Lektion 12: Die Geschichte und der Untergang des Geldes

[…] nur weil sie sich nicht an die einfachen Regeln erinnern
wollten, die ihre Freunde sie gelehrt hatten:
zum Beispiel, daß ein rotglühender Feuerhaken einen
verbrennt, wenn man ihn zu lange in der Hand
hält, oder daß es gewöhnlich blutet, wenn man sich
mit einem Messer sehr tief in den Finger schneidet,
und sie hatte niemals vergessen, daß wenn man viel aus einer Flasche mit der Aufschrift „Gift“ trinkt, es einem
fast mit Sicherheit nicht bekommt, früher oder später.

Viele Menschen glauben, dass Geld durch Gold gedeckt ist, welches hinter dicken Mauern in großen Tresoren eingeschlossen ist. Noch vor einigen Jahrzehnten war dies tatsächlich der Fall. Ich bin mir nicht wirklich im Klaren darüber, was ich zuvor dachte, aber ich hatte praktisch keine Ahnung von Gold, Papiergeld oder warum es überhaupt von etwas gedeckt sein sollte.

Um zu lernen was Bitcoin ist, muss man auch lernen, was Fiatgeld ist: Was es bedeutet, wie es entstanden ist und warum es vielleicht nicht die beste Idee war. Also was genau ist Fiatgeld? Und wie sind wir dazu gekommen dieses zu nutzen?

Wenn etwas als FIAT deklariert wird, bedeutet dies, dass es durch eine formelle Genehmigung oder ein Versprechen eingeführt wird. Fiatgeld ist einfach Geld, weil jemand sagt, dass es Geld ist. Da alle Regierungen heute Fiatgeld verwenden, ist dieser Jemand deine Regierung. Leider steht es dir nicht frei mit diesem Wertversprechen nicht einverstanden zu sein. Du wirst schnell merken, dass dieser “Vorschlag” alles andere als gewaltfrei ist. Falls du dich weigern solltest dieses Papiergeld für Geschäfte und deine Steuern zu verwenden, werden die einzigen zukünftigen Menschen mit denen du über Wirtschaft diskutieren kannst deine Zellengenossen sein.

Der Wert von Fiatgeld ergibt sich nicht aus seinen inhärenten Eigenschaften. Wie gut eine bestimmte Art von Fiatgeld ist, hängt nur mit der politischen und fiskalischen (In)Stabilität derjenigen zusammen, die es in Umlauf “geträumt” haben. Sein Wert wird durch ein Dekret willkürlich festgelegt.

Fiat = dt. Er/Sie/Es werde/geschehe/entstehe/finde statt

Bis vor kurzem wurden zwei Arten von Geld verwendet: Warengeld, welches aus kostbaren Gütern hergestellt wurde und repräsentatives Geld, das, meist in schriftlicher Form, einfach das kostbare Gut abbildet.

Wir sind auf das Warengeld bereits in vorherigen Lektionen eingegangen. Die Menschen benutzten spezielle Knochen, Muscheln und Edelmetalle als Geld. Später wurden hauptsächlich Münzen aus Edelmetallen wie Gold und Silber als Geld verwendet. Die älteste bisher gefundene Münze besteht aus einer natürlichen Gold-/Silbermischung und wurde vor mehr als 2700 Jahren hergestellt. Auch wenn etwas bei Bitcoin neuartig ist, das Konzept einer Münze ist es nicht.

Eine uralte Münze: Die Lydische Elektron-Trite

Es stellte sich heraus, dass das Horten und Halten von Münzen oder “das Hodln”, um den heutigen Sprachgebrauch zu verwenden, fast so alt ist wie die Münzen selbst. Der früheste Münz-Hodler war jemand, der fast hundert dieser Münzen in einen Topf legte und sie in den Fundamenten eines Tempels vergrub. Dieser Topf wurde erst 2500 Jahre später gefunden. Ziemlich guter “cold-storage” wenn du mich fragst.

