Hedera Hashgraph

Der Mainnet Launch von Hedera Hashgraph findet am 16.09.2019 statt und verspricht, diverse Probleme der Blockchain Technologien zu lösen.
Mehr als 10.000 Transaktionen pro Sekunde, Micropayments und vieles mehr verspricht Hedera Hashgraph zu ermöglichen.
Doch was ist dran an diesen Angaben?

Zu aller erst müssen wir schauen wie Hedera Hashgraph funktioniert.
Um den Konsensus zu bilden, nutzt Hashgraph das Gossipprotokoll.
Eine Grafik aus dem Hashgraph-Consensus-Video hilft es zu veranschaulichen wie Hashgraph den Konsensus bildet.

Übersicht der Hashgraph "Nachrichten" und wie es den Konsensus bildet Quelle: https://www.youtube.com/watch?time_continue=2&v=cje1vuVKhwY
Quelle: https://www.youtube.com/watch?time_continue=2&v=cje1vuVKhwY

Wir sehen in der Grafik mehrere Nodes, dargestellt als “Alice, Bob, Carol usw.”
Dabei werden Informationen von Node zu Node übermittelt und bilden so den Konsensus über diese Informationen.
Selbst sagt Hedera, sie nutzen keine Blöcke, dafür aber “Nachrichten”.
Diese sehen sehr ähnlich aus wie Blöcke (blauer Kreis in der Grafik).
Hier haben wir wie auch bei der Blockchain auch Signaturen, Zeitstempel und Transaktionen.

Die Signaturen dienen in diesem Fall aber nicht dazu, Transaktionen zu signieren, sondern die gesamte “Nachricht”.
Anders wäre es Hedera nicht möglich, im Hashgraph einen Konsensus zwischen den Nodes zu bilden.
Das ist dem Umstand geschuldet, dass eine Nachricht durch eine Node verändert werden könnte.

Die Signaturen (blauer Kreis in der Grafik) signieren also die Nachricht selbst mit sich darin befindenden Transaktionen und Informationen wie dem Zeitstempel etc.

Allerdings scheint Hedera bei der Angabe der Transaktionen pro Sekunde zu tricksen.
So heißt es im Testsystem sei man auf bis zu 500.000 TPS gekommen, doch die Ergebnisse würden nicht die Zeit für die Verarbeitung der Transaktionen z.B. Signaturprüfung beinhalten.

Whitepaper Auszug von Hedera Hashgraph zum Bereich "Performance".
Quelle: https://www.hedera.com/whitepaper

Weiter heißt es sogar, dass man 10.000 TPS für das Livesystem erwarten wird, aber die anderen Dienste auf 10 TPS gedrosselt werden.

Okay? Was bedeuten andere Dienste?

Hashgraph mit 10.000 TPS?

Auch hat der Bitcoin Maximalist Eric Wall in einem umfangreichen Medium-Artikel beschrieben, wie die Datenmengen der Transaktionen von Bitcoin und Hashgraph aussehen.

Bitcoin braucht pro Block 80 Byte an Overhead Daten und nur 6 Byte pro Transaktion.
Bei Hashgraph hat eine Nachricht nur einen Overhead von 64 Byte und es können dabei mehr als 10 Transaktionen in einer Nachricht übermitteln.
Allerdings müssen bei jedem Übermitteln der Nachricht an die nächste Node weitere 64 Byte an Overheaddaten an die Nachricht angehangen werden.

So werden insbesondere Nachrichten mit wenigen Transaktionen mit der Zeit einen enormen Speicherplatzbedarf erzeugen.

Hier stellt sich eben eine Frage.

“Warum dann überhaupt Hashgraph und keine Blockchain?”

Die enorme Transaktionsmenge zu erlangen, auf Kosten von Speicherplatzbedarf, ist auch mit der Blockchain möglich.
Projekte wie BCH und BSV zeigen das, BCH verwendet 64 MB Blöcke und BSV 128 MB Blöcke.

Das hat zur Folge, dass der Graph von Hedera ähnlich wie die Blockchain von BCH und BSV mit der Zeit so groß werden, dass nur Rechenzentren und große Player diese speichern können und somit die Dezentralisierung des Netzwerkes verloren geht.

Hedera Governing Council

Kritik gibt es auch am Governance Modell von Hedera.
Hierbei wird das Hedera Netzwerk durch einen Rat von bis zu 39 führenden Unternehmen geleitet.

Änderungen am Protokoll, werden also durch diese Unternehmen beschlossen.
Der Quellcode von Hedera soll zwar einsehbar sein, läuft aber unter keiner Open Source Lizenz und darf somit nicht frei verändert werden.

Somit ist Hedera weit weg von einer freien Kryptowährung, bei der jeder Teilnehmer mit bestimmen kann, wie und ob weitere Entwicklungen für das Netzwerk vorgenommen werden.

