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Der Bitcoin Standard in El Salvador – Erste Eindrücke

Am von

Seit Dienstag ist Bitcoin ein gesetzliches Zahlungsmittel in El Salvador. Mit der Chivo Bitcoin App der Regierung wurde ein neues Zeitalter in El Salvador eingeläutet. Es wird Zeit sich genauer anzusehen, was am Anfang sehr gut funktioniert hat und welche Bereiche zu kritisieren sind.

Chivo App

Am 07. September genau um Mitternacht sollte die App erscheinen. Der Start war leider etwas holprig. Die App Stores gaben die App noch nicht frei. Präsident Nayhib Bukele macht daraufhin auf Twitter Druck auf die Unternehmen, dass sie die App freischalten sollen.

„Lass ihn frei!“

@Apple, @Google, @Huawei

#BitcoinDay #BTC

Als die App dann kurz nach Mitternacht endlich verfügbar war, gab es auch schon die ersten Bilder davon auf Twitter. Wie angekündigt bekam jeder Nutzer ein Startguthaben von 30 US-Dollar in Bitcoin. Die App unterstützte On-Chain Transaktionen und zur Überraschung mancher auch Lightning Zahlungen. Viele vermuteten, dass vor allem die Lightning Funktionalität unter dem starken Zeitdruck leiden könnte. Dem war aber nicht so.

Bei der Generierung der Lightning Adressen (Invoices) gab es allerdings zuerst Probleme. Jede Transaktion benötigt im Lightning Netzwerk eine neue Invoice. Aufgrund von Überlastungen konnten einige Nutzer keine neue Invoices generieren. Andere Nutzer konnten die App gar nicht erst installieren. Am Morgen wurde die App dann eine kurze Zeit deaktiviert, um die Probleme zu beseitigen.

„Für kurze Zeit wird die @chivowallet nicht funktionieren, wir haben die Verbindung getrennt und gleichzeitig die Kapazität der Bilderfassungsserver erhöht.

Die Installationsprobleme, die einige Leute hatten, waren darauf zurückzuführen.

Wir wollen es reparieren, bevor wir es wieder in Betrieb nehmen.“

Eine große Sicherheitslücke hatte die App am ersten Tag. Die Lightning Invoices veröffentlichten die Namen der Nutzer. Einer der Hauptvorteile des Lightning Netzwerks ist seine Anonymität. Als einige Bitcoiner darauf hinwiesen, wurde das Problem sehr schnell von den Entwicklern behoben. Jeder Nutzer muss bei der Installation ein KYC („Know-Your-Costumer) Verfahren durchlaufen, die weiteren Zahlungen sind aber anonym.

Unternehmen

Das Bitcoin-Gesetz sah vor, dass ab 07. September jedes Unternehmen in El Salvador Bitcoin akzeptieren muss, allerdings gab es hier Ausnahmen. Sollte für ein Unternehmen die technische Umsetzung nicht so schnell machbar sein, dann wird es keine Strafen geben. Viele erwarteten hier, dass das die Unternehmen ausnutzen werden.

Doch es kam anders. Am frühen Morgen trafen die ersten Bilder auf Twitter ein. Ein Nutzer konnte sein Frühstück bei McDonalds direkt mit Bitcoin bezahlen!

„Ich bin gerade in einen McDonalds in El Salvador gegangen, um zu sehen, ob ich mein Frühstück mit Bitcoin bezahlen kann, um ehrlich zu sein mit der Erwartung ein Nein zu hören.

Aber siehe da, sie haben einen Bon mit einem QR-Code ausgedruckt, der mich zu einer Website mit einer Lightning Invoice führte und jetzt genieße ich mein klassisches Frühstück!“

McDonalds war aber nicht das einzige große Unternehmen, das Lightning Zahlungen ermöglichte. Unternehmen wie Starbucks oder Pizza Hut machten auch mit. Für viele dieser Unternehmen war es selbst etwas Besonderes das erste Mal Bitcoin Zahlungen zu akzeptieren.

Bitcoin Preissturz – steckte der IWF dahinter?

