Lektion 3: Replikation und Lokalisierung

Demnächst kam eine ärgerliche Stimme – die des Kaninchens – »Pat! Pat! wo bist du?

Die Quantenmechanik außen vor gelassen, ist die Lokalisierung kein echtes Problem in unserer physischen Welt. Die Frage “Wo ist X?” kann sinnvoll beantwortet werden, egal ob X eine Person oder ein Objekt ist. In der digitalen Welt ist die Frage, wo man sich befindet bereits schwierig aber nicht unmöglich zu beantworten. Wo sind deine E-Mails wirklich? Eine schlechte Antwort wäre “die Cloud”, die nur der Computer eines anderen ist. Dennoch, wenn Sie jedes Speichermedium das Ihre Mails aufzeichnet finden wollten, könnten Sie diese theoretisch finden.

Bei Bitcoin ist die Frage nach dem “Wo” wirklich knifflig. Wo genau sind deine Bitcoins?

“Ich öffnete die Augen sah mich um und stellte das Unvermeidliche, das Traditionelle, die bedauerlicherweise abgedroschene postoperative Frage: “Wo bin ich?“

Daniel Dennett

Das Problem besteht in zweifacher Hinsicht: Erstens wird das “distributed Ledger” (die “verteilte Kontenübersicht”) durch vollständige Replikation verteilt, d.h. diese Kontenübersicht ist überall. Zweitens gibt es keine Bitcoins. Nicht nur physisch, sondern auch technisch gesehen nicht.

Bitcoin behält den Überblick über einen Satz von „unspent transaction outputs“ ohne sich jemals auf eine Entität beziehen zu müssen, die einen Bitcoin repräsentiert. Die Existenz eines Bitcoin wird abgeleitet aus der Menge der „unspent transaction outputs“.

Jeder Eintrag mit 100 Millionen Basiseinheiten wird als Bitcoin bezeichnet.

“Wo ist es in diesem Moment, im Transit? […] Erstens es gibt keine Bitcoins. Es gibt sie einfach nicht. Sie existieren nicht. Es gibt Ledger-Einträge in einem Ledger, der gemeinsam genutzt wird [….] Sie existieren nicht an einem physischen Ort. Das Ledger existiert im Wesentlichen an jedem physischen Ort. Geographie macht hier keinen Sinn — sie wird dir nicht helfen, deine Politik hier festzulegen.”

Peter Van Valkenburgh

Also was besitzt du eigentlich wenn du sagst: “Ich habe einen Bitcoin”, wenn es keine Bitcoins gibt? Nun erinnerst du dich an all diese komischen Worte, die du bei der Einrichtung deiner Wallet aufschreiben musstest? Wie sich herausstellt, sind dies die Zauberworte und das was du besitzt ist ein Zauber mit dem du Einträge in das Bitcoin-Kontenbuch machen kannst — die Schlüssel um Bitcoins zu “bewegen”. Deshalb sind deine privaten Schlüssel im Grunde genommen deine Bitcoins. Wenn du denkst, dass ich mir das alles ausgedacht habe, kannst du mir gerne deine privaten Schlüssel schicken.

Bitcoin hat mir beigebracht, dass Lokalität eine knifflige Angelegenheit ist.

Lizenz

Wie auch das Original (https://21lessons.com/) steht dieser Artikel unter der CC BY-SA 4.0 Lizenz. Nähere Informationen dazu findest du hier: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de

Autor

Vor einigen Jahren in das Bitcoin - "rabbit hole" gefallen und seitdem keinen Weg nach draußen gefunden.