Obwohl die geplanten Kinovorstellungen bereits in fünf Ländern ausverkauft waren, konnten diese aufgrund der Covid-19 Pandemie nicht wie geplant stattfinden, was den verantwortlichen Filmemacher Thorsten Hoffmann dazu veranlasste, sein Werk bereits vergangene Woche als Pay-on-Demand Variante online zur Verfügung zu stellen. Die Europapremiere feierte der Film bereits auf der Berlinale, Ende Februar.

Zum wirklich geringen Preis von umgerechnet 5,40€ kann man den preisgekrönten Regisseur & Produzenten fünf Jahre nach seinem ersten Film (Bitcoin: The End of Money as we know it) auf einer Reise durch das Ökosystem der digitalen Währungen begleiten. Der Film ist in englischer Sprache jedoch wahlweise auch mit englischen und französischen Untertiteln verfügbar. Ob auch deutsche Untertitel für die Zukunft geplant sind, ist leider nicht bekannt.

Auf der offiziellen Webseite des Films heißt es: „Torsten Hoffmann [nimmt] die großen Köpfe und die großen Egos hinter Bitcoin erneut in Augenschein und macht sich daran, die Entwicklung der Blockchainindustrie und ihre utopischen Ideen zu erforschen. Kann diese Technologie, die so konzipiert ist, dass sie unabhängig von Vertrauen und innerhalb eines dezentralisierten Netzwerks funktioniert, wirklich eine robuste Alternative zum traditionellen Bankwesen und dem Internet, wie wir es kennen, bieten?“

Ob der Dokumentarfilm das Geld wert ist, oder ob selbst 5€ schon zu teuer sind und ihr nur eure Zeit verschwenden würdet, versuche ich euch in den folgenden Zeilen kurz zu erläutern.


Drei Akte

Der Film ist -wie man bereits dem Titel entnehmen kann- in die drei Akte Bitcoin, Blockchains und Future of the Internet untergliedert.

Akt 1: Bitcoin

Zunächst ist zu sagen, dass Thorsten Hoffmann wirklich keine Kosten und Mühen gescheut hat und auf der ganzen Welt unterwegs war um viele “Schwergewichte” aus der Bitcoin- und Altcoin-Szene zu interviewen.
Mit dabei sind unter anderem Andreas Antonopoulos, Laura Shin, Charlie Lee, Craig Wright, Roger Ver, Vitalik Buterin, Wences Cesares, Tone Vays, Stephan Livera, Samson Mow oder auch der Berliner “Room 77”-Gründer Jörg Platzer .
Alles in Allem ist der Film sehr einsteigerfreundlich gestaltet und wohl eher für das Onboarding von sogenannten “No-Coinern” (Leute ohne Krypto-Bezug) gedacht, als zur Wissensvermittlung für eingefleischte Bitcoiner und Krypto-Enthusiasten.
Mit einigen schönen Analogien wird versucht dem unwissenden Zuschauer zu verdeutlichen, was eigentlich Bitcoin ist und wie eine Blockchain grundlegend funktioniert.
Dabei wird auf das neunseitige Bitcoin-Whitepaper eingegangen und erklärt, was diese Erfindung so besonders macht. Die wichtigsten Stichworte für Akt 1 sind “Bank the unbanked”, Trennung von Geld und Staat, Transparenz und ohne Mittelsmann. Außerdem wird mit dem Mythos aufgeräumt, dass Bitcoin aufgrund seiner Anonymität und Privatsphäre Eigenschaften nur für illegale Dinge verwendet wird.

Hoffmann und “Bitcoin-Judas” Roger Ver in den Straßen Tokios. Quelle: Cryptopia (Film)

Akt 2: Blockchains

Im zweiten Akt wird das Konstrukt “Blockchain” etwas genauer beleuchtet und es wird erklärt was Smart Contracts sind, wie mit Litecoin und Ethereum die ersten Alternativen zu Bitcoin entstanden sind und welche Probleme im Zuge des ICO-Hypes Ende 2017 und Anfang 2018 entstanden sind.

Der Name “Smart Contract” ist irreführend. Eigentlich ist es kein intelligenter Vertrag, sondern ein dummes Programm.

Andreas Antonopoulos

Für den einen ist der Besuch eines, in einem alten Militär-Bunkers befindlichen, Cold-Storages sicherlich ein Highlight. Für andere könnte der Versuch von Charlie Lee den Begriff “Shitcoin” zu erklären möglicherweise ebenfalls als Highlight durchgehen.

Obwohl es an sich keine Blockchain und noch nicht einmal eine Kryptowährung ist, durfte in einem Film dieses Formats, natürlich auch die obligatorische Thematisierung vom sogenannten “Facebook-Coin” namens Libra nicht fehlen, bevor es dann schlussendlich in den dritten Akt über ging.

Akt 3: The Future of the Internet – Die Zukunft des Internets

Da der Name des Films “Cryptopia” eine Komposition aus den Wörtern Crypto/Krypto und Utopia/Utopie ist und man sich bisher fragte, warum denn dieser Name für den Film gewählt wurde, wird diese Frage immerhin gegen Ende des Films im dritten Akt etwas genauer aufgeklärt.
Es wird dargestellt, dass Bitcoin und die Blockchain-Technologie nur der Anfang einer niemals endenden Liste von “kryptopischen Ideen” war,
Für die einen ist es lustiges Internetgeld, digitales Gold oder ein Mittel zur Inflationsabsicherung, für andere eine Waffe gegen korrupte Politiker und Staaten. Manche Entrepreneure konnten ihren Traum dadurch verwirklichen, andere wollen es bekämpfen.
Ob es schlussendlich ein neues Protokoll für das Internet bringen wird, welches uns die Macht gibt, die Datenkraken um Gooogle, Facebook und Co. zu stürzen, wird die Zukunft zeigen.

Ob das für ein neunseitiges Papier, das von einem anonymen Schöpfer veröffentlicht wurde etwas zu viel verlangt ist, das könnt ihr selbst entscheiden.

Fazit

Ohne wirklich Erwartungen an den Film gehabt zu haben, war ich am Ende des Films doch etwas hin und her gerissen ob ich mit dem Ergebnis zufrieden bin oder nicht.
Es ist zwar ganz nett, dass so viele “Berühmtheiten” zu Wort kommen und ihre Gedanken mitteilen, aber wirklich Bedeutendes zu sagen hatten die wenigsten. Eventuell gehört man als langjähriger Bitcoin-Enthusiast auch einfach nicht zu Zielgruppe des Films und Neulinge sehen den Film mit anderen Augen. Aber auch für Leute die bereits tiefer in die ganze Materie eingetaucht sind und die vielleicht wenig neues mitnehmen, ist Cryptopia definitiv keine Zeitverschwendung.
Schon alleine vom Gesichtspunkt der Unterstützung für solche Projekte, kann ich jedem nur ans Herz legen die 5€ und 87 Minuten Zeit zu investieren.

Nachtrag

Mittlerweile haben wir vom Filmteam erfahren, dass Ende des Jahres eine deutsche Fernsehversion im NDR erscheinen wird. Allerdings wird diese auf ein breiteres Publikum ausgelegt und somit eine deutlich gekürzte Fassung sein.

Hier könnt ihr den Film anschauen: cryptopiafilm.com

Trailer

Autor

Vor einigen Jahren in das Bitcoin - "rabbit hole" gefallen und seitdem keinen Weg nach draußen gefunden.