Update vom 30.6.2020

Crypto.com verkündete, dass die englische Finanzmarktaufsichtsbehörde (FCA) die Blockade von Wirecard UK aufgehoben hat und die Crypto-com-Kreditkarten nun wieder gültig sind.
Da die vorhandenen Karten-Guthaben im Vorfeld auf die Wallets der Nutzer zurückgebucht wurden, sind Kartenbesitzer dazu angehalten, ihre Guthaben zunächst wieder aufzuladen, um die Karte wieder einsetzen zu können.

Update vom 26.6.2020

Am heutigen Nachmittag erreichte uns die Nachricht, dass -wie von uns am Ende dieses Artikels prognostiziert- der “Worst Case” eingetreten ist und die Ausgabe der Visa Karten von Crypto.com müssen (vorübergehend) auf Eis gelegt werden.

Im offiziellen Statement der Firma heißt es:

Nach einer Mitteilung der FCA (englische Finanzmarktaufsichtsbehörde) bezüglich Wirecard UK wurden wir soeben aufgefordert, alle Aktivitäten in unseren Kartenprogrammen in Großbritannien und ganz Europa einzustellen. Unsere Kunden in diesen beiden Regionen werden im Laufe des heutigen Tages ihre Karten nicht mehr aufladen oder Transaktionen durchführen können.

Unsere Kundengelder sind sicher. Unser Team arbeitet daran, Gutschriften auf die Wallets zu verarbeiten, die den auf den Karten befindlichen Fiat-Guthaben entsprechen. Wir gehen davon aus, dass dies innerhalb von 48 Stunden abgeschlossen sein wird.

Unabhängig davon arbeiten wir daran, das Kartenprogramm auf einen neuen Anbieter zu übertragen, so dass wir bald die Kartenausgabe in Großbritannien und Europa wieder aufnehmen können und bestehende und neue Kunden wieder von unserem Kartenprogramm profitieren können.

Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten, die Ihnen dadurch entstanden sind.

Quelle: https://blog.crypto.com/our-statement-regarding-wirecard-uk/

Auch Roman hat ein aktuelles Video zu der Thematik veröffentlicht:

Was ist Wirecard?

Die Wirecard AG ist ein deutsches Zahlungsdienstleistungsunternehmen. Dieser AG gehört unter anderem die Wirecard Bank AG, welche eine Banklizenz besitzt. Außerdem ist sie die Muttergesellschaft von Wirecard Card Solutions Ltd (im folgenden WCS genannt) und besitzt noch viele weitere Tochterunternehmen.

Die WCS besitzt eine E-Geld Lizenz, ist Mitglied von VISA Europa und Mastercard und bietet damit die Herausgabe von Kreditkarten als Dienstleistung an. Interessant für den Kryptomarkt ist, dass unter anderem das Portal Crypto.com diese Dienstleistungen nutzt, um ihre Kreditkarten im Raum Europa und Singapur auszugeben.

Was ist bisher passiert?

Chronologie der Wirecard Insolvenz

2016

Zatarra wirft Wirecard Geldwäsche und illegales Glücksspiel vor.

In einem 100-seitigen Bericht wirft die Recherche-Agentur Zatarra Research & Investigations der Wirecard AG vor, dass sie undurchsichtige Geschäfte mit Firmen gemacht haben soll, die in Verbindung mit ehemaligen oder aktuellen Managern der Wirecard AG stehen.
Quelle

2019

Die Financal Times wirft der Wirecard AG vor in der Bilanz 2017 geparkte Gelder auf den Treuhandkonten den eigenen Barreserven hinzugerechnet zu haben. Es wurden Unregelmäßigkeiten und erfundene Umsätze in der Buchführung gefunden.
Quelle

2020

18. Juni 2020

Die Abschlussprüfer Ernst & Young verweigern eine Veröffentlichung des Jahresabschlusses. Grund dafür ist, dass es nicht genügend Nachweise zu Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro gäbe. Dadurch musste Wirecard das vierte Mal in Folge ihren Jahresabschluss verschieben.
Quelle

Daraufhin brach der Kurs der Aktie des Unternehmens ein und erlitt den größten (Intraday-) Verlust, den es bisweilen in einem DAX-Unternehmen gab. Lediglich ein weiteres Unternehmen musste (zumindest über ein Wochenende) größere Verluste hinnehmen. Die Hypo Real Estate verlor im September 2008 vom Freitagabend auf Montagmorgen insgesamt 77.5%.
Quelle

