In unserer Reihe „Blocktrainer 1×1“ erklären wir dir die wichtigsten Begriffe aus der Welt von Bitcoin und Co.

Die Freiheitskämpfer der digitalen Welt

Die Cypherpunks sind eine lose Gruppe von technisch versierten und freiheitsliebenden Personen, die sich für mehr Datenschutz im digitalen Zeitalter einsetzten und sich über Ideen und Werkzeuge, die für das Erreichen ihrer Ziele nützlich sein könnten, austauschen.

Der Name “Cypherpunks” ist eine Komposition aus insgesamt drei englischen Wörtern:

  1. “Cipher”, welches für ein “Chiffre”, also einen Geheimtext steht.
  2. “Cyber”, ein Wortbildungselement, welches eine von Computern erzeugte virtuelle Scheinwelt beschreibt.
  3. “Punks”, eine Jugendkultur die Mitte der 70er Jahre entstand und deren Mitglieder durch ihr rebellisches und nonkonformistisches Verhalten charakterisiert werden können.

Kurz gesagt: Cypherpunks wollen mittels Kryptographie die digitale Welt zu einem besseren Ort machen und die Privatsphäre von Individuen schützen.

Die Ursprünge der Cypherpunk-Bewegung

Die Cypherpunk-Bewegung entstand zu Beginn der 1990er Jahre, als einige Libertäre und freiheitsliebende Kryptographen und Informatiker wie z.B. Timothy May, Eric Hughes und John Gilmore begannen, sich auf monatlicher Basis zu einer Art Stammtisch zu treffen. Die Treffen bestanden aus Diskussionen über verschiedene Aspekte der Kryptographie. Die Ideen der Gruppe gipfelten in “A Cypherpunk’s Manifesto”, einem – wie der Name schon sagt – Manifest von und für Cypherpunks, welches von Gründungsmitglied Eric Hughes verfasst wurde. Eine Pflichtlektüre für jeden, der versucht, die Philosophien der Cypherpunks zu verstehen. Auch Timothy May verfasste sein eigenes Manifest, das “Crypto Anarchist Manifesto”.

Cypherpunks widmen sich dem Aufbau anonymer Systeme… Privatsphäre ist für eine offene Gesellschaft im elektronischen Zeitalter notwendig… Wir können nicht erwarten, dass Regierungen, Unternehmen oder andere große, gesichtslose Organisationen uns Privatsphäre gewähren… Wir müssen unsere eigene Privatsphäre verteidigen, wenn wir erwarten, dass wir welche haben. Wir verteidigen unsere Privatsphäre mit Kryptographie, mit anonymen Postweiterleitungssystemen, mit digitalen Signaturen und mit elektronischem Geld”.

Auszug aus Eric Hughes’ “A Cypherpunk’s Manifesto”

Die Treffen der Cypherpunks führten schließlich zu einer Mailingliste. Diese mittlerweile legendäre Mailingliste verwendete bereits das frühe Internet beziehungsweise E-Mails.
Dies ermöglichte es der Gruppe zu wachsen, die Ideen und Visionen über den Globus zu verteilen und sich weltweit auszubreiten.

Die Mailingliste wuchs in den Folgejahren zahlenmäßig stark an. Bekannte Persönlichkeiten wie Julian Assange, Hal Finney (der erste Empfänger einer Bitcoin Transaktion) und Adam Back (die erste Person die – abgesehen vom Erfinder selbst – von Bitcoin erfahren hatte) traten der Liste bei. Die Diskussionen zwischen den Gruppenmitgliedern variierten stets. Sorgen um die Privatsphäre waren an der Tagesordnung, wobei die Möglichkeit eines aufkeimenden Big-Brother-Staates die größte Angst mancher Cypherpunks war. Daneben gab es weitere philosophische Debatten und natürlich den Austausch zu Ideen für eine dezentrale Währung im bzw. durch das Internet.