Partnerschaften

Dem Council gehören derzeit bereits ein paar große Player im Markt an.
Hier eine Übersicht

Aufgeführt sind die Partnerschaften von Hedera Hashgraph
Quelle: https://www.hedera.com/council

Neben Unternehmen wie BOEING, der deutschen Telekom und TATA Communications, finden wir auch IBM.

Gerade letztere arbeiten bereits im großen Stil mit Hyperledger, dem Linux Blockchainframework.
Es bleibt also abzuwarten, wie viel Gewicht die genannten Partnerschaften von Hedera wirklich haben.

HBAR Coin und Economics

Hedera wird nicht via ICO den eigenen HBAR Coin in Umlauf bringen.
Dieser wird erst zum Launch des Produktes ausgeteilt.

Allerdings werden nicht alle HBAR auf einen Schlag verkauft, sondern über 15 Jahre verteilt. Folgende Übersicht zeigt die Verteilung

Übersicht der HBAR verkäufe über 15 Jahre
Quelle: https://www.hedera.com/hbar/

Man kann schnell erkennen, dass nach 5 Jahren erst 25.000.000.000 HBAR im Umlauf sind.
Hier gibt es ebenfalls Stimmen, die den Vorwurf der Coin-Zentralisierung bekräftigen.
Die Gefahr besteht also, dass in Zukunft der Preis von HBAR enorm fallen könnte.

Proxy Staking und Transaktionsgebühren

Die Transaktionsgebühren von HBAR unterscheiden sich von Service zu Service.
Als Vergleich, eine Transaktion kostet derzeit 0,00833ℏ (HBAR) bzw. immer $0,0001, während ein Smart Contract Call 0,416667ℏ bzw. $0,05.
Die Kosten in USD sind fix und es schwankt der HBAR Wert entsprechend.

Eine Übersicht der Gebühren findest du unter: https://www.hedera.com/fees

Als Investor ist man in der Lage seinen HBAR Coins zu staken und somit an den Transaktionsgebühren zu profitieren.
Dabei verwendet Hedera das sogenannte “Proxy Staking”.
Hier muss man für mindestens 24 Stunden einer vollwertigen Hedera Node seinen Stake bereitstellen.
So profitieren die vollwertigen Nodes von einem größeren Stake und somit mehr Stimmrecht im Netzwerk und der Proxy Stakeholder wird an den Transaktionsgebühren beteiligt.

Fazit und Launch

Hedera Hashgraph möchte Probleme der Blockchainwelt mit seinem Hashgraphen lösen.
Dabei stellt sich heraus, dass der Hashgraph die gleichen Probleme wie die Blockchain aufweist und Skalierungsprobleme ebenfalls durch erhöhten Speicherplatzbedarf löst.

Man könnte auch sagen, sie haben eine neue Technolgie mit neuem Namen, die aber die gleichen Probleme mit sich bringt wie die Blockchain Technologie.

Dadurch, dass hier eine neue Technologie verwendet wird, fällt es Ihnen aber leicht, diese Probleme zu verschleiern.

So brauchen Transaktionen im Hashgraph unter Umständen mehr Speicherplatz als Transaktion in der Bitcoin Blockchain.
Das bedeutet, hier hat der Hashgraph keinen Vorteil.
Vergleichbare Lösungen in der Blockchainwelt stellen hier BCH und BSV.
Die gleichen Nachteile wie z.B. die mangelnde Dezentralisierung von BCH und BSV gelten somit auch für Hashgraph.

Weiter ist das Protokoll nicht Open Source und wird somit nicht frei von der Community weiterentwickelt, sondern von einem Council aus 39 führenden Unternehmen.

Dazu kommt eine zentralisierte HBAR-Coin Verteilung und nur wenig Einfluss durch die Community auf das Projekt.

Alles in allem sehe ich hier eine sehr zentralisierte Kryptowährung
Man spielt zwar mit offenen Karten, weiß aber dennoch gewisse Nachteile zu verstecken.
Für Investoren, die selbst von der Technik nicht viel verstehen sieht Hedera Hashgraph aus, wie der heilige Gral.
Extrem viele TPS, geringe Fees, große Partnerschaften.

Was will man mehr?

Für diejenigen, die sich aber mit der Technik befassen und hinter die Fassade schauen, wird schnell klar.
Hedera Hashgraph hat die gleichen, wenn nicht sogar mehr Probleme als Blockchainbasierte Projekte.
Eine englische sehr gute Zusammenfassung der Probleme hat Eric Wall in einem Mediumbeitrag veröffentlicht.

Das geringe Supply zum Launch am 16.09.2019 und der ansteigende Hype, werden vermutlich vorerst für gute Kurssteigerungen sorgen.
Aber langfristig könnte durch das noch folgende Supply der Kurs auch wieder einbrechen.

Den Blockchain Killer sehe ich aber in Hashgraph auf keinen Fall.

Autor

Roman oder einfach der Blocktrainer :)