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Bitcoin steigt um 30% – Ein sicherer Hafen in Krisenzeiten?

Am von BTC Kurs Krise

Der Bitcoin-Kurs legte in den letzten Tagen stark zu. Seit dem Beginn des Ukraine-Russland-Krieges stieg der Preis pro Bitcoin um etwa 30% an. Vor allem in Anbetracht der aktuellen Situation und den wirtschaftlichen Unsicherheiten ist dies etwas Besonderes. Denn in der Vergangenheit konnte sich die Digitalwährung in Krisenzeiten nicht als sicherer Hafen etablieren. Jetzt könnte sich das aber ändern.

Gründe für den Preisanstieg

Auf Twitter wurde viel um die Gründe des sprunghaften Preisanstiegs gerätselt. Eine Metrik wurde hierbei besonders diskutiert. In den letzten Tagen stieg die Zahl der Bitcoin Adressen mit mehr als 1000 Bitcoin von 2121 auf 2259 Adressen an. On-Chain Analysten vermuteten, dass dieser Anstieg mit den Kapitalkontrollen in Russland zusammenhängen könnten, denn vermögende Oligarchen könnten mithilfe von Bitcoin ihr Vermögen in Sicherheit bringen.

Diese Theorie stellte sich aber als falsch heraus. Der CEO des On-Chain Analyse-Dienstes Glassnode erklärte, dass der Anstieg auf interne Transfers zurückzuführen sei. Die für den WBTC-Token (ERC-20 Bitcoin-Token auf der Ethereum Blockchain) hinterlegten Bitcoin wurden anscheinend nur auf eine Vielzahl von neu erschaffenen Adressen verschoben.

Zahl der Adressen mit mehr als 1000 Bitcoin. Quelle: Glassnode

Allerdings kann eine erhöhte Handelsaktivität in den Kriegsländern festgestellt werden. Vor allem die Bevölkerung Russlands leidet unter den strengen Kapitalkontrollen der Regierung. Erste heute gab Präsident Putin bekannt, dass Rubel Verkäufe ab einer Höhe von 10.000 US-Dollar verboten werden. Russische Unternehmen, die Geschäfte im Ausland tätigen, werden dazu gezwungen, einen Großteil ihrer gewonnenen Auslandswährung in den russischen Rubel umzutauschen.

Dies soll helfen, die russische Landeswährung zu stabilisieren. In Russland mehren sich die Bilder von Menschenmengen vor Geldautomaten. Die russischen Bürger verlieren immer mehr das Vertrauen in ihre eigene Währung. Das macht sich auch am Handelsvolumen auf den Krypto-Börsen bemerkbar. In den letzten Tagen stieg das Handelsvolumen von Bitcoin/Rubel bei Binance, sprunghaft auf mehr als 1,5 Milliarden Rubel an. Es kann also damit gerechnet werden, dass ein Faktor für den Preisanstieg von Bitcoin die derzeitige Lage der russischen Bevölkerung ist.

Bitcoin entkoppelt sich von den traditionellen Märkten

Ein Aspekt, der diese Theorie unterstützt, ist die fortschreitende Entkopplung Bitcoins von den traditionellen Märkten. In der Vergangenheit war Bitcoin häufig an den Aktienmarkt gekoppelt, vorrangig an den amerikanischen Technologieindex NASDAQ. Diese hohe Korrelation zeigte, dass Investoren Bitcoin eher als eine Technologie-Anlageklasse sahen, und nicht als digitales Gold, denn Bitcoin bewegte sich in den letzten Wochen häufig gegensätzlich zu Gold.

In den letzten Tagen änderte sich das. Seitdem Präsident Putin die ostukrainische Regionen Donezk und Luhansk als unabhängig erklärte, stieg der Bitcoin Kurs um 17,55%. Im gleichen Zeitraum fiel der NASDAQ um 0,24%. Auch der sichere Hafen Gold konnte mit einem Anstieg von nur 1,3% mit dem Bitcoin nicht mithalten. Nachdem sogar die ukrainische Regierung um Spenden unter anderem in Bitcoin gebeten hatte, etabliert sich die Kryptowährung in der Ukraine Krise womöglich als ein sicherer Hafen.