Der Einfluss der Cypherpunks auf Bitcoin

Der Informatiker und Kryptograph David Chaum gilt als eine Art Ur-Cipherpunk. Seine Arbeit von 1985, “Sicherheit ohne Identifikation: Transaktionssysteme, um Big Brother obsolet zu machen” handelt von den Konzepten, die den Kryptowährungen und der Blockchain-Technologie zugrunde liegen und von Methoden, die es Einzelpersonen und Organisationen ermöglichen würden, ihre Privatsphäre bei verschiedenen Transaktionen zu wahren, sodass diese Transaktionen nicht mit personenbezogenen Daten verknüpft werden können.

Chaums Konzept “DigiCash”, 1983 konzipiert und 1994 veröffentlicht, ermöglichte den ersten Einsatz von ausschließlich softwarebasierter Electronic-Cash-Technologie, um per Computer über E-Mail oder das Internet zu bezahlen. Digicash gilt, neben dem von Adam Back entwickelten “Hashcash” und von einem anderen Cypherpunk namens Wei Dai entwickelten “B-Money”, als Vorfahre dessen was wir heute als Bitcoin kennen.

“Hashcash” war Backs Methode, um den Versand von Spam zu teuer zu machen. Es erforderte vom Absender einer E-Mail den Nachweis, dass er viel Zeit und Rechenleistung aufgewendet hatte, um einen E-Mail-Header zu erstellen – nicht unähnlich dem Proof-of-Work-Verfahren, das der Bitcoin-Blockchain heute zugrunde liegt. Er beschrieb seine Methode bereits 1997 auf der Cypherpunks-Mailingliste.

Wei Dai veröffentlichte sein “B-Money” 1998 ebenfalls auf der Cypherpunks-Mailingliste. Dai bot eine Möglichkeit an, Geld zu tauschen und Verträge durchzusetzen, die unter einem Netzwerk von Benutzern verteilt wurden, keine Intervention einer dritten Partei wie etwa einer Regierung erforderten und dank der Verschlüsselung nicht zurückverfolgt werden konnten. Wie die Bitcoin-Blockchain beinhaltete auch seine Idee eine Möglichkeit für die Teilnehmer, durch Rechenaufwand Geld zu schaffen. Und sein Vorschlag, wie Aufzeichnungen zur Unterstützung der Gültigkeit von Transaktionsdaten und des Geldbetrags, der jedem Benutzer gehört, geführt werden können, erinnert ebenfalls an die Bitcoin-Blockchain. Mit der Ausnahme, dass er anstelle des Proof-of-Work-Konzepts, das die Bitcoin-Blockchain verwendet, eine Art Proof-of-Stake-Konzept verwendete.

Leider hatten all diese Konzepte noch kleine Schwachstellen und weder “Digicash” noch “Hashcash” oder “B-Money” konnten das Problem der Doppelausgaben (“Double Spending”) lösen.

Und dann kam Satoshi…

Als der Nutzer mit dem Pseudonym “Satoshi Nakamoto” im Jahr 2008 sein berühmtes Whitepaper mit dem Titel: “Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System” ebenfalls in der Cypherpunk Mailingliste veröffentlichte, war das eigentlich revolutionäre und neue daran, dass es ihm gelang das Problem der Doppelausgaben durch die Kombination mehrerer, bereits dagewesener, Ideen und Konzepte zu lösen. Backs “Hashcash” und Dais “B-Money” werden in Satoshis Whitepaper sogar zitiert. Das Dokument bezog sich sogar direkt auf die beiden Konzepte und sprach viele der Probleme an, mit denen sich die früheren Entwickler konfrontiert sahen. Das Bitcoin-Whitepaper zog zu Beginn viel Kritik von Skeptikern auf sich, aber Nakamoto machte weiter und allen Kritikern zum Trotz schürfte er am 03.01.2009 den aller ersten Bitcoin-Block. Seit diesem Tage läuft die Bitcoin-Blockchain ununterbrochen und Satoshi wurde zur Legende.

Autor

Vor einigen Jahren in das Bitcoin - "rabbit hole" gefallen und seitdem keinen Weg nach draußen gefunden.