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Heute vor elf Jahren, am 22.05.2010, fand eine der legendärsten Bitcoin Transaktionen statt, die es jemals gegeben hat. Denn es war der erste Handel, bei dem Bitcoin als Geld gegen ein anderes Gut getauscht wurde. Im Nachhinein betrachtet war dieser Handel aber wohl auch der teuerste Pizzakauf der Weltgeschichte. Die Tatsache, dass zwei Pizzen gegen 10.000 BTC getauscht wurden, macht die Geschichte in Anbetracht der heutigen Wechselkurse noch immer zu einem Dauerbrenner, der regelmäßig in den verschiedensten Medien und sozialen Netzwerken wieder hochgekocht wird.
Für die Bitcoin-Szene war dieser Tag jedoch mehr als nur eine witzige Geschichte, die man sich immer wieder gerne erzählt. Es war der Tag, an dem Bitcoin seine Reise der Geldwerdung begonnen hat.

Ein einfaches Angebot

Damals hätte sich Laszlo Hanyecz, ein amerikanischer Programmierer aus Jacksonville (Florida), wohl niemals träumen lassen, dass ein simples Angebot, damals nutzloses Internetgeld gegen zwei Pizzen zu tauschen, auch noch mehr als ein Jahrzehnt später heiß diskutiert wird und in die Geschichte einging.

Ich zahle 10.000 Bitcoins für ein paar Pizzen… vielleicht 2 große, damit ich noch etwas für den nächsten Tag übrig habe. Ich mag es, übrig gebliebene Pizza zu haben, um später daran zu knabbern. Man kann die Pizza selbst machen und zu mir nach Hause bringen oder sie für mich bei einem Lieferdienst bestellen, aber was ich vorschwebt ist, Essen im Tausch gegen Bitcoins geliefert zu bekommen, welches ich nicht selbst bestellen oder zubereiten muss. So wie wenn man eine „Frühstücksplatte“ in einem Hotel oder so bestellt, sie bringen einem einfach etwas zu essen und man ist glücklich!

Ich mag Zwiebeln, Paprika, Wurst, Champignons, Tomaten, Peperoni usw., einfach Standardzeugs, kein komischer Fischbelag oder so etwas. Ich mag auch normale Käsepizzen, die vielleicht billiger zuzubereiten oder anderweitig zu erwerben sind.

Wenn du interessiert bist, lass es mich bitte wissen und wir können einen Deal aushandeln.

Danke!
Laszlo

Laszlo Hanyecz, 18.05.2010
Laszlo Hanyecz. Quelle: Coindesk.com

Dieses Gesuch stellte Hanyecz bereits am 18.05.2010 im Bitcoin-Forum bitcointalk.org online. Es dauerte also ganze vier Tage, bis sich jemand zu diesem Handel einließ. In der heutigen Zeit würde es wahrscheinlich nicht einmal vier Sekunden dauern, bis sich jemand finden würde, der 10.000 Bitcoins gegen zwei Pizzen tauschen würde.
Laszlo hatte zwischenzeitlich sogar Sorge, dass die von ihm gebotene Bitcoin-Menge nicht hoch genug sei. Am 21.05. schrieb er:

Will mir denn niemand eine Pizza besorgen? Ist die Menge an Bitcoins, die ich biete vielleicht nicht hoch genug?

Laszlo Hanyecz, 21.05.2010

Käufer gefunden

Am 22.05.2010 war es schließlich soweit. Der damals 19-jährige Student Jeremy Sturdivant, im Netz mit dem Usernamen „Jercos“ unterwegs, erklärte sich bereit die 10.000 Bitcoins als Bezahlung für die Pizzen anzunehmen. Die beiden Namen über den Internet Relay Chat (IRC) damals Kontakt miteinander auf, um die Transaktion abzuwickeln.
Einige Stunden später vermeldete Hanyecz voller Freude bei bitcointalk.org:

Ich wollte nur berichten, dass ich erfolgreich 10.000 Bitcoins gegen Pizzen getauscht habe.

Danke jercos!

Laszlo Hanyecz, 22.05.2010

Als Beweis hatte er außerdem einige Bilder der gelieferten Pizzen mit an seine Nachricht angehängt.

Teure Pizzen – Ärgerlich, oder?

Damals, im Mai 2010, waren die 10.000 Bitcoins ca. 40$ wert. Heute, elf Jahre später immerhin knapp 400.000.000$ und zwischenzeitlich sogar über 600.000.000$.