Der Bitcoin im Vergleich mit dem NASDAQ, S&P500 und dem Dow Jones seit dem Kriegsausbruch. Quelle: Twitter Bitcoin Magazin

Ausblick

Ein Krieg zwischen Russland und dem Westen ist für die Welt-Wirtschaft mit Sicherheit schlecht. Dennoch verhalten sich die traditionellen Finanzmärkte immer noch sehr ruhig. Die großen Börsenindizes in den USA mussten bisher nur kleine Verluste verzeichnen. Das liegt primär an den bevorstehenden Zinsentscheidungen der amerikanischen Zentralbank (FED).

Die FED wird bei ihrem FOMC-Meeting am 16. März über die Zinsentwicklung entscheiden. Aufgrund der hohen Inflation in den Vereinigten Staaten rechnen die Markteilnehmer mit einer Zinserhöhung. Die Frage ist nur, wie hoch diese ausfallen und wie oft die FED dieses Jahr die Zinsen anheben wird.

Vor dem Ukraine-Krieg rechneten die Märkte zu 93,75% mit einer Zinserhöhung von 0,5%-0,75% im März. Innerhalb einer Woche fiel dieser Wert auf 6,25%. Die Wahrscheinlichkeit für keine Zinserhöhung liegt inzwischen bei 10%. Bis vor einer Woche lag diese bei 0%.

Die Wahrscheinlichkeiten für die Zinserhöhungen im März. Quelle: Twitter Dylan LeClair

Die Märkte spekulieren aufgrund des Krieges auf eine weniger aggressivere Zinspolitik der amerikanischen Zentralbank. Das würde den Märkten weiterhin günstiges Kapital zur Verfügung stellen. Die Entscheidungen der FED haben zurzeit einen größeren Einfluss auf die Märkte als der Ukrainekonflikt.

Der Krieg kann dazu führen, dass die FED die Zinsen nicht anhebt und die Aktien weiter steigen, aber er wird sicherlich zu wirtschaftlichen Rückgängen führen. Bereits im ersten Quartal wurde die Prognose für das Wachstum des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts von 3,9% auf 1,8% gesenkt. Die amerikanische Wirtschaft kühlt ab.

Die US-Zentralbank hat zwei Optionen. Sie kann entweder die Zinsen anheben und damit versuchen, die Inflation zu bekämpfen, dabei aber eine Rezession riskieren oder sie lässt die Zinsen niedrig und akzeptiert langfristig eine höhere Inflation. Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges schränken den Handelsspielraum der Federal Reserve zusätzlich ein.

Fazit

Um Bitcoin als „sicheren Hafen in Krisenzeiten“ zu bezeichnen, ist es natürlich noch deutlich zu früh. Erste Anzeichen dafür, dass sich der BTC aber in diese Richtung entwickelt, sind in jedem Fall gegeben. Für die russische Bevölkerung ist Bitcoin der einzige Weg, die Kapitalkontrollen des Landes zu umgehen. Das spiegelt sich im Preisverlauf des Bitcoins in den letzten Tagen wider. Im Gegensatz zu den traditionellen Märkten, die viel mehr von den Entscheidungen der FED als vom Krieg beeinflusst werden, bietet Bitcoin als freies Geld den Menschen einen Zufluchtsort. Ein Ende des Krieges ist noch nicht in Sicht und wird deshalb auch weiterhin einen Einfluss auf die globale Wirtschaft haben. Die FED steht mit dem Ausbruch des Krieges vor einer noch schwierigeren Entscheidung. Man kann also gespannt sein, wie sich die amerikanischen Währungshüter in zwei Wochen auf ihrem FOMC-Meeting entscheiden werden.