19. Juni 2020

CTO und CEO Markus Braun warf das Handtuch und trat zurück. Seitdem ermitteln die Strafverfolgungsbehörden gegen ihn und andere Manager der Wirecard AG.
Quelle

22. Juni 2020

Markus Braun stellte sich am Montag Abend der Polizei und wird daraufhin festgenommen.
Quelle

24. Juni 2020

Der CEO wurde gegen eine Kaution von 5 Millionen Euro wieder frei gelassen.
Quelle

25. Juni 2020

Das Insolvenzverfahren gegen Wirecard AG wurde eröffnet.
Quelle

Was könnte passieren?

Für Kreditkarten-Inhaber

Das Insolvenzverfahren ist im Moment “nur” für die Wirecard AG eröffnet, was noch nicht bedeutet, dass die Firma bankrott ist und in den nächsten Tagen geschlossen wird. Ziel dieses Verfahrens ist es die Zahlungsfähigkeit wiederherzustellen oder (wenn nicht anders möglich) die Schließung der Firma abzuwickeln. Wenn man 1,9 Milliarden Euro vermisst, stehen die Zeichen eher schlecht. Wobei man durchaus sagen muss, dass noch nichts final entschieden ist. Wird sich für die Schließung entschieden, wird versucht werden, den maximalen Gewinn aus allen Werten der Firma (also auch den Tochtergesellschaften) zu holen, um Gläubiger zu bedienen. Das würde für die Tochtergesellschaften vermutlich den Verkauf an neue Eigentümer bedeuten.

Aber auch wenn wir vom Worst-Case ausgehen, in welchem zusätzlich die WCS Pleite geht, ist es für den Nutzer der Crypto.com Kreditkarten kein größeres Problem. Denn diese Firma ist nur für die Herausgabe der Karten verantwortlich und nicht für das Absichern der Werte auf den Karten. Das Guthaben der Karten wird von einer komplett unabhängigen Institution verwaltet und abgesichert. Dieses Konstrukt ist zum Schutz der Verbraucher von der FCA (Die Finanzaufsicht des Vereinten Königreichs) vorgeschrieben.

Das heißt im schlimmsten Fall des Bankrotts, funktionieren die Karten einfach nicht mehr, du kannst aber trotzdem problemlos über dein Restguthaben auf der Karte verfügen und dieses auf ein anderes Konto transferieren.

Als “normaler” Benutzer einer Kreditkarte, die von WCS herausgegeben wurde, ist dein Risiko also sehr gering.

Dies bestätigte auch der crypto.com CEO Kris Marszalek auf Twitter in den folgenden Tweets:

Für Aktionäre

Anders sieht es hingegen für Aktionäre der Wirecard AG aus. In der Regel endet ein Insolvenzverfahren für die Eigentümer einer Aktie mit dem Totalverlust.

Weitere Vorkommnisse

Sammelklagen

Zur Zeit wird eine Sammelklage gegen Wirecard aufgrund von Missmanagement vorbereitet. Die Annahme liegt nahe, dass der Vorstand seinen Aufsichts- und Informationspflichten nicht nachgekommen ist. Falls sich das bewahrheitet, könnten einzelne Manager dazu verpflichtet sein, Schadensersatz zu leisten.

DWS verklagt Markus Braun

Die DWS-Fondsgesellschaft strebt eine Klage gegen Wirecard und Ex-CEO Markus Braun aufgrund beispiellosem Organversagen von Vorstand und Aufsichtsrat. Durch die Klage soll vermutlich ein Schadensersatzanspruch erreicht werden, da die DWS überproportional in Wirecard investiert ist. 

Fazit

Wer Bitcoin bis jetzt für volatil hielt, wurde in den vergangenen Tagen eines Besseren belehrt. Auch Aktienmärkte bergen Risiken, die man nicht außer Acht lassen sollte.

Außerdem zeigt sich durch die Pleite Wirecards, dass blockchainbasierte Anwendungen mehr denn je gebraucht werden. Zum Beispiel könnten Bilanzen transparent auf der Blockchain abgespeichert werden, sodass ein solcher Betrug viel schwieriger umzusetzen wäre.

Im folgenden Video hat Roman ein Video mit Bitwala CFO Christoph Iwaniez gemacht, in dem sie unter anderem über die Pleite von Wirecard reden.

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Achtung: Diese Aktion endet am 30.6. !

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