Immer wieder stellen sich vor allem Menschen, die sich erst kürzlich mit der Materie rund um Bitcoin beschäftigen und z.B. zum ersten mal ihre Ledger-Hardware-Wallet in Betrieb nehmen, die Frage welches Adressformat sie für ihr Bitcoin-Konto auswählen möchten. “Legacy”? “Segwit”? Oder gar “Native Segwit”?
Da es mittlerweile drei verschiedene Formate gibt, kann man hier auch relativ schnell ins Grübeln kommen, wo nun die Unterschiede oder Vor- bzw. Nachteile liegen. Dieser Blocktrainer 1×1-Artikel wird dir dabei helfen einen guten Überblick darüber zu bekommen.

Das Legacy-Adressformat (P2PKH)

P2PKH, genannt Legacy-Format, war die erste und ursprüngliche Form der Bitcoinadressen und steht für “Pay-to-Public-Key-Hash“, also die Zahlung an einen Hash des öffentlichen Schlüssels des Empfängers.

In einem unserer vergangenen Blocktrainer 1×1 – Artikel haben wir bereits erklärt, dass eine Bitcoin Adresse ein Hash eines Public Keys ist, lest also gerne nochmal nach, wenn ihr das Konzept noch nicht ganz verinnerlicht habt.

Erkennen könnt ihr eine Legacy Bitcoinadresse übrigens daran, dass sie immer mit der Ziffer “1” beginnt. 1FeexV6bAHb8ybZjqQMjJrcCrHGW9sb6uF ist beispielsweise die “reichste” bekannte Legacy-Adresse mit fast 80.000 verknüpften Bitcoin.
Zahlungen von Adressen des P2PKH-Formats verbrauchen in der Regel mehr Speicherplatz, da sie nicht mit einer, im August 2017 aktivierten, Änderung/Verbesserung des Transaktionsformats kompatibel sind. Dies macht die Verwendung von Legacy-Adressen teurer , da mehr verbrauchter Speicherplatz auch gleichbedeutend ist mit höheren Gebühren.

Das SegWit-Format (P2SH)

SegWit steht für “Segregated Witness” (z.dt. etwa “Ausgelagerter Zeuge”) und ist eigentlich garkein Adressformat, sondern die oben bereits erwähnte Verbesserung des Bitcoin-Protokolls, welche die für die Speicherung von Transaktionen in einem Block erforderliche Größe verringert. Dadurch, dass bei SegWit-Transaktionen sogenannte Signaturdaten entfernt bzw. ausgelagert wurden, kann der Platz effizienter genutzt werden. Indem Transaktionen kleiner/leichter gemacht werden, passen mehr Transaktionen in einen Block. Dies wiederum macht das Bitcoin-Netzwerk skalierbarer und seine Transaktionen schneller. Mehr noch, es reduziert die Transaktionsgebühren für jede Bitcoin-Transaktion immens!

SegWit wurde zunächst durch das “Pay-to-Script-Hash”-Format (P2SH) eingeführt. Das besondere an P2SH ist, dass der Sender die BTC nicht mehr an den Hash eines öffentlichen Schlüssel des Empfängers sendet, sondern dass der Empfänger gewisse Regeln definiert (das sogenannte “Script”) die festlegen, wie die empfangenen Coins ausgegeben werden dürfen. Der Sender kann nun die BTC an einen Hash dieses Scripts schicken und der Empfänger kann die BTC nur ausgeben, wenn er das Originalscript zu diesem Hash einreicht.

Umgangssprachlich werden P2SH-Adressen als “SegWit”-Adressen (manchmal auch “Nested SegWit”) bezeichnet, obwohl diese natürlich auch andere Scripte ermöglichen. Zum Beispiel Multisignatur-Transaktionen, also Transaktionen, bei denen nicht nur eine, sondern mehrere Parteien signieren müssen.

Erkennen könnt ihr SegWit-Adressen daran, dass sie im Grunde das gleiche Format haben wie Legacy-Adressen, jedoch im Gegensatz zu diesen immer mit der Ziffer “3” beginnen.

Das native SegWit-Format (Bech32)

Da die Verwendung von SegWit im P2SH-Format eigentlich nur ein Workaround ist um die Kompatibilität mit älteren Wallets zu gewährleisten, wurde nur kurz darauf ein Adressformat eingeführt, welches SegWit direkt nativ implementiert.

Im sogenannten Bech32-Format kommen die Vorteile von SegWit erst voll zur Geltung, was zur Folge hat, dass Zahlungen von einer Bech32-Adresse noch einmal deutlich günstiger und schneller sind. Ein weiterer Vorteil dieser Adressen ist der, dass diese alle mit “bc1” beginnen und ausschließlich aus Kleinbuchstaben bestehen, was die Lesbarkeit, bzw. die Gefahr des Vertippens deutlich reduziert.

Beispiel für eine Bech32-Adresse: bc1qne9s485t95k9wr8k0gxhlysycy4jgcvr9wtkt9

Welche Adresse solltest du verwenden?

Aufgrund der Vorteile die das Bech32-Format mit sich bringt, ist die Verwendung von
“native SegWit” im Grunde die klügste, da kostensparendste und effizienteste Lösung. Leider unterstützen einige Börsen die bc1-Adressen noch immer nicht und es kann sein, dass diese nicht als Bitcoin-Adressen erkannt werden und euch die Börse darum eine Auszahlung verweigert. Solltet ihr bei einer derartigen Börse angemeldet sein gibt es jedoch eine Löung:

  1. In deiner Wallet (z.B. Ledger) eine zweite Adresse eines anderen Formats anlegen.
  2. Deine Bitcoin an diese Zweitadresse auszahlen lassen.
  3. Die Bitcoin bei Bedarf an deine bc1-Adresse senden.
  4. Das Konto bei dieser Steinzeit-Börse löschen 🙂

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Autor

Vor einigen Jahren in das Bitcoin - "rabbit hole" gefallen und seitdem keinen Weg nach draußen gefunden.