Einer der Nachteile bei der Verwendung von Edelmetallmünzen ist, dass Teile davon abgeclipst bzw. abgefeilt werden können, was den Wert der Münze effektiv verringert. Aus den Abschnitten können neue Münzen geprägt werden, die die Geldmenge im Laufe der Zeit erhöhen und dabei jede einzelne Münze entwerten. Es gab Leute, die sich buchstäblich so viel von ihrer Münze abfeilten, wie sich “erlauben” konnten ohne erwischt zu werden. Ich stelle mir allerdings die Frage, wie damals eigentlich die Werbung des Unternehmens “Dollar Shave Club” aussah.

Da die Regierungen mit der Inflation nur dann einverstanden sind, wenn sie es selbst tun, wurden große Anstrengungen unternommen die Guerilla-Entwertung durch die eigenen Bürger zu stoppen. In der klassischen Räuber und Gendarme Manier wurden die “Münzfeiler” immer kreativer mit ihren Techniken und zwangen die “Meister der Münze” mit ihren Gegenmaßnahmen selbst auch kreativ zu werden. Isaac Newton, der weltberühmte Physiker und Autor der Principia Mathematica war einer dieser Meister. Ihm wird zugeschrieben, dass er die kleinen Streifen an der Seite der Münzen die heute noch vorhanden sind hinzugefügt hat. Vorbei waren die Zeiten des einfachen “Münzfeilens”.

Auch wenn diese Methoden der Münzentwertung unter Kontrolle gebracht werden konnte, leiden die Münzen noch immer an anderen Problemen. Sie sind sperrig und nicht sehr bequem zu transportieren, besonders wenn große Werttransfers stattfinden müssen. Mit einer großen Tasche voller Silberdollar aufzutauchen, wenn man einen Mercedes kaufen will ist nicht sehr praktisch.

Wo wir gerade von deutschen Dingen sprechen: Wie der US-Dollar seinen Namen erhielt ist eine weitere interessante Geschichte. Das Wort “Dollar” leitet sich vom deutschen Wort Taler ab, kurz für einen Joachimsthaler. Ein Joachimsthaler war eine Münze, die in der Stadt Sankt Joachimsthal geprägt wurde. Taler ist einfach eine Abkürzung für jemanden (oder etwas), der aus dem Tal kommt, und da Joachimsthal das Tal für die Herstellung von Silbermünzen war, bezeichneten die Menschen diese Silbermünzen einfach als Taler. Taler (deutsch) verwandelte sich in Daalders (niederländisch) und schließlich in Dollar (englisch).

Der ursprüngliche “Dollar”. Der heilige Joachim ist mit seinem Gewand und seinem Zauberhut abgebildet.
Bild: cc-by-sa Berlin-George

Die Einführung von repräsentativem Geld läutete den Untergang des Hartgeldes ein. Gold-Zertifikate wurden 1863 eingeführt und etwa fünfzehn Jahre später wurde auch der Silberdollar langsam aber sicher durch eine Art Papiervollmacht ersetzt:
Das Silberzertifikat.

Von der Einführung der ersten Silberzertifikate bis zur Umwandlung dieser Papiere in etwas, das wir heute als einen US-Dollar ansehen würden, vergingen etwa 50 Jahre.

Ein Silberdollar von 1928 in den USA. “Auf Verlangen an den Inhaber zahlbar.”
Bild: Die Nationale Numismatische Sammlung des Smithsonian Institute

Beachte, dass der obige US-Dollar von 1928 immer noch den Namen Silberzertifikat trägt was darauf hindeutet, dass es sich hierbei tatsächlich nur um ein Dokument handelt, welches aussagt, dass dem Träger dieses Papiers ein Silberstück geschuldet wird. Es ist interessant zu sehen, dass der Text der darauf hinweist mit der Zeit kleiner geworden ist. Die Spur des “Zertifikats” verschwand nach einiger Zeit vollständig und wurde durch die beruhigende Aussage ersetzt, dass es sich um “Bundesbanknoten” handelt.