Ein Fakt, den viele Leute jedoch nicht wissen, ist der, dass es tatsächlich auch nicht bei diesen zwei Pizzen und der einmaligen Transaktion blieb. Laszlo schrieb damals:

Dies ist ein übrigens unbefristetes Angebot… Ich werde jederzeit 10.000 BTC für 2 dieser Pizzen tauschen, solange ich die Mittel habe (ich habe normalerweise viel). Wenn jemand daran interessiert ist, lasst es mich bitte wissen. Der Tausch ist für jeden, der es macht, günstig, weil die 2 Pizzen insgesamt nur etwa 25 Dollar kosten, vielleicht 30, wenn man dem Typen ein nettes Trinkgeld gibt. Wenn man mir die extra großen Pizzen oder so besorgt, kann ich noch ein paar Bitcoins dazugeben, lasst es mich einfach wissen und wir werden eine Lösung finden.

Laszlo Hanyecz, 12.06.2010

In den darauffolgenden Wochen sollte Hanyecz noch viele weitere Pizzen zum Preis von 5.000BTC pro Stück erwerben. Da im Laufe dieser Zeit jedoch die Hashrate für das Mining im Netzwerk deutlich anstieg und es somit schwieriger wurde als Einzelperson zuhause am Rechner hunderte oder gar tausende Coins täglich zu schürfen, gingen Hanyecz irgendwann die Bitcoins aus, um diese Deals weiter finanzieren zu können. Außerdem waren 10.000 Bitcoins im August 2010 bereits 600$ wert, was die Pizzen auch damals schon sehr teuer machte.

Nun, ich habe nicht erwartet, dass das so populär wird, aber ich kann es mir nicht wirklich leisten, es weiter zu machen, da ich nicht mehr tausende von Coins pro Tag generieren kann. Danke an alle, die mir schon Pizza gekauft haben, aber ich halte mich vorerst damit zurück, noch mehr von solchen Deals zu machen.

Laszlo Hanyecz, 04.08.2010

Auch damals wurde sich schon im Forum darüber lustig gemacht, dass Hanyecz wohl viel zu viel für die Pizzen bezahlt habe, da 10.000 BTC zu der Zeit schon mehr als 2.000$ wert waren. Aus diesem Grund sind viele Menschen der Meinung dass sich Laszlo Hanyecz dieser Tage wahrscheinlich grün und blau ärgert, wenn er daran denkt, wieviel Geld er damals quasi verschenkt hat.

Tatsächlich bestätigte er seitdem jedoch in mehreren Interviews, dass er sich keineswegs darüber ärgere. Er ist froh ein Teil der (Bitcoin-)Geschichte geworden zu sein. Immerhin war er es, der den ersten Stein ins Rollen brachte, der die Bitcoin-Lawine losgetreten hat.

Was ist mit den 10.000 BTC damals eigentlich passiert?

Wie weiter oben im Text bereits beschrieben, hat der Student Jeremy Sturdivant die 10.000 BTC damals erhalten.
Wer nun der Meinung ist, dass dieser heute ein mehrfacher Multimillionär ist und sein Luxusleben irgendwo in der Sonne genießt, hat weit gefehlt. Die Bitcoins investierte der leidenschaftliche Gamer damals für Computerspiele im Wert von ca. 400$.

Aber auch er sagte in einem Interview mit „bitcoinwhoswho“, dass er es keineswegs bereue. Er wusste, laut seiner eigenen Aussagen, auch damals schon zu einem gewissen Grad, dass er gerade dabei ist Teil eines Präzedenzfalls zu sein und Geschichte zu schreiben. Er ist der Meinung, dass Bitcoin als Geld genutzt werden sollte und nur durch Leute wie ihn, die es tatsächlich im ökonomischen Sinne nutzten, das ganze überhaupt einen Wert bekommen hat.

Jeremy Sturdivant

Bitcoin als Währung ist dazu gedacht, ausgegeben zu werden. Diese 10.000 BTC kamen ziemlich schnell zurück in die Wirtschaft […].

Natürlich wird es immer Leute geben, die Coins horten und versuchen, reich zu werden, und ein paar Leute sind auch ziemlich reich geworden, aber sie wären nicht so reich geworden, wenn das Wirtschaftswachstum es nicht erlaubt hätte. Insofern bewegen sich meine Bitcoin-Bestände in der Regel in Hunderten oder Tausenden von USD, einfach weil ich sie ähnlich wie ein Girokonto benutze, um Geschäfte sowohl online als auch offline zu tätigen, wenn ich die Gelegenheit dazu habe.

Jeremy „jerco“ Sturdivant

Was machen Hanyecz und Sturdivant heute?

Weder Hanyecz noch Sturdivant leben heute in Saus und Braus. Beide führen ein bodenständiges Angestellten-Leben. Der Pizza-Käufer Laszlo arbeitet heute als Programmierer bei einem Hersteller für Rucksäcke, der im Übrigen dank seines berühmten Mitarbeiters sogar Bitcoins akzeptiert.

Jeremy Sturdivant arbeitet in Kalifornien bei einem Hersteller für Rundfunk-Equipment in der Produktentwicklung.


Hast du auch schonmal etwas mit Bitcoins gekauft und es im Nachhinein bereut? Lass es uns gerne in unserem kostenlosen forum.blocktrainer.de wissen