerk ist übrigens auch blind für die Größe „Bitcoin“. Technisch betrachtet stellen nämlich Satoshis die Grundeinheit dar. Ein Satoshi entspricht 1/100.000.000 Bitcoin.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

Artikel des Autors

Kommentare aus unserem Forum