Im Laufe des Tages kam es zu einem starken Preissturz. Innerhalb einer Stunde rauschte der Bitcoin um 15% nach unten. Für viele Bitcoin Hodler ist sowas nicht ungewöhnlich. Viel interessanter ist es, ob es reiner Zufall war, dass der Crash genau dann passierte, als El Salvador den Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel einführte. Bukele heizte die Gerüchteküche selber an, als er den Internationalen Währungsfonds (IWF) dafür verantwortlich machte. Er nutzte den Preissturz und kaufte wie ein echter Bitcoiner den „Dip“. El Salvador hält nun 550 Bitcoin.

„Den Dip kaufen 😉

150 neue Coins wurden hinzugefügt.

#BitcoinDay #BTC“

„Es scheint so als würde der Rabatt enden 🙁

Danke für den Dip @IMFNews. Wir haben eine Million an bedrucktem Papier gespart.

El Salvador hält nun 550 Bitcoin.“

#BitcoinDay #BTC

Ob das stimmt, kann nicht bewiesen werden. Fakt ist aber, dass der internationale Währungsfonds von dem Alleingang des Präsidenten nicht begeistert ist. Vor ein paar Monaten traf sich Bukele mit Vertretern des IWF. Was genau bei diesen Treffen besprochen wurde, ist nicht bekannt. Die Unterstellung Bukeles, dass der IWF hinter dem Preissturz stecken soll, lässt darauf schließen, dass es ein paar Meinungsverschiedenheiten gab.

Berichterstattung zu El Salvador

Im Kombination mit dem starken Preisabsturz war es kein Wunder, dass die Berichterstattung zu dem Thema sehr einseitig ausfallen. Es stand weniger im Vordergrund, dass 70% der Salvadorianer erstmalig einen Zugang zum Bankensystem haben, sondern mehr die stetig wiederholende Kritik an Bitcoin.

Auch die Tagesschau machte ihre Arbeit als objektiver Nachrichtensender nicht besser. Innerhalb von 60 Sekunden schaffte es die Tagesschau mehrere Unwahrheiten zu verbreiten. Hier die sachliche und objektive Richtigstellung von Roman.

Viel interessanter wäre es gewesen zu zeigen, was Bitcoin den Menschen in El Salvador wirklich ermöglicht. Jack Mallers zeigte das beeindruckend. Er sendete aus den USA 100 US-Dollar über Strike an einen Freund in El Salvador. Dieser hob dann 20 US-Dollar an einem Chivo Automaten ab. Zahlungsdienstleister wie Western Union verlangten bisher bis zu 30% an Gebühren. Bitcoin schafft das ohne Gebühren. Bukele schätzt, dass durch die Verwendung von Bitcoin den Zahlungsdienstleistern wie Western Union bis zu 400 Millionen US-Dollar an Einnahmen verloren gehen.

„Heute habe ich eine Überweisung von meinem US-Bankkonto an einen engen Freund geschickt, der in El Salvador geboren und aufgewachsen ist.

Die Zahlung wurde sofort abgewickelt. Es gab keine Gebühr.

Die Verwendung des #Bitcoin Netzwerks im Hintergrund ermöglichte eine grenzüberschreitende, sofortige, kostenlose Bargeld-Endgültigkeit.“

„Mein Freund konnte es sich dann an einem der vielen @chivowallet Geldautomaten auszahlen lassen und mit barem Geld weggehen.

Benötigte er einen Bankkonto? Nein.

Benötigten wir dafür @WesternUnion? Nein.

Benötigte er dafür ein spezielles Wallet oder eine besondere Erlaubnis? Nein.

Gab es Gebühren? Nein.

Fazit

Verlief alles optimal? Bestimmt nicht! Aber niemand hätte erwartet, dass alles am Anfang perfekt läuft. Es war zu erwarten, dass es zu einer Überlastung der App kommt. Aber wie es aussieht, haben sich die Menschen und vor allem die Unternehmen schneller an Bitcoin angepasst als es viele erwartet haben. Die Zahlen sprechen für sich. Die sechs größten Finanzapps im App Store sind Bitcoin Apps mit der Chivo App an der Spitze. Bukele hat sich viel vorgenommen und es war ein gewagter Schritt. Auf den ersten Blick hat sich dieser aber definitiv gelohnt. Jetzt muss das Ziel der Regierung sein, breite Teile der Bevölkerung weiter aufzuklären und ihnen die Vorteile ihres neuen Systems aufzuzeigen. Wir alle sind gespannt, wie sich El Salvador in den nächsten Monaten bzw. Jahren entwickeln wird. Der Grundstein ist gelegt.


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Autor: Saifedean Ammous
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