Wie bereits erwähnt geschah das Gleiche mit Gold. Der Großteil der Welt war auf einem bimetallischen Standard aufgebaut, d.h. Münzen wurden hauptsächlich aus Gold und Silber hergestellt. Zertifikate für Gold die in Goldmünzen eingelöst werden können waren wohl eine technologische Verbesserung. Papier ist bequemer, leichter und da es durch einfaches Bedrucken einer kleineren Zahl beliebig unterteilt werden kann, ist es einfacher es in kleinere Einheiten zu zerlegen.

Um die Inhaber (Nutzer) daran zu erinnern, dass diese Zertifikate repräsentativ für das tatsächliche Gold und Silber waren, wurden sie entsprechend gefärbt und auf dem Zertifikat selbst deutlich gekennzeichnet. Im linken Bereich des Scheins ist zu lesen:

“Dies bescheinigt, dass in der Staatskasse der Vereinigten Staaten von Amerika hundert Dollar in Goldmünzen hinterlegt wurden, die auf Verlangen an den Inhaber zahlbar sind.”

Bild: Die Nationale Numismatische Sammlung des Smithsonian Institute

1963 wurden die Worte “ZAHLBAR AN DEN INHABER AUF ANFRAGE” aus allen neu ausgegebenen Schuldverschreibungen gestrichen. Fünf Jahre später endete die Rücknahme von Papiernoten für Gold und Silber.

Die Worte, die auf die Herkunft und die Idee des Papiergeldes hinwiesen wurden entfernt. Die goldene Farbe verschwand. Alles was übrig blieb war das Papier und damit die Fähigkeit der Regierung so viel davon zu drucken wie sie wollte.

Mit der Abschaffung des Goldstandards im Jahr 1971 war dieser hundertjährige Geniestreich komplett. Geld wurde zu einer Illusion, welcher wir alle bis heute glauben schenken: das Papiergeld. Es ist etwas wert, weil jemand der eine Armee befehligt und Gefängnisse betreibt sagt, dass es etwas wert ist. Wie man auf jeder heute im Umlauf befindlichen Dollar-Note deutlich ablesen kann, “DIESE NOTE IST EIN GESETZLICHES ZAHLUNGSMITTEL”. Mit anderen Worten: Das Geld ist wertvoll, weil die Geldnote sagt dass sie wertvoll ist.

Eine 2004er Serie von 20-Dollar-Noten in den USA, die heute verwendet wird. DIESE NOTE IST EIN GESETZLICHES ZAHLUNGSMITTEL.

Übrigens, es gibt noch eine weitere interessante Lektion die man heute offen und für jeden erkennbar auf den Banknoten ablesen kann. Die zweite Zeile beschreibt dass dieser Schein ein Zahlungsmittel “für alle Schulden, öffentlich und privat” ist. Was für Ökonomen offensichtlich sein könnte war für mich überraschend: Alles Geld sind Schulden. Mein Kopf schmerzt deswegen noch immer und ich werde es dir als eigene kleine Übungsaufgabe überlassen, das Verhältnis von Geld und Schulden auf der Welt selbst zu erforschen.

Wie wir nun sehen konnten wurden Gold und Silber jahrtausendelang als Geld verwendet. Im Laufe der Zeit wurden Münzen aus Gold und Silber durch Papier ersetzt. Papiere wurde langsam als Zahlungsmittel akzeptiert. Diese Annahme schuf eine Illusion — die Illusion, dass das Papier selbst einen Wert hat. Der letzte Schritt war die Verbindung zwischen Repräsentation und Realität vollständig zu durchbrechen: Die Abschaffung des Goldstandards und jeden davon zu überzeugen, dass das Papier an sich wertvoll ist.

Bitcoin lehrte mich über die Geschichte des Geldes und den größten Trick in der Geschichte der Wirtschaft: Das Fiatgeld.

Lizenz

Wie auch das Original (https://21lessons.com/) steht dieser Artikel unter der CC BY-SA 4.0 Lizenz. Nähere Informationen dazu findest du hier: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de

Autor

Vor einigen Jahren in das Bitcoin - "rabbit hole" gefallen und seitdem keinen Weg nach draußen gefunden.