Verschiedene Medien berichten über einen „unglaublichen“ Abfall der Bitcoin Miner Hash Rate am 23.9.2019 von mehr als 40% und überschlagen sich teilweise mit wilden Spekulationen und Vermutungen wie das passiert sein könnte.

Quelle: https://www.blockchain.com/charts/hash-rate

Betrachtet man ein Chart der Hash Rate, kann man tatsächlich einen tiefen Abfall erkennen. Schaut man aber auf den gesamten Verlauf des Charts, kann man schon erkennen, dass eine gewisse Schwankung scheinbar normal ist.

Wie wird die Hash Rate berechnet?

Die Chart Überschrift „The estimated number[…]“ (estimated = geschätzte) gibt bereits einen ersten Hinweis. Der Wert der Hash Rate kann nicht genau gemessen werden, sondern beruht auf einer Schätzung. Denn beim Mining rechnet jeder Miner so lange vor sich hin, bis er einen Block findet. Findet er einen, wird dieser in der Blockchain gespeichert. Findet er keinen, gibt es auch keinerlei Interaktion mit der Blockchain. Es gibt also auch keine Daten!

Die einzigen Daten, die man zuverlässig auslesen kann, sind die aktuelle Schwierigkeit einen Block zu finden und wie schnell diese tatsächlich gefunden werden. Daraus kann man dann abschätzen, wie viele Miner gerade aktiv sind und daraus eine Hash Rate schätzen.

Ob dieser Wert aber stimmt, kann keiner genau sagen. Rein theoretisch kann ich auch mit einer sehr geringen Hash Rate in kurzer Zeit einen Block finden. Es spricht „nur“ die statistische Wahrscheinlichkeit dagegen.

Blockzeiten

Da die Hash Rate nur ein geschätzter Wert ist, macht ein Blick auf die tatsächlichen Blockzeiten (wie lange hat es gedauert bis neue Blöcke gefunden wurden) viel mehr Sinn. Denn diese Werte sind nicht geschätzt, sondern real.

Quelle: https://www.blockchain.com/charts/median-confirmation-time?timespan=180days

Der Ausschlag am rechten Chart Rand ist also die Grundlage für den angeblichen Absturz der Hash Rate. Schaut man sich aber die vergangen 180 Tage an, ist ein Wert von durchschnittlich 13 Minuten noch nichtmal der stärkste Ausreißer. Es gab alleine in diesem Chart 2 Tage an denen die durchschnittliche Blockzeit bei 15 Minuten lag.

Fazit

Die einzige Schlussfolgerung die man aus den Blockzeiten ziehen kann ist: Mal dauert ein Block halt länger, mal geht es schneller. Das liegt in der Natur der Sache, da das ganze System des Proof of Work Minings nun mal auf Wahrscheinlichkeiten basiert. Wann und von wem ein Block gefunden wird ist einfach nur Glückspiel mit festgelegten Wahrscheinlichkeiten (der Difficulty des Bitcoin Netzwerks).

Solche Schwankungen kommen also häufiger vor. Diesmal eben ausgerechnet an einem Tag, an dem auch der Kurs gefallen ist. Eigentlich kein Grund mit nicht fundierten Artikeln Angst zu verbreiten 😛

Weitere Infos findest du in folgendem Video:

Autor

Geboren in Münster, hat er immer noch keinen überzeugenden Grund gefunden, diese tolle Stadt zu verlassen. Als Programmierer macht er technisch alles möglich, was du hier so findest. Du willst dich bei mir bedanken? Dann guck doch mal in meine Amazon Wunschliste