“Bitcoin ist zentralisiert” – So lautet der Vorwurf vieler Kritiker dem Bitcoin gegenüber.
Aber ist da was dran?

Die Kritik bezieht sich auf zwei maßgebliche Punkte, von denen sämtliche Kritik zur Zentralisierung ausgeht.
Die Zentralisierung der Entwicklung und die Zentralisierung des Netzwerks.

Blockstream und die Entwickler

Blockstream ist ein von Adam Back und einigen Bitcoin-Core-Developern gegründetes Unternehmen.
Das Unternehmen beteiligt sich zu großen Teilen an der Entwicklung des Bitcoin, dem Lightning Netzwerk und einigen anderen Projekten.

Kritik an Blockstream und Bitfinex.
Die Exchange Bitfinex ist laut eigener Angaben ein früher Investor der Firma Blockstream.
Als es 2016 zu einem Hack auf der Exchange kam, haben Adam Back und Gregory Maxwell von Blockstream, aktiv daran mitgearbeitet, den Hacker ausfindig zu machen.

Weiter gibt es Kritik, da die meisten Bitcoin-Core-Developer vom Unternehmen Blockstream bezahlt werden.
Hier gibt es den Vorwurf, Blockstream würde die Bitcoin Entwicklung maßgeblich beeinflussen.

Aber stimmt das?

So entwickelt sich Bitcoin

Wenn wir von zentralisierter Software sprechen, dann haben wir immer einen Entwickler oder ein Entwicklerstudio, welches diese Software weiterentwickelt und Updates einspielt.
Diese sind dann in der Lage Änderungen nach ihrem Belieben durchzführen und können sich auch über die Wünsche der Mehrheit hinwegsetzen.

Als Beispiel könnte Facebook die neue Serversoftware für Whatsapp so umstellen, dass man Whatsapp auf dem Smartphone aktualisieren muss um es weiter nutzen zu können.

Beim Bitcoin funktioniert die Entwicklung anders.
Hier gibt es so genannte Bitcoin Improvement Proposals oder auch kurz “BIP”.
Diese Dokumente werden von Entwicklern veröffentlicht und beinhalten technische Vorschläge, um die Bitcoin Protokolle weiterzuentwickeln.

Dabei müssen 95% der Miner diesem Protokoll zustimmen, damit es dem Bitcoin hinzugefügt wird.
Wird diese Zahl nicht erreicht, kommt es häufig zu einem Hardfork und eine neue Kryptowährung basierend auf der Bitcoin Historie entsteht.
So war es z.B. bei Bitcoin Cash der Fall.

Somit ist schnell klar, Blockstream hat keine Macht sich über die Miner hinwegzusetzen.
Zwar können sie in den BIPs eigene Interessen einfließen lassen, diese müssen dann aber von der Mehrheit der Netzwerkbetreiber auch angenommen werden.

Somit hat Blockstream keine Macht, dem Bitcoin durch Entwicklungen zu schaden.

Aber was ist, wenn jemand alle Miner kontrolliert?

Mining Zentralisierung

Als es noch möglich war, den Bitcoin mit der CPU zu minen, konnte sich eigentlich jeder am Mining beteiligen.
Schnell wurde aber klar, dass Leute mit weniger Rechenleistung nur selten Blöcke finden und somit auch nur selten einen Blockreward erhalten.

Als Lösung für dieses Problem, hat man sich mit mehreren Minern zusammengetan und einen Mining-Pool gebildet.
Dabei wird die Rechenleistung aller Poolteilnehmer gebündelt und jeder wird Anteilig der prozentualen Rechenleistung die er zur Verfügung gestellt hat, am Blockreward beteiligt.

2014 wurde der Pool GHash so groß, dass er 51% der Rechenleistung im Bitcoin Netzwerk besaß.
Somit ist es dem Pool möglich, dass Bitcoin Netzwerk zu manipulieren und für eigene Zwecke zu nutzen.

In diesem Video erfährst du was eine 51% Attacke ist: https://www.youtube.com/watch?v=XPvxKPETj8g

Die folgende Grafik zeigt die derzeitige Verteilung der Rechenleistung der Bitcoin-Pools

Tortendiagram zur Verteilung der Rechenleistung aller Bitcoin Miner / Pools
Quelle: https://www.blockchain.com/de/pools

Zwar ist die Situation nicht mehr so kritisch wie im Jahr 2014, aber dennoch problematisch!
Es könnten sich mehrere Pools zusammentun um wieder die 51% der Rechenleistung zu erlangen.
Ganz abwegig ist diese Gefahr nicht, da alle großen Pools in China lokalisiert sind.
Außerdem wäre es möglich, dass die Pools ihre Rechenleistung aus dem Bitcoin Cash Netzwerk abziehen und in das Bitcoin Netzwerk leiten.
Dadurch würde der prozentuale Anteil der großen Pools nochmals steigen.

Haben die Pools wirklich so viel Macht?

Zum einen muss man sagen, die Poolbetreiber würden sich das eigene Geschäft zerstören.
Sie haben kein Interesse, dem Bitcoin zu schaden und der Schaden entsteht bereits vor dem Unglück.
Durch Poolzentralisierung sinkt das Vertrauen in Bitcoin.

Weiter ist es so, dass die Pools die Rechenleistung von vielen Millionen Minern Weltweit bündeln.
Und die Zentralisierung in Bezug auf die reine Rechenleistung ist hier nicht zu erkennen.
Zwar gibt es keine 100% validen Daten, aber die tatsächliche Verteilung der Rechenleistung sieht relativ harmlos aus.
Derzeit geht man davon aus, dass die größte Miningfarm etwa 5% der gesamten Hashpower besitzt und sich damit weit von den anderen absetzt.

Also wenn die tatsächliche Rechenleistung nicht das Problem ist, sondern der Zusammenschluss dieser Rechenleistung in Pools, wie löst man dieses Problem dann?

Die Lösung des Problems

Wie bereits in meinem Video erklärt, arbeitet man derzeit an einem neuen Protokoll.
Es handelt sich hierbei um Stratum V2.
Derzeit arbeiten die Miner und die Poolbetreiber mit dem noch aktuellen Protokoll Stratum V1.
Hierbei ist es so, dass die Poolbetreiber aussuchen können, welche Transaktionen bestätigt werden.
Und genau hier liegt die Gefahr der 51% Attacke verankert.

Stratum V2 soll dieses Problem damit lösen, dass Miner zukünftig selbst in der Lage sind auszusuchen, welche Transaktionen bestätigt werden sollen.
Macht der Miner dies nicht, übernimmt der Pool zwar nach wie vor diese Aufgabe, aber diese Entscheidung liegt bei den Minern.

Warum sollten Poolbetreiber auf das neue Protokoll setzen?

Wie bereits erwähnt, haben auch die Pools großes Interesse, das Vertrauen im Bitcoin zu stärken.
Darüber hinaus bietet das neue Protokoll viele Vorteile.
Zum einen gäbe es keine Gefahr auf eine Poolzentralisierung, da diese keine Macht mehr hätten Ihre Rechenleistung zu missbrauchen.
Zum anderen bietet das Protokoll technisch einige Neuerungen, so wird die Kommunikation mit dem neuen Protokoll deutlich effizienter und schneller.
Auch werden viele Telemetrie Daten ermittelt und dienen so der Optimierung des Minings.

Sprich, die Miner haben großes Interesse an dem neuen Protokoll und werden sich an die Pools wenden, die Stratum V2 unterstützen.

Aber ab wann wird das der Fall sein?

Stratum V2 bereits im Einsatz

Das Unternehmen Braiins, welches sich hinter dem SlushPool befindet, entwickelt derzeit das neue Protokoll in Zusammenarbeit mit Bitcoin-Core-Developern.

CEO des Unternehmens Pavel Moravec hat bekanntgegeben, dass man an einem BIP für Stratum V2 arbeitet und das Protokoll im SlushPool einsetzen möchte um erste Tests unter realen Bedingungen durchführen zu können.

Dabei soll ein transparenter Proxy zum Einsatz kommen, der das Mining via Stratum V2 Protokoll annimmt und an den Pool mit Protokoll Stratum V1 überträgt.

Übersicht des Testfeldes von Stratum V2.
Quelle: https://braiins.com/upgrade

Fazit

Die Poolzentralisierung schwebt schon viel zu lange als Damoklesschwert über dem Bitcoin.
Eine Lösung für dieses Problem hätte es bereits vor Jahren gebraucht.
Dennoch wird Stratum V2 alles verändern und nahezu jede Kritik der Zentralisierung beim Bitcoin vernichten.

Die Gefahr, dass Poolbetreiber das neue Protokoll nicht annehmen, ist nahezu nicht gegeben.
Die Pools würden mit der Zeit aussterben, da die Miner das neue effizientere Protokoll nutzen möchten und sich somit an die Pools wenden würden, die dieses auch unterstützen.

Das zeigt auch gut, dass das Unternehmen Braiins, welches hinter dem SlushPool steht, gerade dieses Protokoll entwickelt.

Ich bin sehr gespannt auf das BIP des neuen Mining Protokolls und kann nur immer wieder betonen:

Bitcoin ist nicht tot!

Es werden smarte Lösungen für komplizierte Probleme entwickelt und stets bleibt die Entscheidung über die neuen Funktionen in den Händen der freien Menschen.

Natürlich ist dieses Thema nicht das einzige Problem des Bitcoins, aber darum geht es in diesem Artikel nicht.

Abschließend kann ich aber sagen, Bitcoin ist alles, aber nicht zentralisiert.

Autor

Roman oder einfach der Blocktrainer :)